Daniel Wall

Daniel Wall
Klub der Berlin‑Beweger

Der Wallgegenwärtige – Daniel Wall, Werbe-König und Visionär

Daniel Wall ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil er in und für Berlin wirbt und ein würdiger Nachfahre des Herrn Litfaß ist.

Daniel Wall: Wo andere heute noch an gestern denken, ist er gedanklich schon im Übermorgen.

Daniel Wall: Wo andere heute noch an gestern denken, ist er gedanklich schon im Übermorgen.

Wenn er all die Funktionen und Tätigkeiten auf eine Visitenkarte drucken lassen würde, wäre die so groß wie eine gefaltete Serviette:
Vorstandsvorsitzender – Berlinbesessener – Internationaler Außenwerber – König der Plakatflächen – Stadtmöblierer – Visionär – Berlin-Brunnen-Betreiber – Weihnachts-Straßenbeleuchter – Bildungs-Projekt-Leiter an der Jens-Nydahl-Grundschule (usw.).

So kurz wie sein Name, so umfangreich und so präsent ist er in Berlin und anderswo. Und: Wo andere heute noch an gestern denken, ist er gedanklich schon im Übermorgen. Daniel Wall gehört nicht zu den Party-Flaneuren bei „Schickis und Mickis“. Er ist alles andere als ein Bussi-Bussi-Windbeutel. Eher ein präziser Beobachter, der über einen feinen Humor verfügt.

Ich frage ihn: „Wenn Sie durch die Stadt gehen oder fahren – überall begegnen Sie Ihrem eigenen Namen. Nervenschwache Menschen würden vermutlich zum Seelenklempner rennen und sagen: ,Herr Doktor, Sie müssen mir helfen: Ich verfolge mich selbst.’ „Wie gehen Sie denn mit diesem besonderen Déjà-vu-Erlebnis um?“ (Der Name Wall sticht im Stadtbild hervor – auf „Straßenmöbeln“, Plakaten, Wartehallen oder modernen Toilettenhäuschen.)

„Es gibt“, antwortet der „Wallgegenwärtige“ mit einem milden Lächeln, „für einen Geschäftsmann sicher größere Probleme … Die hätte ich vermutlich, wenn unser Firmenname nirgendwo präsent wäre, oder noch schlimmer: Wenn da ein anderer Name stehen würde …“

Ich erinnere mich daran, wie Wall im August 2007 am Alexanderplatz unter beachtlichem Medientrubel und Anwesenheit des Regierenden Bürgermeisters das modernste Klo der Stadt eröffnet hat. Das WC-Center stellte sozusagen den Turbolader unter den Hauptstadt-WCs dar, ein einziges Design-und Komfort-Highlight. Eine „Kathedrale“ des menschlichen Bedürfnisses.

Ich weiß nicht, warum mir bei der Betrachtung der komplexen architektonischen Schönheit damals das Schloss Versailles einfiel. Jedenfalls erzählte ich Daniel Wall, dass der berühmte Bau bei der Errichtung 600 Zimmer hatte, aber nur über ein Klo verfügt haben soll. „Das wäre eine Herausforderung für uns gewesen“, sagt er, und irgendwie bilde ich mir ein, in seinen glänzenden Augen das Schloss Versailles zu sehen – mit dem übergroßen Schriftzug Wall am Portal …

Sucht vielleicht gerade die Wallstraße in Mitte im gedruckten Straßenführer von KAUPERTS: Daniel Wall

Sucht vielleicht gerade die Wallstraße in Mitte im gedruckten Straßenführer von KAUPERTS: Daniel Wall

Der Mann, Vater von drei Kindern, gibt keine Ruhe. Kann es auch nicht. Immerhin beschäftigt er mehr als 750 Mitarbeiter und hat 2010 einen Umsatz von 115,9 Millionen Euro gemacht. Der Firmensitz ist in der Friedrichstraße in Mitte.

Die Key-Facts des Konzerns: Internationaler Stadtmöblierer in vier Ländern (Schwerpunkt: Deutschland/Türkei). Präsent in 50 Metropolen, neben Berlin auch Düsseldorf, Istanbul, Sofia. Gerade kam nach zähem Ringen auch die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden hinzu.

Innovative Stadtmöbel in höchster Designer-Qualität, 28 verschiedene Designlinien. Eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum, eigene Produktion, Wartung und Reinigung.

„Alles aus einer Hand“, erklärt Wall, „das ist unser Unternehmensprinzip.“

Der Zukunftsmarkt liegt für Wall eindeutig in der Digitalisierung. Ein Medienspektakel war im vergangenen Jahr die Präsentation der neuen Infotainments-Spots auf dem U-Bahnhof Friedrichstraße, die den BVG-Kunden nicht nur das Warten verkürzen, sondern auch Berlin-spezifische Infos über Stadtgeschichte und Touristikattraktionen vermitteln. Ungewöhnliche Idee: Schlauer werden beim Warten!

Dass er mal ein Berlin-Schwärmer wird, hätte er sich nicht träumen lassen, als er mit Anfang 20 nach Berlin kam. Die Autofahrten über die Transitstrecken mit den hartnäckig grimmig dreinblickenden DDR-Grenzern waren bekanntlich nicht vergnügungssteuerpflichtig. „Mit Berlin hatte ich anfangs schon Probleme“, räumt er ein, „es dauerte ein Weilchen, bis ich mich an das Leben in West-Berlin gewöhnt hatte.“

Als Kind in der Schule, erzählt er, sei er etwas faul gewesen. Das sollten aber – um Gottes Willen – seine eigenen Kinder nicht lesen. Wir einigen uns schließlich darauf, dass er in der Schule nicht faul, sondern lediglich unterfordert gewesen sei. Das entspräche auch viel eher dem moderaten Ton heutiger Pädagogen und Erzieher.

Apropos Kinder. „Eigentlich ist es schlimm“, findet Daniel Wall, „dass heutzutage selbst Schulkinder oft schon unter Druck stehen. Denen fehlt es an Zeit, sich auszuloten und festzustellen, in welche Richtung sie mal beruflich gehen wollen. Man muss mit 16, 17 oder 18 Jahren noch nicht perfekt sein und klare Ziele vor Augen haben. Ich war selbst eigentlich ein Spätzünder, so richtig Klick hat’s erst mit Ende 20 gemacht.“

Er stehe für Leistung, aber Leistungsdruck produziere oft eher das Gegenteil. Man denke nur an die vielen Top-Manager, die mit 40 schon ausgebrannt sind, in eine Lebenskrise geraten und den Buchmarkt mit Aussteiger-Erkenntnissen á la „Mein Weg zum wahren Ich“ verstopfen.

Daniel Wall vor seinem „blue spot“

Daniel Wall vor seinem „blue spot“

Natürlich müssen wir noch über „EP 1 180 761 A1“ sprechen. Das ist kein neuer Bio-Sprit. Wall lacht. Und sagt: „Ja, darüber können wir gern reden. Hat ja in gewisser Weise eine Menge mit unserer Firma zu tun …“

Um das Rätsel zu lösen: Unter der Registriernummer „EP 1 180 761 A1“ hat der Buchdrucker und Verleger Ernst Theodor Litfaß (1816–1874) im Jahre 1854 ein europäisches Patent angemeldet, und zwar die „Konzession zur Errichtung einer Anzahl von Anschlagsäulen auf fiskalischem Straßenterrain zwecks unentgeltlicher Aufnahme der Plakate öffentlicher Behörden und gewerbsmäßiger Veröffentlichung von Privatanzeigen“. Er errichtete die ersten, später nach ihm benannten Litfaßsäulen. Die erste wurde 1855 in Berlin der staunenden Öffentlichkeit präsentiert.

„Das war ein echter Pionier“, meint Wall, „ein ungewöhnlich kreativer Mann. Einen wie ihn würde ich sofort bei uns einstellen. Ihm zu Ehren haben wir 2003 eine Original-Litfaßsäule auf dem Gendarmenmarkt aufgestellt und sein Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in der Chausseestraße restauriert und die Pflege übernommen.

„Zurückblicken auf die Lebensleistung anderer ist wichtig“, meint er, „aber die Zukunft gehört nun mal der Jugend. Jede Generation muss sich neu mit Ideen einbringen. Gerade auf dem Gebiet der Technik ist die Entwicklung so rasant, dass sich immer neue Möglichkeiten ergeben.“

Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, das Lebensgefühl in der Stadt anzuheben: Gerade hat die Wall-AG die Brunnensaison eröffnet. Das Unternehmen sponsert seit 1998 den Brunnenbetrieb in den Bezirken Tempelhof-Schöneberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Pankow und Spandau. In diesem Jahr gehen allein 77 sprudelnde Wasseranlagen in Betrieb. Das nasse Vergnügen lässt sich Wall rund 400.000 Euro jährlich kosten.

Selbstverständlich stellen wir auch Daniel Wall schließlich jene nicht so ganz ernst zu nehmende Frage, die an jeden unserer Berlin-Beweger gerichtet wird: Was könnte mal auf Ihrem Grabstein stehen?
Daniel Wall: „Diese Fläche können Sie mieten!“

Immer im Einsatz …