Günter M. Ziegler

Günter M. Ziegler
Klub der Berlin‑Beweger

Der Zahl-Meister – Günter M. Ziegler, Mathe-Guru und Forscher von Weltrang

Prof. Günter M. Ziegler ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil er Zahlen einfach cool findet.

Einer wie er, der sich mit Zahlen auskennt wie kein anderer im Lande, müsste gerade jetzt eigentlich als Finanzminister in der Regierung sitzen. Aber da sind ja die anderen „Experten“, die kaum wissen, wie viele Nullen eine Milliarde hat.

Prof. Günter M. Ziegler von der TU Berlin ist der erfolgreichste und bekannteste Mathematiker Deutschlands. Der in München geborene Hochkaräter lebt seit 1992 in Berlin und wurde bundesweit bekannt, als er 2008 das „Jahr der Mathematik“ mit ausrief und organisierte. Als Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung warb er mit diversen Veranstaltungen und Aktionen für das Fach Mathematik, das seiner Meinung nach zu Unrecht für viele als „Angstfach“ gilt.

Auftakt des Mathematikjahres 2008: Prof. Günter M. Ziegler, Prof. Gerold Wefer, Dr. Annette Schavan und Dr. Klaus Kinkel (Foto: Amin Akhtar)

Auftakt des Mathematikjahres 2008: Prof. Günter M. Ziegler, Prof. Gerold Wefer, Dr. Annette Schavan und Dr. Klaus Kinkel

„Dabei“, so der smarte Professor, „ist Mathematik absolut cool. Ohne Mathematik wäre unser Leben gar nicht denkbar. Handys, Fahrstühle, Fahrpläne, Autos, nichts liefe ohne Mathematik. Und vor allem kann sie richtig Spaß machen. Wer sich nicht den Kopf mit schlechten Erfahrungen aus der Schulzeit blockiert, kann einen faszinierenden, spannenden Kosmos entdecken.“

Und was ist so spannend?
„Ach“, sagt er, nehmen Sie doch nur das Beispiel der Verdoppelung. Es gibt doch da diese bekannte Legende vom Schachbrett. Auf das erste Feld legt man ein Weizenkorn, auf das zweite Feld zwei und so weiter. Auf dem letzten, dem 64. Feld, wird es etwas eng… Da müssten nämlich nach dem Prinzip der Verdoppelung 922337203685477508 Körner liegen, das sind 9,2 Trillionen – ein Vielfaches der weltweiten Weizenproduktion.“

Der wesentlich jünger aussehende Wissenschaftler ist 47 Jahre alt und war schon in der Schule auffällig im positiven Sinne. „Die 3. Klasse habe ich überspringen dürfen und saß dann mit meinem älteren Bruder zusammen in der 4. Klasse. Das fand der nicht so komisch.“

Wie waren Sie denn im Sport? Genies sind in jungen Jahren nicht gerade Kanonen auf diesem Gebiet. Einstein am Barren – davon ist nix überliefert…
„Im Sportunterricht war ich eher unauffällig. Aber ich war ein ganz guter Schwimmer. Für die 400 Meter Brust habe ich sieben Minuten gebraucht. Das haben meine Mitschüler und auch mein Lehrer anerkennend registriert.“

Lassen Sie mich raten: Sie hatten einen Abi-Schnitt von 1,8 – oder?
„Nicht ganz: 1,0.“

Das hätte klar sein müssen…

Der Mann, der mit seinem Lebensgefährten seit kurzem in Schöneberg wohnt, war 18, als er Bundessieger bei „Jugend forscht“ wurde und danach eine Goldmedaille auf der Internationalen Mathematiker-Olympiade gewann. 2001 dann der Ritterschlag: Er erhielt einen Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und wurde 2002 ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Mathe-Guru Prof. Günter M. Ziegler (Foto: Sandro Most für Focus)

Mathe-Guru Prof. Günter M. Ziegler

Im April 2010 erhielt er einen mit 1,85 Millionen Euro dotierten „ERC Advanced Grant“ des Europäischen Forschungsrates. Die Summe muss komplett in die Forschung investiert werden, zum Beispiel in die Einrichtung einer Gast-Professur.

Den Preis erhielt Ziegler für seine Forschungsarbeiten zu dem Phänomen der „Diskretisierung“.

Kann man kurz erklären, was das eigentlich ist?
„Dabei werden mit mathematischen Methoden kontinuierliche Prozesse und Strukturen durch endliche Daten modelliert und damit der Analyse und der Berechnung im Computer zugänglich gemacht.“

Seine Arbeit findet weltweit Beachtung und ist ein Beleg dafür, dass hinter dem lockeren Mathe-Werber ein seriöser Wissenschaftler steht.

Hat er eigentlich eine Lieblingszahl?
„Natürlich. Die 42 ist das Nonplusultra für viele Mathematiker. Das hängt zusammen mit einer fünfbändigen Trilogie des englischen Science-Fiction-Autors Douglas Adams. Titel: Per Anhalter durch die Galaxis: Roman Ein Kultbuch. Die Zahl 42 spielt darin eine besondere Rolle.“

Seinen jüngsten Geniestreich stellte Prof. Ziegler kürzlich ausgerechnet in Stefan Raabs Sendung „TV total“ vor – sein gerade im Piper Verlag erschienenes „mathematisches Geschichtenbuch“ mit dem Titel Darf ich Zahlen?: Geschichten aus der Mathematik. So hat man Mathe noch nie erlebt! Ziegler stellt zum Beispiel in verblüffend witziger Art die Frage: „Können Bienen zählen und Hühner rechnen?“ Und erklärt, warum die Zahl 42 (siehe oben) die „Antwort auf alles“ ist. Der neue Ziegler ist das interessanteste und zugleich witzigste Buch des Jahres. Bald wird es die Bestsellerliste hochklettern. Kann schon sein, dass Zieglers Lieblingszahl dann die „1“ sein wird…

Herr Professor, was steht denn mal einst auf Ihrem Grabstein?
„Zahlen, bitte!“