Jörg Woltmann

Jörg Woltmann
Klub der Berlin‑Beweger

Ein Kulturgut für Berlin gerettet – Jörg Woltmann, KPM-Chef und Bankier

Jörg Woltmann ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil sein Porzellan eine Premium-Marke ist.

Jörg Woltmann und sein königliches Porzellan von höchster Qualität

Jörg Woltmann und sein königliches Porzellan von höchster Qualität

Er ist der einzige Unternehmer Berlins, den man mit Fug und Recht fragen darf, ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Er ist dann nicht einmal beleidigt, sondern lächelt milde…

Kann er auch. Seine „Tassen“ sind echte KPM-Tassen. Und so wird es auch bleiben.

Jörg Woltmann, der Inhaber der Königlichen Porzellanmanufaktur, macht immer Dinge, bei denen andere nur den Kopf schütteln. Der gelernte Bankkaufmann hat im Alter von 32 Jahren seine eigene Bank gegründet, die Allgemeine Beamten Kasse, vorzugsweise für die Interessen von Beamten und Angestellten aus dem Öffentlichen Dienst. Die Unkenrufe von Kritikern und Bedenkenträgern im Ohr, hat er seine Bank zu ungeahnten Erfolgen geführt.

2006 hat er seine Mitmenschen dann vollends verblüfft. Er kaufte die vor der Insolvenz stehende KPM und rettete somit den ältesten Berliner Produktionsbetrieb, investierte im Laufe der Jahre rund 30 Millionen aus seinem Privatvermögen und erhielt der Stadt die 1763 von Friedrich dem Großen erworbene Manufaktur, ein in aller Welt beachtetes Kulturgut. „Die Entscheidung fiel innerhalb einer Woche“, sagt er, „und sie wurde unterstützt von meiner Frau und unserer Tochter.“ Diese ist studierte Designerin und arbeitet inzwischen auch bei der KPM.

Was treibt einen denn dazu, ein solches Wagnis einzugehen?
„Es ist eine Mischung aus Berlin-Patriotismus und Traditionsverbundenheit“, antwortet Jörg Woltmann und führt aus: „Ich wollte nicht zulassen, dass dieses Kulturgut nicht mehr existiert.“

Die KPM, die sieben Königen und Kaisern gehörte, hatte unter der Verantwortung des Berliner Senats einen beklagenswerten Zustand. Ständig wurden neue Geschäftsführer eingesetzt, und zwar neun in zwölf Jahren. Keine Kontinuität. Das konnte nicht gut gehen.

Woltmann: „Die KPM ist die Premium-Marke der Porzellankultur, die Handarbeit in höchster Qualität liefert. Und es gibt zum Glück viele Menschen, die so etwas zu schätzen wissen. Und: Wo KPM draufsteht, ist immer auch KPM drin. Es gibt keine Lizenznehmer. Die könnten aus unserer Sicht nur Mogelpackungen auf den Markt bringen. KPM light wird es nie geben!“

170 Mitarbeiter arbeiten bei der KPM. Für die Ausbildungsplätze wird das Unternehmen jedes Jahr als „vorbildlicher Ausbildungsbetrieb“ ausgezeichnet.

Mit dem wertvollen KPM-Geschirr kam Woltmann schon als Junge in Berührung. Genau genommen, kam er NICHT damit in Berührung. Zu groß war die Angst der Mutter, ihr Sohn könnte ein Porzellanstück fallen lassen.

Woltmann: „Dadurch musste ich nicht beim Eindecken helfen, auch nicht beim Abräumen und erst recht nicht beim Abwaschen und Abtrocknen. Da kann man mal sehen, wie wichtig wertvolles KPM-Geschirr auch für Kinder sein kann…“

Jörg Woltmann, Berliner von Geburt und aus Leidenschaft

Jörg Woltmann, Berliner von Geburt und aus Leidenschaft

Der Mann mit seinen vielen Funktionen und Tätigkeiten ist, obwohl so gut wie immer im Vollbesitz seiner Zeitnot, von erstaunlicher Ruhe und Gelassenheit. Einer, der keine Hektik abstrahlt, auch keine drei Handys hat. Die Kraft der Ruhe. In der Zunft der Erfolgreichen ist er ein Exot.

Vormittags arbeitet er in seinem KPM-Büro in der Charlottenburger Unternehmenszentrale an der Wegelystraße, nachmittags im Büro seiner Bank in der Invalidenstraße.

Arbeitspensum: 12 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche. Seine Funktion als Handelsrichter am Landgericht Berlin nicht mitgerechnet. Auch nicht seine Ehrenämter als Kulturförderer und Mitglied in diversen Stiftungsbeiräten (Sammlung Bröhan, Opernstiftung, etc).

Und rund um die Uhr ist Woltmann natürlich Berliner. Das ist auch ein Beruf und eine Berufung zugleich. Eine Leidenschaft.

„Ich habe immer nur Berlin im Sinn. Bin auch zu Mauerzeiten nie auf die Idee gekommen, meine Geschäftszelte hier abzubrechen. Die Stadt ist mein Leben. Immer voller Geschichte und Geschichten. Hier bleibt alles im ständigen Zustand der Veränderung.“

Ein Durch-und-Durch-Berliner. „Berlin“, sagt er, „hat alles, was man zum Leben braucht. Es ist ein Geschenk, hier geboren zu sein, hier leben und für die Stadt arbeiten zu dürfen.“

Die KPM kann auf einen stolzen Aufschwung verweisen. Nach einer gewissen Stagnation und der Zeit der Wirtschaftskrise geht es nun weiter aufwärts. Der Umsatz 2010 dürfte bei 10 Millionen liegen. Ein Erfolg für den Chef, der auf den beeindruckenden Einsatz seiner Mitarbeiter hinweist. Da schwingt schon etwas Stolz mit. „Wir sind ein preußischer Familienbetrieb“, sagt der Chef mit leichtem Understatement.

Was, Jörg Woltmann, würden Sie denn jungen Leuten mit auf den Weg geben?
Woltmann: „Sie sollten ehrlich durchs Leben gehen. Niemanden übers Ohr hauen. Aufrecht sein. Die klassischen preußischen Tugenden wie Zuverlässigkeit und Treue sind immer ein Helfer fürs Leben, ganz egal, was man macht. Und wichtig ist auch, dass man eine soziale Komponente entdeckt und sich überlegt, wie man Menschen, die in Not geraten sind, helfen kann. Wer an die Hilfsbedürftigen denkt, tut was fürs Gemeinwohl und somit auch für sich.“

Zum Schluss eines jeden Berlin-Beweger-Porträts steht die mit einem Augenzwinkern gestellte Frage: „Was soll eines hoffentlich fernen Tages auf Ihrem Grabstein stehen?“
Woltmann: „Die Kunst des Lebens besteht im Weglassen des Unwichtigen!“