Beatrice Boegle-Schmidtmann ist im KAUPERTS KLUB der Berlin-Beweger, weil sie ihre Erfolgsstory für eine gute Sache einsetzt.
Berlins regierende Wohltäterin: Beatrice Boegle-Schmidtmann

Sie ist Berlins regierende Wohltäterin und agiert am liebsten im Verborgenen. Sie räumte im Männerladen der Industrie schon auf, als es den Begriff Frauenpower noch gar nicht gab. Die frühere Macherin in den Top-Etagen der Industrie und des Handels heißt Beatrice Boegle-Schmidtmann. Die bemerkenswerte Laufbahn als Managerin hat sie hinter sich. Aber eine wie sie ist natürlich höchst aktiv. Und zwar in der Diakonie. Sie hält es mit Voltaire: „Betet Gott an, seid gerecht und wohltätig; das heißt Mensch sein.“
„BBS“, wie sie in ihrer ehemaligen Branche respektvoll noch heute genannt wird, ist durch ihre Wesensart und durch ihre persönliche Ausstrahlung überall Chefin. Ihr etwas ausreden zu wollen, ist völlig zwecklos. Man kann nur scheitern. „Für alles gibt es eine Lösung“, sagt sie.
Die gebürtige Badenerin, die von Hause aus Juristin ist und als junge Frau erfolgreiche Balletttänzerin war, hat unter der Ägide von Thomas Lübke, Pfarrer an der Friedenauer Philippus-Nathanael-Gemeinde, und einigen ehrenamtlichen Mitarbeitern mit dem Diakonieladen Rubensstraße 87 eine in Deutschland einzigartige Kircheninitiative in Gang gesetzt.
Der Diakonieladen ist kein Zweig der „Berliner Tafel“, wo ausschließlich Mahlzeiten an Bedürftige ausgeteilt werden. „Wir bieten den Bedürftigen auch Hilfe zur Selbsthilfe, verknüpfen Leute, die bereit sind, zu helfen. Wir geben Rat in allen Lebenslagen. Wir organisieren Hilfe für die Betreuung der Alten und auch für allein erziehenden Mütter, die arbeiten und nicht immer jemanden haben, der auf ihr Kind aufpasst. Wir vermitteln Arbeitsplätze, begleiten unsere ,Kunden’ auf Ämter und kümmern uns auch um kulturelle Angebote. Selbst zwei Anwälte geben Rat und unterstützen diese Initiative.“
Neben der ehrenamtlichen Arbeit steht selbstverständlich auch die Versorgung mit Lebensmitteln im Vordergrund. An jedem Montagnachmittag werden Waren für eine ganze Woche an Bedürftige gegen eine Gebühr von zwei Euro abgegeben. Dafür bekommt man so gut wie alles, was man im Supermarkt kaufen kann (außer Alkohol und Zigaretten): Brot, Aufstrich, Wurst, Käse, Schinken, Eier, Obst und Gemüse, Zwiebeln, Kartoffeln und Kräuter, auch Tiefkühlkost (zum Beispiel Pizza) und Nudeln.
Ach ja, die Nudeln. Einmal stand in der Wohnstraße von „BBS“ ein Doppel-Laster mit 10 Tonnen Nudeln, gestiftet von einem Hersteller, der nicht genannt werden möchte. Die muss man erst mal unterbringen, bevor man sie nach und nach an die Bedürftigen verteilt. Aber da es bekanntlich für alles eine Lösung gibt…
Beatrice Boegle-Schmidtmann ist nicht nur die „effizienteste Schnorrerin“ der Hauptstadt, auch im Bundesgebiet, wie man in Berlin auch heute noch sagt, lässt sie nicht locker. Dienlich dabei ist ihr Netzwerk, das sie sich als Vertriebs- und Marketing-Chefin großer Unternehmen aufgebaut hat. Sie muss nur mal in den Top-Etagen anrufen und alte Kontakte bemühen – dann ist sie meistens erfolgreich, „leider nur meistens“, sagt sie, „denn letztlich zählt doch nur der Erfolg.“.
Bei Deutschlands ältestem Schokoladen-Unternehmen (Halloren) und beim bekanntesten Weinvertrieb des Landes (Mertes) wurde sie eine bekannte Größe. Zuvor war sie zuständig für den Vertrieb des Computerherstellers Commodore, begleitete die Siemens-Nixdorf-Fusion und war 1983 die Erste, die Computer an Aldi verkaufte, den heute legendären „C 64“.
Wie haben Sie denn das gemacht? Ein Computer bei Aldi, das war doch damals eigentlich undenkbar.
BBS: „Ich habe damals Karl Albrecht den Vorschlag gemacht. Er wird gedacht haben, dass ich nicht richtig ticke. ,99 Mark für einen einzigen Posten bei Aldi, das kauft uns doch kein Mensch ab’, sagte er. Aber ich konnte ihn überzeugen. Es war ein sensationeller Erfolg für Aldi und natürlich auch für mein Unternehmen, das den ,C 64’ in alle Welt verkaufte, sogar, zerlegt und über Schleichwege, in die DDR, wo Schalck-Golodkowski in der Berliner Friedrichstraße ein zuverlässiger Geschäftspartner war und entsprechende Devisen bereitstellte.“
Beatrice Boegle-Schmidtmann ist die freundlich-fröhliche Frau, die den ,C 64’ in alle Welt verkaufte

Nach dem Computer-Deal hatte Commodore höhere Weihen und wurde Werbepartner für Bayern München. Und alles fing im Grunde an mit einer Frau, die eine sonderbare Idee hatte…
Davon ahnt natürlich niemand der Passanten in den „besseren Einkaufsstraßen“ etwas, wenn sie Beatrice Boegle-Schmidtmann mit der Sammelbüchse in der Hand sehen. Und auch nicht auf dem Großmarkt Beusselstraße, wenn sie vor Tau und Tag mit ehrenamtlichen Helfern ihre kostenfrei zur Verfügung gestellten Waren im Transporter abholt.
Da ist sie „nur“ die freundlich-fröhliche Frau, mit der man gern mal ein Schwätzchen hält. „Beatrice, ich hätte noch ’ne Palette Melonen für dich, willste?“
Für ihre traditionelle Montagsaktion steht sie schon morgens um halb vier auf. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, sagt sie, „auf dem Großmarkt muss man um sechs schon alles organisiert haben.“
Da ist eine Frau in Gottes Namen auf dem Markt der Menschlichkeit und freut sich voller Dankbarkeit, dass sie von den Firmen und Herstellern so großzügig bedacht wird. Aber auch das ist irgendwie ihr Werk.
Beatrice Boegle-Schmidtmann im Gespräch mit Bernd Philipp

Frau Boegle-Schmidtmann, am Ende des Gesprächs wird jedem Berlin-Beweger augenzwinkernd die Frage gestellt, was eines hoffentlich fernen Tages mal auf Ihrem Grabstein stehen könnte?
Beatrice Boegle-Schmidtmann: „Mit mir ist immer und überall zu rechnen.“
Ja, eine Chefin bleibt nun mal eine Chefin.
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Das ARD-Magazin „Monitor“ wird diese ungewöhnliche Frau in einem Beitrag porträtieren, der im November 2010 ausgestrahlt werden soll. Im Dezember 2010 wird auch das ZDF in der Sendung „WiSo“ einen Bericht senden.