Ekkehard Streletzki

Ekkehard Streletzki
Klub der Berlin‑Beweger

Der Querdenker – Ekkehard Streletzki, Unternehmer und „Estrel“-Chef

Ekkehard Streletzki ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil er und sein Hotel Estrel auf Visionen baut.

Ekkehard Streletzki, Foto: Estrel Hotel-Betriebs-GmbH

Ekkehard Streletzki, Foto: Estrel Hotel-Betriebs-GmbH

Was wäre eine Metropole ohne die Mutigen? Ohne Leute, die nicht mit dem Mainstream gehen, sondern die die Zukunft erahnen und ihrem eigenen Impuls folgen?

Ekkehard Streletzki ist so einer. Allenfalls ein Mitleids-Lächeln erntete der im Westerwald geborene Unternehmer, als er ausgerechnet im damals so öden Bezirk Neukölln Deutschlands größtes Hotel errichtete. In der Sonnenallee. Und das direkt neben einem Schrottplatz! Viele haben ihn gewarnt. Und er hat es trotzdem getan. Das war Anfang der 90er Jahre, als in Berlin von den City-Hotels Übernachtungspreise von 400 bis 600 Mark aufgerufen wurden. „Ich dachte mir damals“, erinnert er sich, „wir bauen ein Hotel, in dem das Zimmer 100 Mark kostet. Damit haben wir geworben.“

Es begann der Aufstieg des Hotels Estrel. Werbe-Slogan: „Vier Sterne zum Zwei-Sterne-Preis“. Heute ist das 1994 eröffnete „Estrel“ – der Name setzt sich zusammen aus dem E des Vornamens und den ersten vier Buchstaben des Nachnamens – Europas größter Convention-, Entertainment-und Hotel-Komplex, der allein 1125 Zimmer bietet. Das Kongress-Zentrum ist für bis zu 6000 Personen konzipiert. 1997 wurde das Festival-Center eröffnet, wo seitdem die Las-Vegas-Show „Stars in Concert“ läuft. Produziert wird das Spektakel mit den grandiosen Doppelgängern der Pop-Historie von Bernhard Kurz, der weltweit als Produzent geachtet ist.

Das Estrel ist mehr als eine auf Besucher eingestellte Groß-Herberge. Es ist quasi eine Kathedrale mit einer einmaligen und künstlerisch gestalteten Eingangshalle. Ausgestattet mit allem, was man zum Wohlfühlen braucht: Café, Bars, Restaurants, Sauna und Fitnessraum. 450 feste Mitarbeiter kümmern sich um die Gäste. Umsatz 2008: über 50 Millionen Euro.

Jedes Jahr kurz vor Weihnachten öffnet Streletzki seit 1997 sein Haus für rund 2500 Obdachlose, die dort auf Initiative von Frank Zander Weihnachten feiern können. Gänsebraten, Kaffee und Kuchen – ein Highlight für die ärmsten der Armen. Zahlreiche Prominente unterstützen die Aktion, betätigen sich als Service-Personal oder stellen für die Gäste ein eigenes Show-Programm auf die Beine. Für sein Lebenswerk und sein soziales Engagement wurde der Hausherr 2005 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Ekkehard Streletzki erhält vom Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, das Bundesverdienstkreuz, Foto: Estrel Hotel-Betriebs-GmbH

Ekkehard Streletzki erhält vom Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, das Bundesverdienstkreuz

Als Schüler war Ekkehard Streletzki eher „unauffällig“ und alles andere als ein Streber. Seine Leidenschaft galt der Brieftaubenzucht, womit er schon in jungen Jahren zahlreiche Preise gewann. Sein Traum: eine Karriere als Taubenzüchter! Die Schule war zunächst eher hinderlich, aber irgendwann platzte der Knoten. Der „Träumer“ erwies sich als sehr wach und ging seinen Weg. 1967 machte er ein Statik-Büro in München auf, 1976 gründete er die Firma Diabos für Diamant-,Betonbohr und Schneidearbeiten. In den 80er Jahren baute er zwei große Büro-Komplexe in Neukölln. 2003 beteiligte er sich am Filmpark Babelsberg und 2007 eröffnete er das Ellington Hotel in der Nürnberger Straße zwischen Kurfürstendamm und Lietzenburger Straße, ganz in der Nähe der Gedächtniskirche und des Kaufhaus des Westens an der Tauentzienstraße.

Das Hotel ist eine Hommage an Duke Ellington, der in dem früher dort ansässigen Jazz-Schuppen „Badewanne“ auftrat. In den 80er Jahren war hier die beliebteste Diskothek „Dschungel“. Die Disko-Mäuse drohten damals ihren Eltern mit Sanktionen, wenn sie es wagen sollten, sie aus der Disko abzuholen oder sogar selbst da plötzlich aufzutauchen…

Seinen ersten Berlin-Kontakt hatte Streletzki 1960. In dieser Zeit steckte er noch im Studium zum Bauingenieur in Koblenz. Nachhaltig in Erinnerung ist ihm die legendäre Musical-Aufführung von „My Fair Lady“ im Theater des Westens an der Kantstraße geblieben. Paul Hubschmid und Karin Hübner in den Hauptrollen. Die klingt als Blumenkind Eliza noch so manchem in den Ohren, wie sie in der Sprachschule des Professor Higgens sang: „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen…“

Streletzki, 1940 geboren, ist in zweiter Ehe verheiratet mit der Ärztin und Unternehmerin Dr. Sigrid Streletzki. Er ist Vater von vier inzwischen erwachsenen Kindern und wohnt in Grunewald.

Stolz ist er auch auf sein jüngstes „Kind“ aus Unternehmersicht: Er ist Pächter und Betreiber des Restaurants im Schloss Britz (Alt-Britz 73), das – einmalig in Deutschland – von Auszubildenden des Estrel Berlin selbständig geführt wird. Und er hat den alten, verfallenen ehemaligen Kuhstall modern umgestaltet zu einem gemütlich-urigen Event-Ort für bis zu 120 Personen („Ochsenstall“). Der Gutshof Britz wird ihn auch künftig noch sehr beschäftigen.

Ekkehard Streletzki ist visionärer Unternehmer, der in Berlin Europas größten Convention-, Entertainment- und Hotel-Komplex gebaut hat, Foto: Estrel Hotel-Betriebs-GmbH

Ekkehard Streletzki, KAUPERTS Klub Mitglied, ist visionärer Unternehmer, der in Berlin Europas größten Convention-, Entertainment- und Hotel-Komplex gebaut hat, Foto: Estrel Hotel-Betriebs-GmbH

Fragen an Ekkehard Streletzki:

Womit befassen Sie sich zurzeit?
„Mit der Realisation der Erweiterung des Estrel Convention Centers um den Estrel Parc, der durch eine Unterführung an das Estrel angebunden wird und die bestehenden Kongressräumlichkeiten quasi verdoppelt. Darüber hinaus laufen immer viele kleinere Projekte parallel, beispielsweise die Bewerbung für zwei Restaurants im neuen Flughafen BBI.“

Wollten Sie nicht kürzer treten?
„Man kann ja auch ein bisschen kürzer treten, da man durch die modernen Kommunikationsmittel ja nicht zwangsläufig vor Ort sein muss, um neue Projekte zu entwickeln.“

Was würden Sie jungen Leuten fürs Leben empfehlen?
„Wer freundlich ist, lächelt und Engagement zeigt, der wird mit etwas Glück seinen Weg gehen!“

Eines fernen Tages, Sie wissen ja… Was könnte auf Ihrem Grabstein stehen?
„Wäre ich Vegetarier, stünde – frei nach Ringelnatz – auf meinem Grabstein: ,Auch die besessensten Vegetarier beißen nicht gern ins Gras’.“