Jens Caßens

Jens Caßens
Klub der Berlin‑Beweger

Der Bier-Magier – Jens Caßens, Manager der Radeberger-Gruppe

Jens Caßens ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil bei ihm Geist und Gerstensaft fließen.

Jens Caßens: „Bier ist meine Quelle und meine Inspiration.“

Jens Caßens: „Bier ist meine Quelle und meine Inspiration.“

Eigentlich ist es ja eher bedenklich, wenn der Chef zugeben muss, dass er nur von Flaschen umgeben ist. Aber der Chef darf das! Jens Caßens ist quasi Regierender Biermeister, Gastronomie-Vertriebsdirektor der Radeberger-Gruppe in Weißensee (Indira-Gandhi-Straße 66-69), zu der auch die Marken Schultheiss, Kindl und Berliner Pilsner gehören. Die größte Privat-Bauereigruppe Deutschlands firmiert unter dem Dach der Bielefelder Oetker KG und ist ein eigener Kosmos.

Der gebürtige Delmenhorster (Jahrgang 1965) ist ein Mensch der Kultur, wozu ohne Frage auch die Bier-Kultur gehört. „In früheren Zeiten“, erzählt er mit listigem Blick, „hatten die führenden Bierbrauer automatisch einen Sitz im Senat, aber die Zeiten sind ja leider vorbei …“

Obwohl! Das Kulturressort soll wieder mit eigenem Chef besetzt werden. Das wäre ein Fall für Jens Caßens: Senator für Bier und Kultur! Bier – das Wasser des Lebens! Was die Künste angeht, ist Caßens erblich belastet. Urgroßmutter war Primaballerina, der Urgroßvater diente als Kapellmeister.

In der Schule war er, wenn man das mal dezent sagen darf, von den Leistungen her wenig auffällig. Aber zu hören war er gut, was für einen doch eher sprachfaulen Ostfriesen eher ungewöhnlich war. Jedenfalls erwies er sich „durch lautes Tuscheln“ als Störfaktor im Unterricht. Sogar mit der Versetzung an eine Sonderschule wurde gedroht, aber das wäre für die Eltern sicher schlimmer gewesen als für ihn. „Schulzeugnisse sind nicht das entscheidende Kriterium“, denkt er heute, „sie sind nur ein Aspekt und sagen nicht alles über den Menschen und seine Fähigkeiten aus.“

Wenn sich jemand um einen Job bewirbt, legt die Personalabteilung dem Chef eine Mappe mit den üblichen Unterlagen des Bewerbers hin. „Die sind nur ein Bestandteil, vorrangig schau ich mir jemanden an, hör ihm zu – und dann weiß ich, ob er zu uns passt oder nicht.“

Ein absolut unkonventioneller Typ, dieser Bier-Magier. Stammt aus einfachen Verhältnissen. Vater Schlosser, Mutter Köchin. Träumte als Kind davon, mit den Eltern mal Urlaub zu machen. Aber nicht jeder Traum hat eine Chance. Ohne Moos nichts los. Und so fanden die Reisen nur im Kopf statt.

„Ich kann übrigens nur Bier verkaufen“, sagt er mit leichtem Unterstatement, „Bier ist meine Quelle und meine Inspiration.“

Bier-Magier Jens Caßens im Gespräch mit unserem Autor

Bier-Magier Jens Caßens im Gespräch mit unserem Autor

Was würden Sie denn als Top-"Bierologe" jungen Leuten auf den Weg geben?
Caßens: „Preussische Tugenden. Fleiß, Pünktlichkeit, Selbst- und Gottvertrauen. Und Sprachen lernen. Chinesisch wäre gut. Muss man nicht essen, sondern vor allem sprechen. Das ist die Zukunft.“

China ist eine Weltmacht. Aber erst wenn Caßens und seine Radeberger-Gruppe sie zum Reich des Bieres machen, ist der Aufschwung perfekt. Beim Jensfuzius!

Übrigens: Wo immer man in Deutschland Bier trinkt, radebergert es mit Schaum und Krone. Kleine Auswahl: Radeberger, Jever, Clausthaler, Schöfferhofer, Ur-Kröstitzer, Brinkhoff`s, Wicküler, Schlösser, Binding, Henninger, Krostitzer, auch Selters und Bionade. Gesamtumsatz: ca. 1,6 Milliarden.

100 Millionen fließen in die Bundesfinanzkasse: Biersteuer! „Und so trinken wir doch letztlich alle auch für einen guten Zweck…“, sagt unser Berlin-Beweger mit einem Lächeln.

Jens Caßens – der Philosoph und Spötter an der Getränke-Front. Seine gedanklichen Ausflüge perlen wie Champagner. Zwei Bier noch, gehen aufs Haus!

Privat trinkt Caßens gern auch mal einen Wein. Aber eben nur mal. Ansonsten bevorzugt er seine vielen Biere, die er verkauft und liebt.

Am Ende eines jeden Porträts die nicht ganz ernstzunehmende Frage: „Was könnte eines hoffentlich fernen Tages mal auf Ihrem Grabstein stehen?“
„Ich werde keinen Grabstein haben, weil ich unauffällig in einem Waldhain Zerstreuung finden werde, aber nehmen wir mal an, ich hätte einen, dann würde wohl draufstehen: ,Es war mir nicht einerlei’.“