Andreas Kurtz

Andreas Kurtz
Klub der Berlin‑Beweger

Der auf dem Teppich bleibt – Andreas Kurtz, Edelfeder der Berliner Zeitung

Der Journalist Andreas Kurtz ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil seine Anmerkungen zur Berliner Society nicht aus dem Hause „Lob & Hudel“ kommen…

Küßchen von Will Smith für Andreas Kurtz

Will Smith und Andreas Kurtz

Eigentlich halten ja sehr viele Zeitungsleser die Kriegsberichterstatter für die härtesten Hunde der Branche. Aber das ist ein Irrtum. Die wahren Helden ihrer Zunft sind die Gesellschaftskolumnisten. Sie stehen jeden Tag unter Doppelbeschuss. Und zwar von den Promis, die sich verunglimpft oder nicht gebührend gewürdigt sehen – und von jenen, deren Anwesenheit bei den Events gar nicht erst zur Kenntnis genommen wird. Ein Job nur für die Besten!

Die „Berliner Zeitung“ hat vor 16 Jahren einen zur Satire neigenden Feingeist mit dieser Aufgabe betraut. Einen „Kriegsberichterstatter“ von Format.

Andreas Kurtz heißt die Edelfeder. Mit gütiger und würdiger Starre im Blick schaut er jeden Tag am unteren Seitenrand seine Leser an. Er ist der Mann für „Leute“. Und er sagt: „Wegen mir ist noch kein Promi aus dem Fenster gesprungen.“

Kurtz ist eben kein „Baby Schimmerlos“ (aus der frühen Kult-Serie „Kir Royal“), der seine eigene Oma an den Pranger stellen würde, um Auflage zu machen.

Kurtzens Lieblingslichtbildner heißt Christian Schulz, ein Premium-Fotograf, mit dem der Autor eine Art „Teilzeitehe“ führt, weil beide wie das „Doppelte Lottchen“ seit elf Jahren durchs gesellschaftliche Berlin gehen. Als Bigamist vom Dienst leistet sich der Autor sogar noch eine „bürgerliche“ Ehe. Er ist seit 21 Jahren verheiratet mit einer „ganz zauberhaften Beamtin“. Das Paar hat zwei kleine Söhne. „Sie sind ganz die Mama“, sagt Kurtz, „da haben sie wirklich Glück gehabt…“

Glück mit ihm hat auch die Berliner Zeitung, denn der kennt sich aus. „Ich bin 1966 in Dessau geboren und wurde Journalist in Berlin. Die Stars im Osten kannte ich sowieso – und die aus dem Westen aus dem Westfernsehen. Das wurde ja in der DDR gern gesehen, obwohl oder weil die Obrigkeit das nicht gern gesehen hat.“

„Indiana Jones“ Harrison Ford, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Andreas Kurtz im Gespräch

Harrison Ford, Klaus Wowereit, Andreas Kurtz

Die Schreiberei hat ihn schon früh fasziniert. „Im Alter von 15 Jahren schrieb ich meine ersten Texte für den Lokalteil der Zeitung ,Freiheit’ in Gräfenhainichen, dem Geburtsort von Paul Gerhardt im heutigen Landkreis Wittenberg. Seltsamerweise heißt das Blatt nicht mehr ,Freiheit’, seitdem es die Freiheit gibt.“

1988 begann Kurtz ein Volontariat bei der Tageszeitung „Junge Welt“, die damals eine Auflage von 1,6 Millionen hatte und dabei nicht einmal ihr Abonnenten-Potential ausschöpfen konnte, denn es gab zwar viele Anwärter auf Abos, aber nicht ausreichend viel Papier. „Wir hatten ja nüscht…“

Kurtz erinnert sich: „Im spannenden Herbst 1989 durfte ich ohne Studium als anerkanntes Naturtalent Redakteur werden, riss mir erst einmal die TV-Seite unter den Nagel und betrieb sie – meinem Hang zu Albernheiten folgend – eher humoristisch. In den wilden Monaten bevor das Blatt linken Kleinkapitalisten mit Hang zu Großem in die Hände fiel, schrieb ich meine erste Klatschkolumne, ,Kurtz & Klatsch’…“ Die gefiel auch der stellvertretenden Chefredakteurin der Berliner Zeitung. Sie machte den zu feiner Ironie neigenden und kenntnisreichen Journalisten zum „Leute“-Mann, nachdem der zuvor noch eine Zwischenstation bei der Fernsehproduktion „ELF99“ gemacht hatte.

Nun ist es ja im unabhängigen Journalismus so, dass der eine oder andere Reporter schon mal Ärger kriegt, wenn er den Golffreund des Verlegers oder der Verlegerin mit dezenter Häme bedenkt. Es gab und gibt immer diese Wichtigtuer, die sich gleich immer „ganz oben“ im Verlag beschweren, weil sie der irrigen Ansicht sind, der Schreiberling würde dann vielleicht gefeuert werden.

„Gab es denn mal Ärger dieser Art, Andreas Kurtz?“
„Nein“, erzählt er, „dieser Art nun wirklich nicht. Aber es gibt natürlich auch immer mal wieder Leute, die die beleidigte Leberwurst spielen.“

Dagmar Frederic, die mit einer leicht konfusen Geldangelegenheit in die Schlagzeilen geriet, fand es sicher nicht komisch, als Kurtz über sie schrieb, sie sei „bekannt von Bühne, TV und Landgericht Frankfurt/Oder…“ Und so richtig fröhlich war auch nicht der hoch betagte Schauspieler Herbert Köfer, als er las, es sei bekannt, dass er und seine Haare vielleicht ja in getrennten Zimmern schlafen würden… Damals tauchte der kultige Oststar in der Öffentlichkeit an der Seite seiner wesentlich jüngeren Frau plötzlich mit auffällig vollem Haar auf. Er hat sich von der Kopfbedeckung schnell wieder getrennt und sieht heute mit seinen fast 90 Lebensjahren wesentlich jünger aus als damals.

Und dann war da noch jener sich im Vollbesitz seiner Bedeutsamkeit wähnende Radio-Mensch, der Kurtz als „Arsch“ beschimpfte. Wenn dies ein Prominenter gesagt hätte wie Klaus Kinski etwa, wäre das ein „Ritterschlag“ gewesen. Aber es war eben kein Promi, weshalb der Name an dieser Stelle rücksichtsvoll nicht erwähnt wird.

Natürlich hat Kurtz auch selbst hin und wieder Anlass, sich zu ärgern, nämlich dann, wenn er merkt, dass in seinem Metier die Unwissenden auf die „Leute“ los gelassen werden. „Da kommt es immer wieder vor, dass ein junger Kollege oder eine junge Kollegin einen Promi ausquetscht und ihn zum Schluss nach seinem Namen fragt…“

Andreas Kurtz mit dem längst weit über Berlin hinaus bekannten Kurt Krömer

Kurt

Gefressen hat er auch jene, die alles ganz automatisch „glanzvoll“ finden oder von einer „rauschenden Ballnacht“ berichten, obwohl die Gäste berauscht waren und in vorgerückter Stunde den Ententanz darboten. Nix da mit Glanz.

Kurtz verehrt Billy Wilder, dessen Film „Eins, Zwei, Drei“, eine heiße Berliner Posse aus Zeiten des Kalten Krieges, längst ein Klassiker ist.

Ein Porträt von diesem wunderbaren Regisseur, der in jungen Jahren in Berlin als Eintänzer und als BZ-Reporter arbeitete, hängt im Büro von Andreas Kurtz, der gerade ein neues, ungewöhnliches Kolumnen-Format entwickelt. Mal sehen, was wir da vielleicht schon bald lesen können… Immerhin hat Kurtz viele Jahre lang Texte verfasst für den Kabarettisten Chin Meyer und für den omnipräsenten Eckart von Hirschhausen, der so viel schreibt, dass er das unmöglich allein schafft.

Als sehr amüsant empfindet es Andreas Kurtz, wenn er am Rande des Roten Teppichs steht, auf dem die Schönen und Reichen sowie auch die weniger schönen und weniger reichen entlang schreiten und für die Fotografen „Männchen machen“. Da ist es denn auch nicht verwunderlich, wenn er die übliche Schlussfrage nach der Inschrift auf seinem Grabstein, die jedem Berlin-Beweger gestellt wird, so beantwortet:
„Sein Teppich war rot. Jetzt ist er tot.“