Claudia Kemfert

Claudia Kemfert
Klub der Berlin‑Beweger

„Mrs. Energy“ - die Öko-Instanz aus Mitte – Prof. Dr. Claudia Kemfert, weltweit anerkannte Energie-Expertin

Prof. Dr. Claudia Kemfert ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil sie der Welt die Fragen der Energie-Zukunft beantwortet und niemanden dabei schont.

Prof. Claudia Kemfert ist ein gefragter Gast in Fernsehtalkshows; hier in der Runde mit Anne Will

Prof. Claudia Kemfert ist ein gefragter Gast in Fernsehtalkshows; hier in der Runde mit Anne Will

Ist das nicht die...? Genau! Sie ist es – die Frau, die uns auf allen TV-Kanälen die drängendsten Klima- und Energiefragen beantwortet. Und zwar so, dass man die Antwort versteht und nicht, wie bei anderen „Experten“, ratlos die Flucht ergreift. Dr. Claudia Kemfert hat die „Lizenz zum Durchblicken“!

In den Talkshows ist die Professorin am Berliner DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e. V.) mit einem Lehrstuhl für Energieökonomie und Nachhaltigkeit in jeder Beziehung ein Lichtblick und kann den Energie-Propheten aus Politik und Wirtschaft munter Paroli bieten. Nicht verwunderlich; denn als ehemalige Klima- und Umweltberaterin von EU-Kommissar Manuel Barroso sowie der Weltbank und der Bundesregierung verfügt sie über geballte Kompetenz.

Prof. Claudia Kemfert ist ehemalige Klima- und Umweltberaterin von EU-Kommissar Manuel Barroso sowie der Weltbank und der Bundesregierung

Prof. Claudia Kemfert ist ehemalige Klima- und Umweltberaterin von EU-Kommissar Manuel Barroso sowie der Weltbank und der Bundesregierung

Wir treffen uns im Büro von Claudia Kemfert beim DIW in der Mohrenstraße in Mitte. Am Vortag sah ich sie noch im Fernsehen in einer Talk-Runde neben Umweltminister Altmaier sitzen. Und dachte dabei an: Die Schöne und das Biest... (natürlich rein äußerlich)... Für Altmaier hat sie etwas Mitleid, weil der jetzt Probleme zu lösen hat, die andere über Jahre nicht anpackten.

„Seit Angela Merkel mit der ,Energiewende' den Turbo ein- und die Atomkraftwerke ausschaltete“, erklärt Claudia Kemfert, „herrscht in Punkto Energieversorgung das blanke Chaos.“

Das kann man wohl sagen – kein Verbraucher blickt mehr durch. Woran liegt das denn, Frau Professorin?

„Na, zum Beispiel: Das Gesetz über die Erneuerbare Energie soll erst abgeschafft werden, dann wieder doch nicht. Offshore-Windparks werden mit viel Wind gestartet, dann gestoppt. Stromnetze werden geplant, aber nicht gebaut. Statt an die Spitze des weltweiten Technologiewettbewerbs vorzustoßen, droht Deutschland im Wettbewerb um Spitzentechnologien schon in der Vorrunde auszuscheiden. Und plötzlich weiß niemand mehr, wohin die Reise eigentlich geht!“

Bei einer Frau, die druckreif redet, liegt das Verfassen von Büchern auf der Hand. Ein Buch über die Folgen der Klima-Erwärmung und was jeder dagegen tun kann, hat sie schon geschrieben („Die andere Klima-Zukunft“). Im Januar wird im Murmann Verlag „der neue Kemfert“ erscheinen. Das Buch hat den spannenden Titel „Kampf um Strom“ und erinnert nicht zufällig an den Filmklassiker, der vom Kampf der Ostgoten um Italien handelt und in dem Intrigen, Bestechung, Vetternwirtschaft und Machtgier eine Rolle spielen.

Claudia Kemfert hat den „Kampf um Strom“ in ihrem neuen Buch analysiert.

Claudia Kemfert hat den „Kampf um Strom“ in ihrem neuen Buch analysiert.

In ihrem neuen Buch – Untertitel: Mythen, Macht und Monopole“ - nennt sie die wahren Hintergründe im Kampf um den Kommerz. Die Autorin: „Lobbyisten unterschiedlichster Interessenlage beherrschen die Diskussion. Politiker nehmen mal die eine, dann die andere Position ein. Kein Wunder, dass die Verbraucher sich nach alten Zeiten sehnen, als der Strom einfach aus der Steckdose kam und sich kaum einer fragte, wo er eigentlich herkam. Fazit: Es herrscht ein beängstigendes Durcheinander. Und letztlich zahlen immer die Verbraucher.“

Ihr Buch „Kampf um Strom“ wird für Schlagzeilen sorgen, weil sie aufräumt mit den Öko-Mythen und Energie-Irrtümern und die Energie-Lügen von Politik und Wirtschaft entlarvt. Höchste Zeit, denn die Energiewende hat gerade erst begonnen.

Dass sie in den Medien salopp als „Öko-Professorin“ bezeichnet wird – daran hat sie sich inzwischen gewöhnt. „Ist eben griffig. Aber richtig wäre eigentlich ,Klima- und Energie-Ökomomin' ...“

Geboren ist Claudia Kemfert 1968 in Delmenhorst (Niedersachsen). Nach dem Abitur studierte sie Wirtschaftswissenschaften in Bielefeld und wechselte zum Hauptstudium nach Oldenburg, Spezialfach Umwelt- und Ressourcen-Ökonomie. Es folgten Studium und Diplom an der amerikanischen Eliteuniversität Standford. An der Universität Oldenburg promovierte sie und wurde 2002 zur Junior-Professorin ernannt. Die Wissenschaftlerin ist mit einem Architekten verheiratet und pendelt zwischen ihren beiden Wohnorten Berlin-Steglitz und Oldenburg.

Prof. Claudia Kemfert vor der Berliner Humboldt-Universität

Prof. Claudia Kemfert vor der Berliner Humboldt-Universität

„Was wären Sie eigentlich ohne Klimakatastrophe und Energie-Wirrwarr geworden?“ frage ich sie.

Da lacht sie: „Ja, es gäbe durchaus auch ein Leben ohne Erderwärmung... Aber Umwelt und Klima wären ohnehin meine Themen gewesen. Schon sehr früh habe ich mich dafür interessiert. Aber damals nahm die Öffentlichkeit das Thema kaum wahr. Und heute werde ich oft gefragt, was uns die Erwärmung der Atmosphäre, die abschmelzenden Polkappen, Wirbelstürme und Überschwemmung kosten und wie sich die Energiekosten entwickeln. All diese Dinge haben mich schon früh beschäftigt und gaben den Ausschlag für meinen Studiengang.“

Waren Sie denn schon in der Schule ein schlaues Kind und Klassenbeste? Frage ich sie.

„Nein, nein“, sagte sie, „ich bin zwar gern zur Schule gegangen, meine Lieblingsfächer waren Mathematik und Latein. Aber eine Streberin war ich nie, lag mit meinen Schulleistungen so im Mittelfeld meiner Klasse.

Ich bin übrigens sehr behütet aufgewachsen, hatte eine schöne Kindheit und habe mich immer schon für Wissensfragen interessiert. Die Kassetten von den ,3 Fragezeichen' habe ich verschlungen. Fernsehen war nicht so sehr mein Ding. Nur „Inspector Columbo“ habe ich gern gesehen, weil man da immer miträtseln konnte, wie ein Fall gelöst wird.

Wunderbar fand ich ja immer die Szene, wo er da in seinem zerknautschten Trenchcoat das Haus eines Verdächtigen verlässt, sich schon verabschiedet hat und an der Tür noch einmal stehen bleibt und scheinheilig fragt: ,Ach, eine Frage hätte ich da noch...' Das war unglaublich gut!“

Eine Frage hätte ich natürlich auch noch: „Wenn Sie den klimatischen Zustand unserer Erde in der früheren Schulnoten-Skala von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) bewerten sollten, was käme dann raus?

„Ich würde eine 4 geben, wohlwollend für ausreichend.“

„Eine 4 hätte mir auf meinen Zeugnissen früher immer gereicht“, wende ich ein. Und da holt mich Claudia Kemfert vom Zensuren-Irrsinn zurück:

„Mit einer 4 ist man ganz schnell auf einer 5...“

Womit sie meint: Es wird nicht sehr lange dauern, dann bleibt die Erde sitzen. Und ein Jahr wiederholen kann sie dann auch nicht mehr...

Wir machen einen Spaziergang am Gendarmenmarkt. In einer Seitenstraße sitzen die Gäste draußen, gewärmt von einem Wärme-Pilz. „Lassen Sie uns doch hier einen Kaffee trinken, es ist doch draußen so schön warm...“

„Das ist doch nicht Ihr Ernst!?“ meint sie. „Ich setzt mich doch nicht an so eine Energieschleuder...“

Claudia Kemfert trifft Henry Kissinger

Claudia Kemfert trifft Henry Kissinger

Natürlich sollte das ein Spaß sein. Genau wie die Frage, die wir am Schluss des Gesprächs jedem Berlin-Beweger stellen mit der Bitte um eine heiter-ironische oder philosophische Antwort: „Was könnte eines hoffentlich fernen Tages mal auf Ihrem Grabstein stehen?“

Da bin ich dann doch gespannt, ob sie die innere Energie aufbringt, spontan zu reagieren. Klar! An Energie fehlt es ihr ja nicht. Sie macht es ganz knapp: „Mrs. Energy“