Dirk Germandi

Dirk Germandi
Klub der Berlin‑Beweger

Ein Mann für Millionen – Dirk Germandi, Bau-Unternehmer mit Sinn für Berlins Geschichte

Dirk Germandi ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil er das „Haus Cumberland“ am Kurfürstendamm zu einer Adresse des Glanzes macht.

Investor Dirk Germandi auf seiner Baustelle am „Haus Cumberland“.

Investor Dirk Germandi auf seiner Baustelle am „Haus Cumberland“.

So ist das mit einer Schönheit: Sie verbirgt oft lange ihr Gesicht – um dann eindrucksvoll mit ihrem edlen Antlitz alle zu verzaubern. Im Frühsommer 2013 wird der Schleier fallen, und Berliner und Touristen werden staunen. Dann soll das alte „Haus Cumberland“ am Kurfürstendamm 193/194 unweit vom Olivaer Platz in neuem Glanz erstrahlen.

Was für ein Gebäude! Was für eine Historie! Dirk Germandi (47) kann man die Begeisterung ansehen, wenn er über das Cumberland spricht. Er ist einer der beiden Geschäftsführer der Haus Cumberland KG und Vorstandsprecher der Profi Partner AG. Er spricht so enthusiastisch von dem Projekt, als wäre er schon bei der Grundsteinlegung 1912 dabei gewesen …

Was dem dynamischen Geschäftsmann sehr wohl bekannt ist, ist die Tatsache, dass das imposante Projekt damals bereits vor der Eröffnung in Konkurs gegangen war. Zahlreiche Suiten sollten mit Hauspersonal vermietet werden, aber die Konzeption setzte sich nicht durch.

„Das wird uns sicher erspart bleiben“, meint Germandi, zumal bis auf acht der hochwertigen Wohnungen schon alle verkauft sind. „Im vorderen Teil des Gebäudes werden in der Regie unseres Geschäftspartners Dr. Thomas Bscher fünf Ladengeschäfte, 16 Büros und ein 500 qm großes Restaurant entstehen, das von der Gestaltung her an das bekannte Pariser ,La Coupole’ erinnern soll.“

Unter dem Haus entsteht eine Tiefgarage, zumal der Kurfürstendamm Ecke Schlüterstraße nicht gerade ein Parkparadies ist (höchstens für die emsigen Knöllchenschreiber).

„Die Straßenfront wird ihre historische Gestaltung zurück erhalten, und das ganze Gebäude wird denkmalgerecht saniert, das Dachgeschoss zu Büros und Luxus-Penthäusern ausgebaut“, erzählt der gebürtige Hesse, der vor seinem Umzug nach Berlin viele Jahre in München lebte.

Erst vor wenigen Monaten hatte der Dachstuhl bei Trennschleifarbeiten Feuer gefangen. Der Kurfürstendamm wurde für den Verkehr gesperrt – und die Rauchschwaden waren weithin sichtbar. „Zum Glück“, sagt der Bauherr, „konnte die Feuerwehr den Brand schnell löschen, so dass es zu keinem Unglück kam. Zwei Bauarbeiter zogen sich Rauchvergiftungen zu und trugen zum Glück keine bleibenden Schäden davon.“

Germandi selbst, der sonst täglich auf „seiner“ Baustelle herumturnt, hat den Brand gar nicht bemerkt. Er wurde über Handy auf seinem „Heimat“-Golfplatz Wannsee informiert und machte sich bangen Herzens auf den Weg. Wen es interessiert: sein Handicap ist 15,7. Nicht schlecht für einen, der wenig Zeit hat und als Unternehmer auf mehreren Hochzeiten tanzt. Seine GrundStein Bauträger GmbH, deren Geschäfte er seit 16 Jahren führt (und die auch in Dresden aktiv ist), hat ca. 800 Millionen Euro in Sanierungs- und Neubauprojekte gesteckt, darunter auch das KesselhausQuartier in Kreuzberg, das frühere DDR-Gefängnis an der Rummelsburger Bucht und die Zuckerwarenfabrik in Hohenschönhausen.

Für das Objekt Berlin-Campus, den Ausbau der ehemaligen Haftanstalt Rummelsburg zu denkmalgerechten Wohnungen, erhielt sein Partner Detlef Maruhn 2009 den Immobilien-Award des Landes Berlin.

Die Investitionen für das Haus Cumberland belaufen sich insgesamt auf ca. 120 Millionen. Den Namen erhielt das Gebäude übrigens zu Ehren des dritten Herzogs von Cumberland Ernst August. Es beherbergte 1914 zeitweise das „Kaiserliche Waffen- und Munitionsbeschaffungsamt“ (Wumba), später ein Luxushotel mit 700 Betten. Anschließend nutzten das Reichswirtschaftsministerium und die Oberpostdirektion das repräsentative Gebäude. In den Jahren von 1966 bis 2003 residierte dort die Berliner Oberfinanzdirektion – nobel, nobel!

„Grundsteinlegung mit Wowereit und Gröhler“ zeigt v.l.n.r. Dirk Germandi, Detlef Maruhn, Klaus Wowereit, Klaus-Dieter Gröhler mit der Grundsteinlegungs-Kapsel.

„Grundsteinlegung mit Wowereit und Gröhler“ zeigt v.l.n.r. Dirk Germandi, Detlef Maruhn, Klaus Wowereit, Klaus-Dieter Gröhler mit der Grundsteinlegungs-Kapsel.

Dem Cumberland und damit einem wichtigen Teil des Kurfürstendamm wollen Germandi, Bscher und Maruhn „seine Seele“ zurückgeben. Auch im oft so schnöden Baufinanz-Gewerbe, das dem Laien merkwürdig fremd ist, haben hier Leute Sinn für das historische Berlin.

„Und was müsste ich hinlegen, um in diesem schönen Ambiente am Boulevard wohnen zu können?“ frage ich den smarten Polohemd-Träger, der irgendwie gehetzt wirkt, obwohl er jeden Morgen eine Stunde lang beim Waldlauf die Stille sucht – ohne Handy!

Germandi: „Für 100 Quadratmeter Wohnfläche etwa 480.000 Euro. Qualität hat ihren Preis.“

1980 war er erstmals in Berlin. Damals als Teilnehmer von „Jugend trainiert für Olympia“. Seine Disziplin: 1000 m. „Es war ein unglaubliches Gefühl, im Olympiastadion laufen zu dürfen. Der Sport hat mir viel gegeben und meinen beruflichen Start und die Ausbildung begleitet.“

Dabei sein ist eben alles. Das galt auch beim ersten „Berliner Stadt-Marathon“ 1980 (heute: „Berlin-Marathon“) mit einer Zeit von knapp unter 3 Stunden – nicht schlecht für einen damals 16-Jährigen.

Dass er mal ein leidenschaftlicher Berlin-Fan werden würde, hätte er allerdings auf Anhieb nicht gedacht. Heute schwärmt er in aller Welt von Berlin. Sogar (!) in Bayern. Nach jahrelanger „Verweigerung“ ist jetzt auch seine Frau Claudia nach Berlin gezogen – „und fühlt sich hier sehr, sehr wohl“, wie er sagt. Das gilt auch für ihren gemeinsamen Sohn Felix (11 Jahre). Das Paar ist seit 23 Jahren zusammen und seit 16 Jahren verheiratet.

„Was würden Sie denn eigentlich jungen Leuten beruflich empfehlen? Viele sehen ja ohne Studium keine rechte Perspektive.“

„Ich darf das mal etwas deftiger ausdrücken: Wer sich den Arsch aufreißt und auf sich aufmerksam macht, hat immer eine Chance. Natürlich nur, wenn er nicht gleich nach dem großen Geld schielt. Wer nur darauf wartet, dass ihm jemand seine Karriere maßschneidert, wird es schwer haben.“

Der Zustand an den Schulen, besonders in den so genannten Berliner Problembezirken, stimmt den gelernten Industriekaufmann nachdenklich. „Im Urlaub habe ich das Buch von Kirsten Heisig gelesen, jener Jugendrichterin, die aus dem Leben schied. Es ist erschreckend, was sie da geschildert hat. Das ist nicht nur Sache der Politik. Wir alle müssen uns aufgerufen fühlen, etwas gegen Verwahrlosung und mangelnde Toleranz zu unternehmen.“

Die allen „Berlin-Bewegern“ gestellte und nicht so ganz ernst gemeinte Frage richte ich auch an Dirk Germandi: „Was könnte mal eines hoffentlich fernen Tages auf Ihrem Grabstein stehen?“

„Eigentlich war er richtig nett“, schlägt er vor. Das „eigentlich“ kann dann jeder selbst interpretieren …