Beate Ernst

Beate Ernst
Klub der Berlin‑Beweger

Die aufgeräumte Frau – Beate Ernst, Managerin und Aktivistin für mehr Sauberkeit in Berlin

Beate Ernst ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil sie mit ihrer Aktionsgemeinschaft „wirBERLIN“ gegen die Vermüllung der Stadt ankämpft und alle Hauptstädter auffordert: „Mach mit! Für ein schönes Berlin!“

Als sie ihrer Mutter erzählte, dass sie Berlin saubermachen will, konnte sich die alte Dame ein herzhaftes Lachen nicht unterdrücken und meinte nur ungläubig und erheitert: „Ausgerechnet Du!“

Ja, ausgerechnet sie. „Ich habe es als Kind und Heranwachsende früher zu Hause mit Sauberkeit und Ordnungssinn – zum Leidwesen meiner Mutter – nicht so genau genommen“, so erklärt Beate Ernst die Verblüffung ihrer Mutter.

Wie man sich doch ändern kann: Beate Ernst, früher Gymnasiallehrerin im niedersächsischen Uelzen und seit 1982 Berlinerin, hat vor drei Jahren ihre viel beachtete Aktion „wirBerlin“ ins Leben gerufen. Beate Ernst: „Berlin hat so viel zu bieten, verfügt über große Potentiale, weist andererseits aber auch unverkennbare Defizite – etwa eine zunehmende Verwahrlosung und Vermüllung auf.“

Diese Erkenntnis gab der Mutter von zwei erwachsenen Kindern und Ehefrau des Unternehmers und früheren Bezirksbürgermeister von Tiergarten Dieter Ernst den Impuls für ein ganz ungewöhnliches ehrenamtliches Engagement.

„Mach mit – für ein schönes Berlin!“ fordert sie alle Hauptstädter auf und veranstaltet jedes Jahr im September einen Aktionstag, der von zahlreichen Unternehmen unterstützt wird, auch von der BSR.

Schon beim ersten Aktionstag 2011 wurde in 65 Einzelaktionen Berlin geputzt. Bilanz damals: 23 Kubikmeter Kehrabfälle, 17 Kubikmeter Sperrmüll, 46 Autoreifen und jede Menge Elektroschrott. „Liegenschaften“ der besonderen Art, "Umweltschmutz" im öffentlichen Raum. Die Bilanz vom diesjährigen Aktionstag am 14. September steht noch aus. Behörden aus allen Bereichen wissen: Wenn Beate ERNST macht, steht das Allgemeinwohl ganz oben.

Beate Ernst auf dem Olof-Palme-Platz

Beate Ernst am Brunnen auf dem Olof-Palme-Platz

Warum tun Sie denn das alles, Frau Ernst?

„Weil das Aussehen Berlins wie eine Visitenkarte für alle Gäste der Stadt ist. Aufenthalts- und Lebensqualität, Erscheinungsbild und Gastfreundschaft der Stadt liegen uns am Herzen. Wir müssen neue Wege im Umgang mit dem öffentlichen Raum gehen, die Menschen zum Mitmachen auffordern, um die vorherrschende Mentalität der Gleichgültigkeit zu überwinden.“

Ja, es muss eben, um ein bekanntes Zitat von Ex-Bundespräsident Herzog zu bemühen, einen „Ruck geben“ in der Hauptstadt. Die Initiatorin: „Egal ob mit Greifzange und Besen, mit Pinsel und Farbtopf, mit Harke und Blumenschaufel, mit Hammer und Schraubenzieher oder sogar mit Neoprenanzug und Tauchflasche – Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!“

Natürlich müssen die Aktionen, die über den „Aktionstag“ zeitlich hinausgehen, abgesprochen und koordiniert werden. Nähere Infos darüber sind auf der Homepage www.wir-berlin.org zu finden.

Damit unsere Metropole schöner wird, werden Gehwege, Spielplätze und Grünanlagen gesäubert, Schmierereien entfernt, Gewässer und Ufer gereinigt und Anwohner- und Geschäftsstraßen schöner gemacht.

Und manchmal gelingt es den emsigen „wirBERLIN“-Machern sogar, einen Schatz zu heben der im Laufe der Jahrzehnte schlicht zugewachsen und zugemüllt worden ist. Wie zum Beispiel der Platz vor dem Eingang des Aquariums an der Budapester Straße und neben dem Elefantentor am Zoo-Eingang. Dieser trägt schon lange den Namen Olof-Palme-Platz, benannt nach dem schwedischen Sozialdemokraten und Ministerpräsidenten, der bei einem Attentat 1986 ums Leben kam.

Fragt man Berliner, wo eigentlich der Olof-Palme-Platz ist, schaut man zumeist in ratlose Gesichter. Das ist aber auch nicht verwunderlich; denn obwohl täglich Tausende mit dem Auto daran vorbeifuhren – als Platz zu erkennen war er nicht. Das ist er erst, seitdem Beate Ernst und ihre Unterstützer (auch bei den Behörden) aktiv wurden und diesem wirklich schönen Platz ein Gesicht gaben. Im Mittelpunkt des Platzes hat der renommierte Bildhauer Volker Bartsch einen imposanten Ammonitenbrunnen installiert, mit Schieferplatten aus den Tiefen der Erde.

Beate Ernst beim Beseitigen von Unkraut auf dem Olof-Palme-Platz

BESCHREIBUNG

Wir sitzen auf dem Parkbank-Rondell, das den Brunnen umgibt, und Beate Ernst erzählt, dass sie mit diesem Platz eine ganz persönliche Erinnerung verbindet. Die geht zurück auf das 750. Stadtjubiläum Berlins im Jahr 1987. Zusammen mit ihrem Mann, dem Bezirksbürgermeister, durfte sie Königin Elisabeth II. und ihren Mann Prinz Philip vor dem Aquarium begrüßen (das übrigens vor 100 Jahren eröffnet wurde).

„Ich war sehr aufgeregt“, erzählt Beate Ernst, „wann hat man schon mal königliche Gäste? Die Queen war wie erwartet dezent freundlich, wie man sie eben so kennt. Aber Prinz Philip war ganz locker und meinte: Die Fische haben es ja richtig gut bei Ihnen …. Da war der Bann gebrochen und ich doch sehr erleichtert!“

Inzwischen hat auch der Senat die ungewöhnlichen Aktivitäten von „wirBERLIN“ erkannt und unterstützt das Projekt in diversen Ressorts: Sport, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft etc. Und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat sogar die Schirmherrschaft übernommen für den Aktionstag 2013.

Aus allen Bereichen äußern sich zu diesem Thema wohlwollende Fürsprecher. Gabriele Streichhahn etwa, die Intendantin des Theaters im Palais: „Im Stile unseres Hausautors Theodor Fontane unterstütze ich zusammen mit meinem Team begeistert die Sauberkeitsaktionen seit Einführung der Initiative und hoffe, dass die Stadt zukünftig noch mehr glänzt, denn: Courage ist gut, aber Ausdauer ist besser – damit Berlin immer leuchtet.“

Auch der Geschäftsführer der O2 World, Michael Hapka, appelliert an die Hauptstädter: „Helfen Sie bitte, denn je sauberer Berlin wird, desto mehr Skrupel bekommen unachtsame Menschen, ihren Müll auf der Straße zu entsorgen.“

Und Prof. Jörg Haspel, Leiter vom Landesdenkmalamt Berlin, findet: „Die Verwahrlosung des öffentlichen Raums, die Vernachlässigung von Park- und Grünanlagen sowie die Vermüllung von Platz- und Straßenbildern stören nicht nur die Saubermänner, sondern auch den Blick auf die Geschichte und Schönheit der Stadt.“

In diesem Jahr werden es rund 5000 Berliner sein, die sich generations-, kultur- und bezirksübergreifend im gesamten Stadtgebiet ehrenamtlich als „Putzkraft“ engagieren. Und zu verdanken haben wir das einer dynamischen Anpackerin aus der Lüneburger Heide. Für dieses selbstlose Tun müsste man sie eigentlich auszeichnen mit dem „Goldenen Besen“. Frau Saubermann, wir vom KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger finden Sie großartig!

Natürlich geht auch an die allseits Gepriesene die nicht ganz ernst zu nehmende Frage, die all unseren Berlin-Bewegern zum Schluss eines Gesprächs gestellt wird: „Was könnte denn einst in hoffentlich ferner Zeit mal auf Ihrem Grabstein stehen?“

Da zuckt sie zusammen, wie die meisten der bewegten Beweger. Aber dann reagiert die Niedersächsin mit dem listigen Blick und äußert einen nahezu philosophischen Ansatz …

„Mach mit!“ …

Beate Ernst auf dem Olof-Palme-Platz

Spätestens hier wird klar: Beate Ernst ist auch innerlich ausgesprochen „aufgeräumt“ …