Andreas Boehlke

Andreas Boehlke
Klub der Berlin‑Beweger

Der Illuminator – Andreas Boehlke, Lichtdesigner und Unternehmer

Andreas Boehlke ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil er unsere Stadt erstrahlen lässt.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Andreas Boehlke

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Andreas Boehlke

„Alles kommt auf die Beleuchtung an“, hat Fontane einst geschrieben. Und der Dichter hat noch nicht einmal Andreas Boehlke und sein erhellendes Lebenswerk gekannt. Boehlke ist im wahrsten Sinne des Wortes eine „Lichtgestalt“ (da muss Kaiser Franz ganz stark sein).

Er taucht die Sehenswürdigkeiten der Stadt Berlin in ein Farbenmeer und ist als Lichtdesigner selbst schon ein Wahrzeichen geworden. Das von ihm und seinen befreundeten Berliner „Leuchten“ Siegfried Helias und Bernd Andrich im Jahr 2005 inszenierte „Festival of Lights“ ist ein Magnet für Touristen geworden und eine Attraktion für Berliner ohnehin.

Das genannte Dreigestirn („Trio Illuminale“) aus Lichttechnik, Kreativität und medialer Durchschlagskraft brachte in Zusammenarbeit mit der Event-Spezialistin Birgit Zander die Metropole im Dunkel zum Strahlen. Es war, als hätte der große Ernst Reuter gerufen: „Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!“

Der Mann – nur echt im gestreiften Anzug, Seidenweste und Einstecktuch – widerlegt die These, dass man sich im Leben immer zweimal sieht. Boehlke kann man auch viermal an einem Tag sehen, weil er überall ist, wo sich die Gesellschaft aus Politik, Wirtschaft und Kultur trifft. Er ist immer freundlich, aufgeschlossen und ausgestattet mit der Physiognomie eines Mannes, der in jedem Restaurant auch unangemeldet den besten Tisch zugewiesen bekommt.

Sein letztes Spektakulum geriet in die Schlagzeilen. Seine „Plastik-Tanne“ an der Gedächtniskirche wurde schon abgelehnt, noch bevor sie stand. Dabei war der 25 Meter hohe Kunststoffkegel gar nicht als üblicher Weihnachtsbaum gedacht, sondern als Projektionsfläche für festlich-märchenhafte Lichterlebnisse.

Aber Kunst im öffentlichen Raum hatte es in Berlin noch nie leicht. Man denke nur an die Jahre währende Diskussion um die Reichstags-Verhüllung durch Christo und Jeanne Claude. Oder an den „Skulpturenboulevard“ am Kurfürstendamm zur 750-Jahr-Feier Berlins. Was wurde da gemeckert. Ganz West-Berlin saß auf dem Sofa und war beleidigt.

Der Illuminator entstammt einer alt eingesessenen Berliner Beleuchtungs-Dynastie, die 1946 begründet wurde in einer Zeit, als es nach dem Krieg finster aussah in der Stadt.

„Ich habe in der Firma meines Großvaters Hans eine Ausbildung als Elektroinstallateur gemacht, damals nannten wir das schlicht Strippenzieher“, erinnert sich Boehlke. „Das Licht hat mich schon in früher Kindheit fasziniert“, sagt er, „obwohl ich in der Schule nicht gerade eine Leuchte war…“

Das Kreative, glaubt seine Mutter, war ihm schon mit in die Wiege gelegt. Heute beschäftigt der Sohn an die 30 Mitarbeiter, die in seiner Firma Hans Boehlke Elektroinstallationen GmbH in Bötzow bei Berlin beschäftigt sind.

Angefangen hat der heute 45 Jahre alte Unternehmer und Vater von drei Kindern im Messewesen, wo er die Stände größerer Firmen ins rechte Licht setzte. Heute ist er in Berlin und in vielen anderen Städten zuständig für die Weihnachtsillumination von Prachtmeilen und Einkaufszentren.

Ein wenig stolz ist Boehlke, dessen Frau Anke in der Tegeler Grußdorfstraße die Kindermode-Boutique „filou“ betreibt, dass er sein Handwerk wirklich von der Pike auf gelernt hat. „Das ist meine eigentliche Basis“, meint er. In aller Welt schaut er sich neue Trends an. „Es gibt immer wieder neue Dinge, die mich faszinieren“, sagt er.

Zum Beispiel „die unterschiedlichen Formen der Weihnachtsbeleuchtung – sie sind jedes Jahr eine neue Herausforderung für mich. Durch diese Arbeit kann ich zeigen, wie reich Berlin an Schönem ist.“

In Amerika wäre ein Besessener und „Verrückter“ wie Boehlke längst eine nationale Institution. Wie schön, dass er in Berlin bleibt.

Am Ende eines jeden Porträts geht die nicht ganz ernst zu nehmende Frage an Andreas Boehlke: „Was könnte eines hoffentlich fernen Tages mal auf Ihrem Grabstein stehen.“

„Da muss ich nicht lange überlegen“, sagt er, „natürlich: Licht an!“