Larissa Laternser

Larissa Laternser
Klub der Berlin‑Beweger

Die Spray-Athenerin – Larissa Laternser, Schlossturmherrin vom Bierpinsel

Larissa Laternser ist im KAUPERTS-Klub der Berlin Beweger, weil sie als Kunst- und Eventmanagerin den Steglitzer „Bierpinsel“ zum Kultur-Wahrzeichen macht

Eltern sollten schon genau aufpassen, für was sich ihre Kinder so interessieren… Als Larissa Laternser fünf Jahre alt war und mit ihren Eltern über die Steglitzer Schloßstraße spazierte, galt das besondere Interesse der Kleinen dem „Bierpinsel“. Heute – keine 25 Jahre später – ist dieser Bau von merkwürdiger Ehrwürdigkeit ein architektonisches Kultobjekt. Und die Chefin heißt Larissa Laternser. Auch sie hat inzwischen schon die Kultweihen der Medienwelt erfahren. Mutig. Visionär. Forsch. Fleißig. Freundlich. Bezaubernd. Willkommen im Club der aufstrebenden Powerfrauen Berlins!

Aus dem 1976 eröffneten Wahrzeichen an der Steglitzer Tiburtiusbrücke, das aus der Ferne aussieht wie ein aufge“tee“ter Golfball, hat die studierte Kommunikations-Expertin Anfang April einen Turm der Künste eröffnet. Name: „Turmkunst“. Bekannte Graffiti-Künstler haben die Fassade des Baus, der drei Jahre lang leer stand und fast zum Ruinen-Mahnmal der 70er Jahre verkommen wäre, neu gestaltet.

„Turmkunst“ am „Bierpinsel

Bierpinsel - Turmkunst

Schlossturm GmbH“ heißt das Unternehmen, in das mehrere Millionen investiert worden sind. Das Objekt gehört Larissa und ihrer Mutter Tita, die als Immobilienmaklerin auf Mallorca erfolgreich ist und den Turm erworben hat. Ihr Vater ist Heinz Laternser, der Gründer von LAT Fernmelde-Montage und Tiefbau in Spandau, wo Larissa bis zur Planungsphase für den Turm im Marketing-Bereich tätig war und zum Teil noch ist.

„Wir sind eben ein Familienunternehmen, in dem jeder für jeden da ist“, sagt die junge Frau, die drei ebenfalls dynamische und anpackende Schwestern hat. Da ist Arabelle (27), die bei LAT das Controlling macht und auch schon mal im Turm-Shop aushilft. Dann Tahnee (24), die als Designerin arbeitet und, wenn Not am Mann ist, stundenweise den Kaffee-Shop macht – und die jüngste Schwester Lorraine (15), die noch zur Schule geht.

Die Eröffnung des Kunstturms sorgte für Schlagzeilen. Vom 46 Meter hohen Turm seilte sich der Street-Art-Künstler Flying Förtess in einer Gondel ab und sprayte seine Kunst an die Wand.

In einem Bezirk, der Jahrzehnte lang als weißer Fleck auf dem Berliner Kulturstadtplan galt und wo schon die Eröffnung einer Mini-Golf-Anlage als gesellschaftliches Ereignis gefeiert wurde, schlug die Aktion hohe Wellen. Die meisten Passanten fanden es gut, dass nun endlich mal wieder was passiert im Steglitzer Kiez. Auch das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf begrüßte es, dass ihr Wahrzeichen „wachgeküsst“ werde. Und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sprach von einem „spannenden künstlerischen“ Projekt.

Nur die Architekten des Turms, Ralf Schüler und Ursula Schüler-Witte, beklagten, dass das architektonische Gesamtbild in seiner „baukünstlerischen Erscheinung“ durch das Besprayen der Fassade verletzt werde. Schüler, der auch das ICC am Funkturm schuf, wurde immerhin bei der Eröffnung gesichtet. Möglicherweise war er auch etwas versöhnt, als er die Ausstattung des Berliner Cafés sah, in dem international bekannte Künstler ihre Bilder ausstellen. Ein Rausch der Farben neben der Faszination einer einzigartigen Rundum-Aussicht auf Berlin.

Im Kunstturm kann man täglich (auch am Wochenende) von 12 bis 20 Uhr Kunst sehen, dabei klönen und sich inspirieren oder auch informieren über diverse Möglichkeiten, sich selbst künstlerisch zu betätigen. Es gibt Graffiti-Kurse für junge und betagte Spray-Athener, Kunstseminare, Workshops – und von Herbst an auch ein hochwertiges und erschwingliches gastronomisches Angebot.

Larissa freut sich darüber, dass viele Besucher aus Mitte und anderen Szene-Bezirken nach Steglitz kommen, wo sie übrigens schon bei der Ankunft im U-Bahnhof Schloßstraße von Graffiti-Kunst begrüßt werden. Es gibt auch Anfragen von Kunstinteressierten aus aller Welt. Dutzende von Kultur-Portalen berichteten im Internet über die Eröffnung. Das ist auch gut für den Bezirk, der im Branchen-Mix mit einem Kulturanteil von 0,3 Prozent ziemlich unterrepräsentiert ist. „Wir hoffen, dass wir den Wert sichtbar erhöhen werden. Es dauert, aber es wird.“

Die Unternehmerin ist in der Steglitzer Königin-Luise-Straße geboren und dort zunächst auch zur Schule gegangen. Nach dem Umzug der Eltern machte sie auf Mallorca ihr Abitur und studierte in New York und London. Hauptfach: Kommunikationstechnik und Management. Sie arbeitete bei mehreren Agenturen und schnupperte journalistische Luft bei der Bild-Zeitung. Gründete ihr erstes eigenes Unternehmen und engagiert sich politisch im Verband „BJU – Bund Junger Unternehmer“, in dem sie sich im Bundesvorstand als „Sonderbeauftragte Junioren“ um die Nachfolger in Familienunternehmen kümmert.

Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler und Larissa Laternser beim BJU

Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler und Larissa Laternser beim BJU

Sie hat sich umgesehen in der Welt, spricht außer Deutsch noch perfekt Englisch, Spanisch und Französisch und ist im Grunde schon selbst ein Kunstereignis. Ihr Name, finde ich, klingt schon so. „Lari Late“ – das klingt doch wie ein Talkshowformat. Der in Steglitz geborene und aufgewachsene Hugo Egon Balder will bei seinem nächsten Berlin-Besuch mal vorbei schauen.

Mitte Mai gibt es eine neue Ausstellung im Kunstturm, diesmal in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut. „Wo Wissenschaft läuft, läuft auch Kultur“, sagt Larissa Laternser auch im Hinblick auf die nahen Einrichtungen der Freien Universität Berlin in Dahlem.

Keine Angst vorm Scheitern, Larissa?
„Nein, man braucht Glück und den richtigen Riecher, dann klappt das, vor allem, wenn man über ein breites Netzwerk verfügt. Und ich denke mir immer: Wer es im Leben nicht beim Wünschen belässt, kann sich am Ende stolz Träumer nennen…“

Die übliche Schlussfrage an alle Berlin-Beweger bleibt der „Träumerin“ natürlich nicht erspart. Was soll mal eines fernen Tages auf Ihrem Grabstein stehen?
„Meine Homepage!“

Wer sich über „LL“ und ihr Projekt informieren will, erhält bei KAUPERTS einen ersten Überblick: Schloßturm bei KAUPERTS Berlin