Adnan Oral

Adnan Oral
Klub der Berlin‑Beweger

Der Sohn des Paradieses – Adnan, Gastronom und Promiflüsterer

Adnan ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil er der beste Handküsser Berlins ist.

Adnan, Foto: Martin Lengemann

Adnan, Foto: Martin Lengemann

Viele Berliner glauben ja, dass der Handkuss ein Relikt aus der Zeit ist, als man am Hofe den Damen die Brillanten vom Finger biss. Aber die kennen Adnan noch nicht, den Restaurantbesitzer, Philosophen, Frauen- und Männerversteher. Für die Damen ist er der beste Handküsser der Hauptstadt. Und warum tut er das, dieser erste Gäste-Verwöhner der City-West? „Der Handkuss ist die Versüßung der Begrüßungszeremonie und des Abschieds, ein Zeichen der Verehrung“, sagt Adnan. Dem charmantesten Wirt der Stadt vertrauen die zumeist auch prominenten Gäste ALLES an. Weil sie wissen: Adnan behält ALLES für sich.

Es kann vorkommen, dass in seinem Etablissement in der Schlüter- Ecke Mommsenstraße – ganz in Kurfürstendamm-Nähe – eine Frau sitzt, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit Angela Merkel hat. Oder ein attraktiver Mann, der wie George Clooney lächelt. „Sagen Sie Adnan, oder sind das wirklich…?“ Adnan zuckt mit den Schultern und zeigt sich von der listigen Seite: „Kann sein. Kann nicht sein…“

Ein Schlitzohr. Eine Berliner Institution. Ein deutscher Staatsbürger aus der Türkei, der eine italienische Küche anbietet.

Geboren 1958 in Kappadokien als Sohn eines Bauern. Sein Vater gehörte zur ersten Emigrantengeneration, kam 1961 nach Berlin. Adnan blieb bei der Mutter, besuchte seinen Vater 1973, zog 1982 nach Berlin. Karriere vom Einsteiger zum Aufsteiger. Stationen: Tellerwäscher, Schuhputzer, Gelegenheitsarbeiter, Immobilenmakler bei der Neuen Heimat. Gastro-Start mit dem „Café Frullati e pannini“ am Kurfürstendamm. Beitreiber der In-Treffs „Adriano“ am Savignyplatz, später des „Shell“/ „Schell“ an der Knesebeckstraße (der Ölkonzern Shell drohte mit Unterlassungsklage).

Seine erste Wohnung hatte er im Wedding. „Kostete 30 Mark im Monat. Im Zeitungsinserat stand was von einem ,Gartenhaus’. Ich wunderte mich, weit und breit war kein Garten zu sehen. Bis mir die Frau von der Hausverwaltung erzählte, dass in Berlin ein Gartenhaus ein Hinterhof ist. Klingt ja auch schöner…“

Heute wohnt Adnan in Dahlem. Da haben die Häuser richtige Gärten. Der Promi-Wirt ist ledig, hat eine Tochter. Sie heißt Shirin und ist zehn Jahre alt. Ist wunderschön. Ihr Name heißt übersetzt „Die Schönste unter den Schönen.“ Das verpflichtet. Adnans Gesicht strahlt vor Glück, wenn er von seiner Tochter spricht. „Stellen Sie sich vor“, erzählt er, „Shirin isst seit ihrem 2. Lebensjahr leidenschaftlich gern Austern!“ Um ehrlich zu sein, von so einer Passion habe ich bei einem Kleinkind noch nie was gehört.

Adnan vor seinem gleichnamigen Restaurant

Adnan vor seinem gleichnamigen Restaurant

Fragen an den Philosophen Adnan:

Wo ist Gott?
„Gott ist überall.“

Sind Sie ein frommer Mensch?
„Was für eine Frage! Natürlich. Ich bete jeden Tag zu ihm. Manchmal redet er mit mir. Worüber, bleibt mein Geheimnis.“

Vor dem Weg zu Gott serviert man Ihnen eine letzte Mahlzeit. Was bestellen Sie – und wer ist dabei?
„Ich würde sicherheitshalber selbst kochen, vermutlich Pasta mit Hummer. Dazu eine Flasche Château Musar, Jahrgang 1990, aus dem Libanon. Dabei sind natürlich meine Tochter und ihre Mutter.“

Was bedeutet Arbeit für Sie?
„Arbeit ist ein Privileg. Wer Arbeit hat. kann sich glücklich schätzen.“

Adnan arbeitet in zwei Schichten. Vormittags um 10 Uhr ist er im Geschäft, schmeckt die Süppchen ab und geht auf Kommunikationstour durch die Nachbarschaft. Das ist für ihn wie das Lesen einer Kiezzeitung. Mittags begrüßt er am Eingang seine Gäste und verabschiedet sie auch. Um 16 Uhr fährt er nach Hause und macht eine Siesta. Dann wieder in den Laden. Handküssen zweiter Durchgang. Und den Männern klopft er dezent auf die Schulter.

Im Schnitt arbeitet er 90 Stunden in der Woche. „Der liebe Gott“, sagt er lächelnd, „hat vieles richtig gemacht. Aber dass er dem Tag nur 24 Stunden gegeben hat, war wohl ein Fehler. Ein paar Stunden mehr, wenigstens…“

Passieren eigentlich in der Alltagshektik der Gastronomie auch viele Fehler? Adnan: „Vielleicht nicht viele, aber es kommt natürlich auch zu Fehlern. Sonst müsste man ja Roboter einstellen, aber selbst die machen Fehler, weil sie von Menschen gefüttert werden.“

Und sein eigener „schönster Fehler“?
„An den denke ich letztlich doch ganz gern zurück… Da kam eines Abends ein älterer, sehr feiner und nobel gekleideter Herr in den Laden, zusammen mit einer ungewöhnlich hübschen und attraktiven jungen Frau. Jeder dachte sich so seinen Teil…
Die beiden haben schön gegessen, tranken Champagner und genossen den Abend. Dann sind sie beschwingt gegangen. Zu spät bemerkten wir, dass er seine wertvolle goldene Uhr liegen gelassen hatte.
Zum Glück kam er am nächsten Abend wieder und ich gab ihm die Uhr zurück mit dem Hinweis, dass er die gestern liegen gelassen habe. Dabei entging mir, dass er diesmal nicht mit der jungen Frau vom Vortag, sondern mit seiner etwa gleichaltrigen Ehefrau gekommen war…“

Natürlich kam es zum Eklat. Adnan befürchtete schon das Schlimmste. Nach einem Jahr kam der ältere Herr wieder – allein. „Er umarmte mich und bedankte sich. Erzählte, dass es durch den Vorfall damals zur Scheidung gekommen und er nun der glücklichste Mensch unter der Sonne ist…“

Übrigens: Bei Adnan unbedingt aus der Karte „Adnans Lieblingspasta“ bestellen. Mit Kapern, Oliven, Basilikum, Tomaten etc. Wunderbar. Wie eine Droge. Und das für rund zehn Euro inklusive Handkuss beziehungsweise Schulterklapps.

Übrigens: Der Name Adnan heißt übersetzt „Der Sohn des Paradieses“.
Das kann kein Zufall sein.


Weitere Details zum Restaurant Adnan finden Sie bei KAUPERTS Berlin:
Restaurant Adnan


Besten Dank auch an den Berliner Fotografen MARTIN U. K. LENGEMANN für das starke Foto.