Gunnar Schupelius

Gunnar Schupelius
Klub der Berlin‑Beweger

Anregender Aufreger – Gunnar Schupelius, Publizist und Moderator

Gunnar Schupelius ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil er in seinen B.Z.-Kolumnen schreibt, was die Menschen auf dem Herzen haben.

Viele Berliner lieben ihn, manche können ihn nicht leiden: Gunnar Schupelius.

Viele Berliner lieben ihn, manche können ihn nicht leiden: Gunnar Schupelius.

Er ist der Mann für alle An- und Aufregungen. Er liebt Berlin. Und viele Berliner lieben ihn, weil er Klartext redet und schreibt, und zwar in seiner B.Z.-Kolumne „Mein Ärger – Der gerechte Zorn von Gunnar Schupelius.“ „Gerechter Zorn“? Da war doch was … O Herr, an Selbstbewusstsein fehlt es ihm nicht.

Viele können ihn auch nicht leiden. Das gehört zum Geschäft. Außerdem weiß man vom Philosophen Lichtenberg: Wer die Fackel der Wahrheit (oder was er dafür hält) durch den Saal trägt, kommt nicht umhin, auch mal einem den Bart anzusengen. Das macht er auch in seiner Sendung beim Privatsender TV-Berlin. „Schupelius fragt“ heißt seine Reihe. Dorthin bittet er Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. Darunter viele Berlin-Beweger, die Zeichen setzen wollen in der Hauptstadt. Einige lädt er auch zum Frühstück ein und füttert damit sein zweites Zeitungskolumnenformat an.

Die Kolumne „Mein Ärger“ ist übrigens das Ergebnis einer Wette mit seinem Chefredakteur. Schupelius behauptete, er findet in Berlin jeden Tag ein Thema, über das man sich aufregen kann. Wette gewonnen, was im Mecker-Mekka Berlin natürlich auch nicht so ganz schwer ist. In einer Stadt, in der die Beurteilung „Da gibt’s nüscht zu meckern …“ schon als Ausdruck äußerster Anerkennung gilt.

Schupelius ist studierter Historiker.

Schupelius ist studierter Historiker.

Und so ärgert er sich munter drauf los. Über die gnadenlosen Hostessen am parkplatzfreien Hauptbahnhof, die schon mit dem Knöllchen winken, wenn das Auto noch rollt. Über die BVG, die bei den automatischen Durchsagen der U-Bahn – offenbar aus Kosten­gründen – sich das sympathische Wort „bitte“ spart und so zur Befehlsform übergeht: „Fahrgäste in Richtung Osloer Straße steigen hier um!“

So gehen dem 1963 in Schmargendorf geborenen Berliner die Themen nicht aus. Seine Kritiker werfen ihm zuweilen vor, zu populistisch zu sein. Da fällt dann auch schon mal das Wort „Stammtisch“.

„Ich weiß gar nicht“, meint Schupelius, früher mal friedensbewegter Bezirksabgeordneter der AL, „was die Leute gegen den Stammtisch haben? Da trifft man sich beim Bier, tauscht sich aus und sagt seine Meinung. Das sind halt nicht nur Soziologen oder Politikwissenschaftler, sondern Menschen aus allen Kreisen, die frei von der Leber weg reden. Das muss nicht jedem gefallen, aber deshalb gleich abfällig vom ,Stammtisch-Niveau’ zu sprechen, ist doch ziemlich arrogant.“

Schupelius ist Historiker, studierte in Berlin, London und am Institut für Antisemitismusforschung (Berlin/New York). Guido Knopp war einer seiner Förderer, die er später auch bei großen Tages- und Wochenzeitungen sowie beim Rundfunk fand. So war er denn meistens irgendwas mit „Chef“ vorne: Chefreporter, Chefredakteur und nun, völlig neu auf der journalistischen Karriereleiter, auch noch nebenbei Chefaufreger.

„Wie war denn der kleine Chef so in der Schule?“ frage ich ihn. „Nicht sehr brav“, räumt er ein und gesteht: „Eher frech.“ Das glaubt man ihm gern. Und die Lieblings- und Ekelfächer?

„Mathe war mir ein großes Mysterium“, sagt er, „da hab ich wirklich kaum was begriffen. Aber Deutsch und Geschichte mochte ich sehr gern.“

Gunnar Schupelius im Gespräch mit unserem Autor im Restaurant Adnan

Gunnar Schupelius im Gespräch mit unserem Autor im Restaurant Adnan

Dass er sich beim Thema Schule eher bedeckt hält, ist klar. Er ist immerhin Vater von vier schulpflichtigen Kindern im Alter von sieben, zwölf, vierzehn und siebzehn Jahren. Mutter und Ehefrau ist Magdalena Schupelius, Wirtschaftsjournalistin und eine bekannte Autorin von Kinderbüchern, in denen sie namhafte Persönlichkeiten der Geschichte kindgerecht porträtiert (Friedrich II., Königin Luise, Die Brüder Humboldt, etc). Ein Lesestoff auch für Erwachsene.

Den Studien- und Berufsweg der eigenen Kinder möchte Schupelius nicht beeinflussen. „Das müssen sie schon selbst herausfinden. Wichtig ist doch, dass man sich für irgendwas begeistern kann. Nur was man gern tut, kann man erfolgreich tun. Und es gibt so viele Möglichkeiten, sich umzuschauen. Aber letztlich gilt immer noch das alte Sprichwort ,Ohne Fleiß kein Preis’. Klingt zwar altmodisch, ist aber noch heute aktuell und wird es bleiben.“

Privat ist Schupelius alles andere als ein Meckerer, der sich immer ärgert. Er träumt von dem klassischen Modell einer Großfamilie.

„Mehrere Generationen unter einem Dach. Jeder hört dem anderen zu. Die Jungen lernen von den Alten und die Alten von den Jungen. Jeder ist für den anderen da. So wie es früher bei uns selbstverständlich war. Türkische Familien leben noch so. Das finde ich wunderbar.“

Der Journalist, der das Hauptstadt- und Parlamentsbüro des Nachrichtenmagazins Focus übernehmen wird, gehört übrigens keiner Partei und keinem Verein an, „sieht man mal vom ADAC ab …“, sagt er.

Privat ist Schupelius alles andere als ein Meckerer.

Privat ist Schupelius alles andere als ein Meckerer.

Der Schupelius-Clan wohnt in Friedenau. Für den Fall, dass Sie dort auf der Straße mal einen Löwen sehen, rufen Sie nicht die Feuerwehr und haben Sie keine Angst. Der tut nichts. Es handelt sich dabei um Hera Schupelius. Das ist der Familienhund. Ein seltenes Exemplar der Leonberger-Zucht. Eigenschaften: sanft, liebenswürdig, friedlich, treu und mächtig. Über den muss sich niemand ärgern. Nicht mal „Herrchen“.

Zum Schluss eines jeden Porträts mit einem Berlin-Beweger steht die nicht ganz ernst zu nehmende Frage, was denn mal eines hoffentlich fernen Tages auf dem Grabstein stehen könnte.

„Ach, das ist ja einfach“, meint er lächelnd: „Schupelius ärgert sich jetzt ganz oben“.

Am Stammtisch im Himmel über Berlin ist dann bestimmt die Hölle los …