Klaus Lipinsky

Klaus Lipinsky
Klub der Berlin‑Beweger

Berlins Regierender Schwimminator – Klaus Lipinsky, bundesweiter Schwimm-Botschafter und Ex-Chef der Bäderbetriebe

Dr. Klaus Lipinsky ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil er wirklich was bewegt: uns alle ...

Berliner Bäderbetriebe: Strandbad Wannsee

Berliner Bäderbetriebe: Strandbad Wannsee

Er dürfte der einzige Hauptstädter sein, der sich am wohlsten fühlt, wenn ihm das Wasser bis zum Halse steht...

Kann man durchaus wörtlich nehmen. Und doch gehört er zu den stillen Stars Berlins. Ein Alleskönner, der immer oben schwimmt. „Herr der Berliner Badekappen“ wurde er genannt, als er noch (bis vor kurzem) Chef der Berliner Bäder-Betriebe (BBB) war. Jetzt hat er wieder einen „Köpper“ gemacht. Sein Becken ist nun das Bundesgebiet. Ein alter Hase mit einer neuen, faszinierenden Aufgabe.

Im Mai 2013 übernimmt er als Vorstandsmitglied die Leitung des auf seine Anregung eingerichteten Hauptstadtbüros der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen e.V. und wird sich gleichzeitig als Geschäftsführender Gesellschafter der PREVENTUS Zukunftsmanagement GbR weiter für die Anerkennung des Schwimmens als einen der gesündesten und wichtigsten Bausteine der gesundheitlichen Vorsorge einsetzen.

Lipinsky: „Ziel ist die bundesweite politische Anerkennung des Schwimmens im Rahmen der neuen Präventionsgesetzgebung und die damit verbundene bessere finanzielle Ausstattung der kommunalen Bäder.“

Und: „Vor allem: Ich bleibe in Berlin. Weil ich die Stadt brauche wie der Fisch zum Atmen...“ (Sein Nachfolger bei den Bäder-Betrieben ist Ole Bested Hensing, bisher Geschäftsführer von „Tropical Islands“ südöstlich von Berlin.)

Im Gegensatz zu den vielen „falschen Fünfzigern“ in den Top-Etagen von Unternehmen, ist Lipinsky ein „richtiger Fünfziger“ – 1950 in Berlin geboren. Spitzenjahrgang, beste Weddinger Lage, erfrischendes Bukett, spritzig wie ein Riesling, so würden Weinfreunde in ihrer blumigen Sprache sagen. Der Mann, der nicht älter aussieht als ein Mittfünfziger, gehört zu jenen Drahtziehern im Berlin, die mit ihrer Leistung für die Stadt nicht prahlen. Nicht bei offiziellen Anlässen, aber auch ansonsten gibt er sich von der Kleidung her leger und bevorzugt das Outfit des Sportiven.

Man muss in seinem Fall nicht betonen, dass er ein passabler Schwimmer ist, bereits mit 16 machte er seinen Rettungsschwimmer. „Naja“, räumt er ein, „früher war ich doch auch etwas übermütig. Ich sprang mit 10 Jahren mit hinter dem Rücken verschränkten Armen vom Startblock im Sommerbad Humboldthain mit 'nem ,Seemanns-Köpper' ins Becken. Leider war das Wasser nur gut 1,30 m tief... Das kostete mich meine beiden Schneidezähne.“

Stadtbad Neukölln

Stadtbad Neukölln

Da war also viel zu sanieren. Noch konnte er nicht ahnen, dass das Sanieren Bestandteil seiner späteren Tätigkeiten sein sollte. Denn Bäder sind filigrane Wunderwerke der Technik mit hohem Verschleiß – da ist immer viel zu tun.

Die Berliner Bäder-Betriebe sind im Jahre 1996 als eine Anstalt des öffentlichen Rechts gegründet worden, um die Bäder aus der Verwaltung der Berliner Bezirke zusammenzuführen.

Heute sind die Berliner Bäder-Betriebe, zu denen Schwimmhallen und Saunaanlagen, Sommer- und Freibäder gehören, Europas größter Badbetreiber mit jährlich mehr als sechs Millionen Besuchern. Die Architektur der Bäder reicht von historischen Anlagen aus den Anfängen des 20 Jahrhunderts oder vom berühmt-legendären und besungenen Strandbad Wannsee bis hin zur 1999 fertiggestellten modernen Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark SSE.

Stadtbad Charlottenburg

Stadtbad Charlottenburg

Um 1900 dienten die Bäder vor allem der hygienischen Versorgung, um die Verbreitung von Infektionskrankheiten zu bekämpfen. Erst später dienten sie der sportlichen Betätigung und wurden zu beliebten Orten der körperlichen Ertüchtigung, heute auch Fitness genannt. Darauf folgte die Ära der Spaß- und Erlebnisbäder. Diese Bäder dienen vor allem der Erholung, wozu auch vereinzelt medizinische Anwendungen sowie die Saunaanlagen und Fitnessbereiche zählen. Einhergehend mit dem ständigen Anstieg psychosomatischer Erkrankungen werden die Bäder mehr und mehr auch zur Behandlung dieser Krankheiten genutzt.

„In der Vorbeugung von Krankheiten durch die ganzheitliche Entspannung von Körper, Geist und Seele“, so Lipinsky, „liegt nach meiner Auffassung die Zukunft der Bäder. Die Rückkehr zu den Wurzeln der Badekultur als entspannendes Erlebnis, verbunden mit sozialer Kommunikation und einer Mischung aus traditionellen und modernen Behandlungsmethoden ist der Weg in eine erfolgreiche Zukunft. Dabei kommt es darauf an, modernes mit historischem geschickt zu kombinieren, um es für möglichst viele Kunden attraktiv zu machen. Nicht ganz uneigennützig werde ich mich in diese Richtung bewegen“, fügt er augenzwinkernd hinzu, „denn schließlich bin ich jetzt auch in einem Alter, in dem einem bewusst wird, dass Gesundheit nicht alles-, aber ohne Gesundheit alles nichts ist.“ Lipinsky kommt ins Schwärmen, wenn er auf die Historie zu sprechen kommt...

Bereits 1902 begann das Bädertreiben im ersten Berliner Volksbad in der Oderberger Straße in Prenzlauer Berg, eine Dusch- und Wascheinrichtung für die niederen Stände. „Bis in die 60er Jahre gab es ja noch unzählige Wohnungen ohne Bad oder Dusche. Da ging man zur Körperreinigung ins Bad und leistete sich für eine Stunde eine Badewanne, manchmal rückte die ganze Familie an. Die alten gusseisernen Wannen waren damals noch groß – kein Vergleich zu den Wannen heute zu Hause, wo Übergewichtige zwar rein, aber nur mit Mühe wieder raus kommen. Ist doch komisch: Die Menschen werden massiver, aber die Standardwannen sind kleiner geworden.“

Aus einfachen Weddinger Verhältnissen kommend, hat sich Lipinsky frei – und ganz nach oben geschwommen. Vater kam erst 1949, gesundheitlich schwer angeschlagen, aus sibirischer Gefangenschaft zurück, erzog ihn, während Mutter arbeiten ging, um für das Notwendigste zu sorgen, bis Vater 1955 endlich Arbeit bekam und damit der Weg für Bruder (1956) und Schwester (1957) frei war. Nachkriegs-Kind mit Flausen im Kopf und mit Begeisterung für Technik. Stabil-Baukasten – Fleischmann-Eisenbahn – erstes 2-Transistorradio. Klaus im Wunderland, die Rock'n' Roll-Ära begann. Das war, als die tollen Sachen noch nicht cool oder geil, sondern dufte und schnaffte waren. Und die Musik kam von einer schwarzen Scheibe oder vom Cassetten-Recorder. Erzähl das mal heute einem Heranwachsenden, wenn du in ratlose Gesichter schauen willst...

Nach der Grundschule folgten Gymnasium und Geld verdienen. Arbeiten in den Ferien als Kleinmotorenverpacker bei der AEG, und jedes Wochenende 300 Illustrierte austragen. Dafür mit 18 den Führerschein (damals noch für knapp 200 DM!) und das erste Auto: Eine hellblaue „Badewanne“ (Ford 17 M) mit weißem Dach, alles selbst erarbeitet und verdammt oft selbst repariert.

Karriere eines Technikfreaks: Studium Maschinenbau, Fachrichtung Kraftfahrzeugtechnik an der Technischen Universität Berlin (TU). Titel der Diplomarbeit 1977: „Entwurf und Erprobung eines Fußgänger-Sicherheitsautos“. Danach Promotion an der TU Berlin Fachrichtung Schienenfahrzeuge. Titel der Doktorarbeit 1984: „Ursachen und Einflussgrößen der Bogenlaufgeräusche von Schienenfahrzeugen“ ...

Lipinsky: „Sieben Jahre lang war ich in der Senatsverwaltung für Wissenschaft und Forschung Referatsleiter für industrielle Technologie-Förderung tätig. Mein schönstes Projekt war nach der Übernahme der S-Bahn durch die BVG die Entwicklung der beiden Prototypzüge der S-Bahn-Baureihe 480 gemeinsam mit AEG, Siemens, Waggon-Union und BVG. Damals wusste ich noch nicht, dass mich mein beruflicher Weg im Jahre 1990 auch noch zur BVG führen sollte. Dort stand ich als Direktor dem gesamten Unternehmensbereich U-BahnU-Bahn vor.“ Dazu gehörten neben der Betriebsdurchführung des gesamten U-Bahn-Netzes die Entwicklung, Beschaffung und Instandhaltung von U-Bahn-Fahrzeugen, die Fahrstromversorgung, Signalanlagen, Gleisbau, Tunnel- und Bahnhofsanlagen mit insgesamt 5000 Beschäftigten.

Er kennt die U-Bahnen der Welt, von Hamburg, München, London, Paris, Madrid und Barcelona, aber auch von Hong Kong, Shanghai, New York, Washington und Mexico City.

Seine Erfahrung war gefragt, als im türkischen Konya ein Straßenbahnnetz mit alten Kölner Stadtbahnwagen aufgebaut wurde, bei der Projektierung einer schnellen Schienenverbindung vom Flughafen Mérida zum Ferienparadies Cancún auf der mexikanischen Halbinsel Yukatan und auch beim Aufbau des Metro-Netzes in der chinesischen Metropole Shanghai.

Ein akribisch arbeitender Mann. So einen wie ihn hätte man sich im Führungsstab des BER-Flughafens gewünscht...

Apropos U-Bahn: Wenn heute die Züge aus Sicherheitsgründen durchgängig sind, ist das sein Werk. Auch für den Austausch des traditionellen Eidottergelbs der Züge gegen das Verkehrsgelb von Bussen- und Straßenbahnen hat sich Lipinsky eingesetzt. Ebenso gehen die Einführung der Linienangabe auf den Fernhinweisen der U-Bahn und der Aushang der Fahrpläne bereits am U-Bahn-Eingang auf sein Konto.

Gegen viele Bedenken und Widerstände hat er mit seinem Team die heute so beliebten und ständig ausgebuchten U-Bahn-Cabrio-Fahrten eingeführt. Die von ihm eingeleitete Lackierung der Fernhinweise und der U-Bahn-Eingänge in Verkehrsgelb, um auch im Straßenbild die sonst nicht gegebene Präsenz der U-Bahn zu signalisieren, wurde inzwischen an vielen Stellen wieder rückgängig gemacht. Die Eingänge verstecken sich jetzt wieder in einem Mausgrau oder Sumpfgrün. „Als ob die U-Bahn sich verstecken müßte“, sagt Lipinsky, „aber ich freue mich immer, wenn ich auf dem Rücken der U7 nach Spandau fahre, da ist alles noch schön gelb.“

Im Jahre 2001 hat er sich auf eine Ausschreibung für den Vorstandsvorsitz der Berliner Bäder-Betriebe beworben und den Zuschlag erhalten. Mit dem Job bei den BBB übernahm der Berliner die Neugestaltung des maroden Betriebs, kostenspieliges Überbleibsel aus der muffigen Ära der Badekappen und brüllenden Bademeister, die nun nach zwölf Jahren erfolgreicher Tätigkeit beendet ist. Die unangenehme Aufgabe damals: Bäderschließungen und Personalabbau. Und Erhöhung des Eintrittspreises von 3 € auf 4 €. Aber anders war ein Erhalt des Betriebes nicht möglich: „Es gab viel Lärm in der Öffentlichkeit. Niemals zuvor hätte ich gedacht, was für einen Stellenwert in Berlin die Bäder haben. Da spielt die eigene Kindheit eine nostalgische Rolle. Erwachsene fühlen sich zurückversetzt in ihre unbeschwerte Kinder- und Jugendzeit und wissen, dass schwimmen eine der gesündesten Sportarten ist, um fit zu bleiben. Ist natürlich gut, vor allem, wenn sie treue Gäste der Bäder bleiben.“

Nostalgie – das ist auch sein Thema. Er ist bekennender Berliner, der Stadt und ihren Menschen lebenslang verbunden. „Nicht ein einziges Mal“, erzählt er, „habe ich daran gedacht, Berlin zu verlassen. Undenkbar. Man kehrt keiner Stadt den Rücken, in der es Currywurst-Buden gibt wie in Berlin. Nicht ohne meine Currywurst, am liebsten bei Curry 36 oder bei Haase unterm Bierpinsel!

Trotz seiner Berlin-Anhänglichkeit, ist er national wie international tätig und ein angesehener Fachmann. Stellvertretender Vorstandvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen e.V. oder auch Mitglied der European Waterpark Association EWA, um nur einige Ämter zu benennen. Die Fachwelt weiß: Der Lipinsky würde selbst ein Bad in der Karibik betriebswirtschaftlich stemmen. Und so ist er ein Mann für alle Fälle. Er lässt's auch weiterhin kacheln!

Über sein Privatleben schweigt sich der Allrounder gerne aus. „Ist eben privat“ sagt er und ergänzt nur kurz: „Ich bin mit der besten Frau der Welt verheiratet, und glücklich, versteht sich.“

Natürlich stellen wir auch Dr. Lipinsky die nicht ganz ernstzunehmende heiter-besinnliche Schlussfrage, die jeder Berlin-Beweger beantwortet hat.

„Was könnte mal eines hoffentlich fernen Tages bei Ihnen auf dem Grabstein stehen?“
Klaus Lipinsky: „Kiek nich so doof, ick würd' jetzt ooch lieber im Strandkorb liegen“