Jo Laggner

Jo Laggner
Klub der Berlin‑Beweger

Herrn Laggners Gespür für Erfolg - Josef „Jo“ Laggner, Gastronom

Der Österreicher Jo Laggner ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil er als Gastro-Mogul zum Leuteverwöhner und zu einer Berliner Institution wurde.

„Was mir an Laggner auffällt, ist seine Gabe zum Zuhören.“ Autor Bernd Philipp über sein Gespräch mit Jo Laggner.

„Was mir an Laggner auffällt, ist seine Gabe zum Zuhören.“ Autor Bernd Philipp über sein Gespräch mit Jo Laggner.

Das ist der Stoff, aus dem ein Märchen gemacht wird!

„Es war einmal ein kleiner Bub im österreichischen Bad Gastein. Dort, wo der berühmte Wasserfall die Menschen anzieht, weil er selbst im Getöse Ruhe spendet und alle zur Besinnlichkeit mahnt. Dort saß auch gern der kleine Josef und träumte von Glück und Geld. Seine Mutter hatte nach einem Unfall ihn und seine Geschwister von ihrer Rente durchgebracht, während der Vater sein Glück im Anderswo suchte.

Eines Tages erschien dem Bub aus dem fließenden Wasser heraus ein Geist. Der sagte zu ihm: ,Geh in die Welt, sei immer fleißig, dann kannst du es zu Vermögen und Ansehen bringen. Und dann wirst DU deine Familie ernähren, und alle werden sehr glücklich sein …’ Und weg war der Wassergeist wieder. Da hatte der kleine Josef was gelernt, nur so beim Rumsitzen …“

Und schon sind wir bei Josef „Jo“ Laggner und seiner märchenhaften Karriere, die man so zusammenfassen kann: Vom Kellner zum Restaurant-Mogul! Wie kein anderer Gastronom in Berlin, schuf er ein Reich der Gastlichkeit. Laggner ist Berlin ist Laggner ist Berlin ist Laggner ist Berlin.

Zentrum des Imperiums ist das „Lutter & Wegner am Gendarmenmarkt“. Die von Mythen umwobene Institution, die einst in der Charlottenstraße 49 beheimatet war (heute ist dort das Regent Hotel), ist vor genau 200 Jahren als Weinstube eröffnet worden und zog schnell das ewig durstige Künstlervölkchen an. Mimen, Mimosen, Möchtegerns zechten bis zum Abwinken.

Der Hofschauspieler Ludwig Devrient und der Maler, Komponist, Schriftsteller, Jurist und Weiberheld E.T.A. Hoffmann gaben sich hier, wie man heute so sagt, „die Kante“. Auch Heinrich Heine schaute mal auf ein bis fünf Gläschen vorbei.

Aber das, was auch Berlin-Touristen besonders interessiert, ist dies: Bei „Lutter & Wegner“ ist die Bezeichnung „Sekt“ für Schaumwein entstanden.
Devrient soll einem Kellner zugerufen haben: „Bringe er mir Sack, Schurke!“ Keiner wusste, was er damit meinte. Also brachte der „Schurke“ einfachen Schaumwein. So wurde aus „Sack“ (bei Shakespeare für Sherry – „saek“) der Sekt.

Josef Laggner in seinem Lutter & Wegner am Gendarmenmarkt. Hier ist die Bezeichnung „Sekt“ für Schaumwein entstanden.

Josef Laggner in seinem Lutter & Wegner am Gendarmenmarkt. Hier ist die Bezeichnung „Sekt“ für Schaumwein entstanden.

Jo Laggner – ein „g’standenes Mannsbild“ mit lichter Höhe von 1,90 – ist, nachdem er seine Gastronomiefachschule in Salzburg abgeschlossen hatte,1985 nach Berlin kam und als Kellner im damaligen Promi-Treff „Fofi“ in der Fasanenstraße seinen „Lauf-Weg“ begonnen hatte, inzwischen Chef der „Laggner-Gruppe“. Wer hat schon seine eigene „Gruppe“? Noch dazu eine, die rund 500 Leuten Arbeit gibt und Millionen Umsatz macht?

Die Objekte neben dem „Lutter & Wegner“:
Die „Newton Bar“ und das „Augustiner am Gendarmenmarkt“, die „Gendarmerie & Austernbank“, der „Internationale Club im Auswärtigen Amt“, der „Kaisersaal“, das „Lutter & Wegner im Weinhaus Huth“ sowie das „Oscar & Co“ am Potsdamer Platz, das „Wiener Beisl“ in der Kantstraße, „Das Beisl am Tacheles“ in der Oranienburger Straße, die „Fischerhütte am Schlachtensee“ und das „Lutter & Wegner im International Club Berlin“ am Messegelände – allesamt in der Hauptstadt.

Daneben das Krongut Bornstedt am Schloss Sanssouci in Potsdam, ein Lutter & Wegner am Hamburger Hafen, ein Lutter & Wegner im Seebad Heringsdorf auf Usedom und das Hotel „Villa Solitude“ in Bad Gastein im Salzburger Land in Österreich.

Frage an Jo Laggner: „Verlieren Sie da nicht langsam selbst die Übersicht?

„Überhaupt nicht. Natürlich muss man zuverlässige und gute Leute haben.“

Frage: „Auch für Sie, Jo, hat der Tag nur 24 Stunden. Wie sieht denn da der Alltag aus. Sie sind ja auch verheiratet und haben drei Kinder …“

„Ich brauche zum Glück nur wenig Schlaf, vier bis maximal fünf Stunden. Um Viertel nach 5 Uhr stehe ich auf, lese Zeitungen und mache dann Sport. Früher Jogging und Nordic Walking, inzwischen habe ich meine Freude am Golf entdeckt. Bin ein durchschnittlicher Spieler, und ich muss sagen: Nichts ist schöner, als in aller Herrgottsfrüh den Tag auf dem Golfplatz beginnen zu lassen. Ich gehe nur neun Löcher, genug, um schwungvoll an die Arbeit zu gehen. Und nach dem Duschen fahre ich die Dependancen ab, wo es immer was zu klären gibt.“

Was den gastronomischen Nachwuchs angeht, sieht Laggner, sonst eher Optimist, eher schwarz, oder sagen wir mal: dunkelgrau …

„Sie glauben ja nicht“, sagt der Mittvierziger, „wie schlecht das Grundwissen bei vielen ist, die in den Job hineinwollen. Sprachlos hat mich ein junger Mann gemacht, der ein Stück Pflaumenkuchen nicht von einem Stück Apfelkuchen unterscheiden konnte. Stellen Sie sich das mal als Gast vor …“

Lieber nicht. Was mir an Laggner auffällt, ist seine Gabe zum Zuhören. Er ist immer neugierig. Er hat eben ganz ausgefahrene Antennen. Und obwohl im Vollbesitz seiner Zeitnot, strahlt er eine Ruhe und Gelassenheit ab, als säße er wie damals am Bad Gasteiner Wasserfall. Die sprichwörtliche Erkenntnis „In der Ruhe liegt die Kraft“ scheint sein Geheimnis zu sein.

Und wie war so einer mal früher in der Schule, auch „der große Macher“?

Da muss er lachen: „Eigentlich ja. Ich habe mich, wann immer ich konnte, aus dem Staub gemacht … und bin viel lieber Ski gefahren …“

Das liebt er noch heute über alles, vor allem in seiner Heimat im Pongau.

„Aber meine Gefühlsheimat ist längst Berlin“, sagt er, „ich war, bin und werde immer besessen sein von dieser Stadt. Wissen Sie, warum ich die Berliner so mag? Die sagen dir gleich ins Gesicht, dass du ein Armleuchter bist, und nicht wie ein Österreicher oder Bayer, der zwei Stunden mit dir red und dann zu Hause sagt, I hab mir zwoa Stund mit einem Armleuchter unterhalten …“

Natürlich gibt Laggner zu erkennen, dass er ein bisschen stolz auf sein Lebenswerk ist. Kann er ja auch. „Alles allein angepackt“, sagt er, „und immer nach dem Motto ,Schuster, bleib bei deinen Leisten’“. Das heißt: Die Sterne-Gastronomie ist nicht so sehr sein Ding, „aber was die Kollegen hier in letzter Zeit in Berlin auf diesem Gebiet erreicht und geleistet haben, ist schon bewundernswert.“

Wundern wird sich so mancher über das, was der Unternehmer Laggner demnächst „auf der Pfanne“ hat: Millionen werden investiert im Gastro-Auftritt des neuen Flughafens. Da entstehen eine Airport-Variante von „Lutter & Wegner“, eine Cafébar, eine Weinstube und ein Geschäft mit Wein, Champagner und anderen Spezialitäten. Die Verkaufsräume sind im Bereich außerhalb der Bestimmungen des Schengener Abkommens, also zollfrei zu erstehen wie im Duty Free Shop.

Streng genommen, müssen Berlin-Touristen gar nicht erst in die Stadt rein … Laggner ist doch da und zuständig für fast alles, was der Mensch mit Lebensart so braucht. Da fehlt dann nur noch der Bad Gasteiner Wasserfall, aber daran wird bestimmt schon gearbeitet …

Natürlich stellen wir auch Jo Laggner die nicht ganz so ernst zu nehmende Frage, was denn mal eines hoffentlich fernen Tages auf seinem Grabstein stehen könnte.

Da guckt er verschmitzt und meint: „Lutter & Wegner jetzt auch ganz oben …“

Gut zu wissen.