Klaus Dieter Tschäpe

Klaus Dieter Tschäpe
Klub der Berlin‑Beweger

Der Mann, der Berlin bei Schnee nicht im Regen stehen lässt – Klaus Dieter Tschäpe, Unternehmer und „Stadtkosmetiker“

Klaus Dieter Tschäpe ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil seine Firma RUWE für eine Erfolgsmarke in der Hauptstadt steht.

RUWE Inhaber und Geschäftsführer Klaus Dieter Tschäpe mit neuen Unimog-Fahrzeugen für den Winterdienst.

RUWE Inhaber und Geschäftsführer Klaus Dieter Tschäpe mit neuen Unimog-Fahrzeugen für den Winterdienst.

„Der da oben macht doch immer, was er will“, sagt Klaus Dieter Tschäpe. Klingt wie eine Binsenweisheit, ist in seinem Fall aber das „Rüstzeug“ für seinen Job. Kann man auch wörtlich nehmen: Tschäpe rüstet sich (und damit auch uns) gegen das, was in Kürze wieder als „Winterchaos“ durch den verschneiten Blätterwald geistern wird.

Der Inhaber und Geschäftsführende Gesellschafter Klaus Dieter Tschäpe ist mit seinem Unternehmen, der RUWE GmbH, einer der wichtigsten und größten Dienstleister der Stadt. Das Feld, das der gebürtige Erzgebirgler bestellt, besteht aus den fünf Bereichen: Gebäudereinigung, Grünflächenpflege, Hausmeisterdienste, Straßen- und Veranstaltungsreinigung sowie Winterdienst. Sein in der Handwerksrolle eingetragener Meisterbetrieb ist ein Musterbeispiel für den familiengeführten Mittelstand.

RUWE – der Name weist hin auf Rudolf Wemmer, der die Firma bereits 1965 gründete und der Tschäpe seit dem Jahr 2005 als Geschäftsführer vorsteht, bevor er diese dann 2007 selbst als Unternehmer und Eigentümer übernahm und an die Spitze der Branche führte.

Für Tschäpe mit seinen 325 Mitarbeitern beginnt mit den ersten Minusgraden die jährlich wiederkehrende „Stunde Null“. Beim ersten Schneefall muss sich bewähren, was das ganze Jahr über schon vorbereitet worden ist.

Bei RUWE ist Urlaubssperre angesagt. „Passionierte Ski-Hasen haben wir nicht in unserem Team“, meint Tschäpe, der bei aller Ernsthaftigkeit auch etwas Schalkhaftes an sich hat. Einer, der in sich ruht, auch wenn er sich saisonal beschimpfen lassen muss …

„Wer für die Schneebeseitigung in einer Stadt wie Berlin zuständig ist, muss hart im Nehmen sein“, erzählt er. Selbst wenn das Allermeiste klappt und nur zehn Prozent Probleme auftauchen, sind die RUWES immer die Täter. Als „faul und unfähig …“ werden sie beschimpft.

Assistentin Bettina Mehland, Klaus Dieter Tschäpe und die Beauftragte für QM, UM, und Entsorgungs-fachbetrieb Inga Hillmann (v.l.n.r.) – insgesamt beschäftigt RUWE rund 325 feste und etwa 1.000 Teilzeit- und Saisonmitarbeiter.

Assistentin Bettina Mehland, Klaus Dieter Tschäpe und die Beauftragte für QM, UM, und Entsorgungsfachbetrieb Inga Hillmann (v.l.n.r.) – insgesamt beschäftigt RUWE rund 325 feste und etwa 1.000 Teilzeit- und Saisonmitarbeiter.

„Ach“, winkt Tschäpe ab, „wenn es man nur das wäre. Was wir uns anhören müssen, möchte ich hier gar nicht erst erzählen. Unflätig wäre noch massiv untertrieben. Und ich bin nicht zimperlich…“

Der gelernte Dreher studierte er BWL. In seinem Fall der Grundstein zu einer spektakulären Erfolgsgeschichte.

Sein zuverlässigster Kontrahent ist immer der Winter, der – trotz Prognosen – nie daran denkt, das zu tun, was man von ihm erwartet …

„2009 und 2010“, erläutert Tschäpe, „waren extrem heftige Winter. Man kann sagen, dass wir 2010 sogar zwei Winter hatten, die so intensiv waren wie sonst fünf Winter. Das mag wirr klingen, aber es macht deutlich, wie schwer es ist, sich einzustellen auf die Herausforderungen dieser Jahreszeit.“

Morgens um sieben muss alles geräumt sein. „Die meisten Beschwerden gehen entsprechend früh bei uns ein, zumeist wegen verschneiter Fußgängerwege und der Wege, die zum Müll führen.“

In diesen Monaten hat Tschäpe – Jahrgang 1957, Vater eines Sohnes und vierfacher Großvater – einen leichten Schlaf. Immer in Erwartung eines SOS-Anrufs von leitenden Mitarbeitern, die den Chef auch mal nachts um drei anrufen.

Klaus Dieter Tschäpe hat noch einige Pläne, die Marktführerschaft seines Unternehmens RUWE weiter auszubauen.

Klaus Dieter Tschäpe hat noch einige Pläne, die Marktführerschaft seines Unternehmens RUWE weiter auszubauen.

Da ist er manchmal sogar selbst schon unterwegs. „Nichts ist schöner, sagt er, „als morgens um zwei durch das verschneite Berlin zu fahren. Alles ist ruhig, fast romantisch.“

Ein Mann und sein Schnee. Das sind doch irgendwie Freunde. Im Gegensatz zu manch anderem Freund, ist der Schnee immer zur Stelle, wenn man ihn braucht …

Und was braucht so ein berufsmäßiger Schnee-Mann wie Tschäpe noch? Reichlich Granulat. Das bezieht er aus zwei Steinbrüchen im Umland Berlins. Schon im Sommer sind die RUWE-Lager voll. Pro Jahr werden rund 10.000 Tonnen „verpulvert“ (im Problem-Jahr 2010 waren es übrigens 32.000 Tonnen Granulat und über 10.000 Tonnen Salz auf den Straßen Brandenburgs).

Wer sich mal eben eine Tonne Granulat kaufen will, dürfte an die 50 Euro dafür zahlen. Ab 10.000 Tonnen wird es natürlich preiswerter. Darf’s vielleicht doch ein bisschen mehr sein…?

Natürlich ist RUWE nicht nur winteraktiv. Die Firma mit einem Jahresumsatz von rund 20 Millionen Euro kümmert sich auch um die Pflege des „Straßenbegleitgrünes“ auf den Autobahnen und Bundesstraßen sowie um die erforderlichen Sperrungen und Fahrspurverengungen. „Auch eine wichtige und übrigens auch gefährliche Dienstleistung“, sagt Tschäpe, „und auch eine, die die Autofahrer, für die diese Arbeiten ja letztlich gemacht werden, zum Fluchen bringt. Verständlich aus ihrer Sicht, aber es geht halt nicht anders.“

„RUWE … die Stadtkosmetik!“ ist denn auch der Slogan des Unternehmens, das sich ein in der Werbung auffälliges und modernes Design gönnt. Da ist, auch das bitte wörtlich nehmen, wirklich alles im „grünen Bereich“!

Viele Jahre war RUWE eine Tochterfirma der BSR, wo Klaus Dieter Tschäpe bereits als Geschäftsführer tätig war. Heute gibt es fünf Betriebshöfe, von denen aus die Einsätze gefahren werden. Zum Fuhrpark gehören etwa 625 Fahrzeuge. Neben PKWs auch so aufregende Maschinen wie Großflächen-Rasenmäher, Frontsichelmäher, Saugcontainer oder Aufsitzmäher, um nur einige zu nennen.

Großen Wert legt Tschäpe auch auf die umweltgerechte Betriebspolitik. „Wir sind zertifiziert nach ISO 9001:2008 Qualitätsmanagement sowie nach 14001:2004 Umweltmanagement und EfbV (Entsorgungsfachbetriebeverordnung). Wir wollen Ressourcen schonen, sie sparsam einsetzen und schädliche Umweltauswirkungen so gering wie möglich halten. Um das zu erreichen, sind wir in ständigem Dialog mit Behörden, zuständigen Organisationen und auch Parteien.“

Klaus Dieter Tschäpe hat bei aller Ernsthaftigkeit auch etwas Schalkhaftes an sich.

Klaus Dieter Tschäpe hat bei aller Ernsthaftigkeit  auch etwas Schalkhaftes an sich.

Jungen Leuten gibt Tschäpe, der sich bescheiden schlicht als „Kaufmann“ tituliert, als Tipp mit auf den Weg, sich nicht entmutigen zu lassen. „Man sollte viel ausprobieren, und wenn man merkt, dass man sich für etwas entschieden hat, das einem nicht liegt – dann muss man den Mut haben, sich neu zu entscheiden. Wenn man im Kopf frei ist, hat man gute Chancen, das Beste für sich herauszufinden.“

Dass der drahtige Mann, der viele Jahre lang die Frauen-Bundesliga-Handballmannschaft des MTV Altlandsberg gefördert hat und jetzt aus eigener Kasse den Rad-Crossfahrer Silvio Herklotz unterstützt, ein begabter Urlauber ist, wird man wohl nicht sagen dürfen.

Gern fliegt er mit seiner Lebensgefährtin einmal im Jahr in den Süden, aber nach dem zweiten Sonnentag am Strand oder Pool ist er meistens schon unternehmerisch im Kopf und im iPad aktiv und überlegt sich, wie er das Gesicht in Sachen RUWE-Kosmetik verändern und erweitern würde …

Natürlich stellen wir auch Tschäpe die nicht ganz ernst zu nehmende Frage, was denn mal eines hoffentlich fernen Tages auf seinem Grabstein stehen könnte …

Da grient er: „Ich hasse Winter.“

Schneit es eigentlich auch im Himmel?