Andreas Dorfmann ist im KAUPERTS Klub der Berlin-Beweger, weil er eine Berliner Tradition tanzen lässt …
Andreas Dorfmann in einer Studio-Kulisse

Sieht man mal von „Radio Vatikan“ ab, hat er schon so gut wie alle Radiosender beseelt: Andreas Dorfmann gehört zu den Rundfunklegenden Berlins, obwohl er noch keine 50 Jahre alt ist. Geboren wurde er 1962, ein Jahr nach dem Mauerbau, in Wilmersdorf. Aufgewachsen im Charlottenburger Westend, entwickelte er sich zum vielleicht jüngsten der „alten West-Berliner“, von denen man glaubt, sie hätten Kriegsende, Blockade und den 17. Juni noch selbst erlebt.
Dorfmann – in seinem Büro in der Springer-Passage (Zimmerstraße 30) steht in einem Regal ein Bild vom gütig-besorgt dreinblickenden Verleger Axel Springer – hat aus seiner basiskonservativen Haltung nie einen Hehl gemacht. Einer wie er würde nie sein Haus ohne Anzug verlassen. Möglicherweise hat er schon in Nadelstreifen das Licht der Welt erblickt.
Er ist eine beachtete Medienfigur der Hauptstadt geworden. Nicht erst, seitdem er 2007 die Markenrechte am Berliner Presseball erwarb, genau genommen 75 Prozent davon. Die restlichen 25 Prozent hält seine langjährige Mitstreiterin und Freundin Marina Schill. Die erfolgreiche Marketing-Expertin ist auch Prokuristin der von Dorfmann als Geschäftsführer geleiteten Presseball Berlin GmbH. Die Medien-Fachfrau ist seit 2008 Mit-Gastgeberin des Balls, der eine lange Tradition hat. 1872 (!) fand der Berliner Presseball erstmals statt – über Jahrzehnte DAS gesellschaftliche Ereignis Deutschlands.
Durch die Inflation großer Medien-Events und auch durch die Konkurrenz des Bundespresseballs hat der Berliner Ball etwas vom ganz großen Glanz vergangener Jahrzehnte eingebüsst, aber er ist immer noch ein „Must“ für die Prominenz der Stadt. Wenn eine dezent ironische Bemerkung gestattet ist: Hier zahlen die Damen ihre festlichen Roben noch selbst und müssen sie nicht danach bei Armani, Lagerfeld, Bruno Banani, Joop & Co wieder abgeben!
Andreas Dorfmann und Marina Schill im Maritim Hotel Berlin

„Der Ball findet erstmals in der Ullstein-Halle und in der Passage des Springer Verlags statt“, erzählt Dorfmann, „diese Nähe zu Springer wurde von einigen Kollegen kritisiert.“ Es ist schwer, es jedem Recht zu machen. Aber es ist auch schwer, so eine Veranstaltung zu organisieren, sich Sponsoren und Unterstützer zu suchen. „Wenn wir am Ende eine schwarze Null haben“, meint Dorfmann, „können wir noch froh sein.“
Da merkt man, dass der umtriebige Berliner, der an der FU Kommunikationswissenschaften studierte, ein Unternehmer durch und durch ist. Der weiß, dass das Tiefstapeln zum Handwerk gehört. Ein bisschen, möchte man glauben, wird schon bei 'rumkommen. Und wenn es ein neuer Nadelstreifen-Anzug ist… Auch für die schöne Marina werden keine Zukunftsängste greifen. Im Gegenteil: Von ihr wird man in der Medien-Metropole Berlin noch einiges erwarten dürfen.
„Der Presseball“, erinnert sich Dorfmann, „hat mich schon als Junge fasziniert. Da habe ich mir das Ball-Geflüster der großen SFB-Recken reingezogen. Einige von ihnen haben mich später gefördert, Goetz Kronburger etwa, Hans-Werner Kock, Heiner Giersberg und Hans-Bode von Dincklage – all denen hab ich viel zu verdanken.“
Angefangen hat seine Karriere in der Pförtnerloge beim SFB. Da war er 15. Ging hin, fragte, ob man ihm mal ein Studio zeigen könnte. Kam, sah und blieb die nächsten Jahre als freier Mitarbeiter. Die Schule machte er eher mit links. Galt als „auffällig kreativ“. Bei ihm hatte es längst „gefunkt“… Wo er auftauchte, machte er sich unentbehrlich, sortierte auch Telex-Meldungen für die Redaktionen der Springer-Blätter.
Später kam das Fernsehen dazu: „Wetterfrosch“ bei RTL aktuell/Guten Morgen Deutschland. Moderierte Sendungen in den Regionalprogrammen der ARD sowie im Dritten Programm des MDR und SFB. Zwei Jahre lebte er mit seiner damaligen Ehefrau Catharina, einer ZDF-„heute“-Redakteurin, des Fernsehens wegen in Mainz.
Zuvor war Dorfmann auch tätig für Schamonis Berliner TV-Sender „IA Fernsehen“ (heute TV.Berlin). Dort läuft zweimal die Woche „Dorfmann.TV“ – Das Lifestyle-Magazin. Darüber hinaus entwickelt seine Firma weitere Formate, zum Beispiel „Schupelius unterwegs“. Gunnar Schupelius ist Mitglied der BZ-Chefredaktion, spricht mit seinen provozierenden Texten und Anmerkungen so manchem aus dem Herzen und wird auch gut mit Kritik bedacht.
Andreas, viele junge Leute träumen ja von einem Job in der Medienwelt. Was würden Sie denen denn raten?
„Träume sind schon mal gut. Man muss besessen sein von einer Idee. Manchmal haben Träume ja eine Chance…“
Mal auf die Schnelle. Geben Sie vier Tipps für die Kollegen von morgen.
Da muss er nicht lange grübeln: „Erstens: Erfahrungen bei Praktika sammeln. Print, Online, Radio, TV. Alles ansehen. Manchmal kann sich ja auch im technischen Bereich 'was ergeben. Zweitens: Sich viel mit den Medien beschäftigen. Nicht nur Zeitungen lesen und Sender gucken, die man mag. Drittens: Kontakte zur Branche knüpfen und immer wieder Fragen stellen. Viertens: Pünktlich und zuverlässig sein. Und flexibel. Das Berufsbild verändert sich rasant, ständig entstehen neue Jobs.“
Zum Schluss wird jedem Berlin-Beweger die nicht ganz ernst zu nehmende Frage gestellt: „Was könnte mal auf Ihrem Grabstein stehen?“
„Ich glaube, ich würde Hans-Werner Kock bemühen, der am Ende einer jeden Sendung sagte: ,Macht’s gut, Nachbarn!’ Klingt doch gemütlich.“