Lutz Freise

Lutz Freise
Klub der Berlin‑Beweger

Der Entschleuniger – Lutz Freise, Inhaber der Reederei Riedel

Lutz Freise ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil uns die Fahrgastschiffe seiner Reederei Riedel „bewegen“…

Eigentlich ist der Mann ein Therapeut. Einer, der seine Dienste anbietet, zu erstaunlich preisgünstigen Konditionen. Behandeln lassen können sich bei ihm all jene, die an Hektik und Stress leiden. Menschen eben, die sich befreien möchten von der Last des Alltags, die einfach nur genießen wollen und mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen, was ihnen so alles geboten wird.

Das könnten schönes Wetter und eine frische Brise sein. Das sind aber immer auch diverse Sehenswürdigkeiten der Stadt, die am Betrachter vorbei zu gleiten scheinen: Nikolaiviertel, Berliner Dom, Neues und Altes Museum, Bahnhof Friedrichstraße, Reichstag, Kanzleramt, um nur einige zu nennen. Am Ende dieser bis zu mehrstündigen „Sitzung“ an Bord eines Spree-Fahrgastschiffes ist man irgendwie fröhlich und frei: Die Therapie hat angeschlagen!

Der Mann, der für so viel Seelen-Wellness sorgt und als „Entschleuniger“ wirkt, ist Lutz Freise. Zusammen mit seinem Bruder Stefan lenkt er (kann man in diesem Fall ja wirklich sagen) die Geschicke der stadtbekannten Reederei Riedel, die 1971 in Berlin gegründet wurde und seitdem ihren Stammsitz in Friedrichshain-Kreuzberg hat (auch auf der Saale fahren Riedel-Schiffe, schon seit 1945).

Lutz Freise mit seinem Bruder Stefan

Lutz Freise mit seinem Bruder Stefan

1996 erwarb die Familie Freise, die seit Jahrzehnten mit den Riedels verbunden und befreundet ist, das Unternehmen. Mit derzeit 14 Fahrgastschiffen, einem Restaurantschiff, einem Bistro an der East Side Gallery, 38 Anlegestellen im Berliner Stadtgebiet und saisonal bis zu 140 Mitarbeitern zählt es zu den wettbewerbsstärksten Unternehmen der Branche.

„Wir sind“, erklärt Lutz Freise, „ausschließlich auf innerstädtische Brücken- und Stadtkernfahrten über Spree und Landwehrkanal ausgerichtet.“ Besonderen Wert legt der geborene Wolfsburger, der seine Kindheit in Neuss am Rhein und in Berlin verbrachte und hier das Leibniz-Gymnasium in Kreuzberg besuchte, auf die Belange des Umweltschutzes, wobei der Umgang mit den natürlichen Ressourcen und der Energieeinsparung eine wichtige Rolle spielt. Kürzlich hat er die erste Nachhaltigkeitserklärung einer deutschen Fahrgastreederei veröffentlicht, ein beeindruckendes Kompendium.

Seine Karriere begann Freise mit einer Ausbildung zum Speditionskaufmann, und zwar bei den internationalen Spediteuren Schier, Otten&Co, für die er in der Messe- und Kunstabteilung tätig war. Hier lernte er auch Erich Marx, Heiner Bastian und Joseph Beuys kennen.

Heiner Bastian war es, der ihm 1984 schließlich den Ansporn gab, eine eigene Kunstspedition zu gründen.

Die „Kunsttransporte Belaj GmbH“ betreute große Ausstellungsprojekte, war tätig für Joseph Beuys und Andy Warhol in Berliner Museen.

Wegen der immer größer werdenden Aufgaben bei der Reederei Riedel verkaufte Freise die Spedition an die Zürcher Freilager AG.

Lutz Freise wird auch unterstützt von seiner Frau Martina, die bei einer großen Bank tätig ist und viele Ideen einbringt. Beide lernten sich mit 17 Jahren kennen. 1984 wurde geheiratet. Der „Kapitän“ und seine Frau vergrößerten die Familien-Flotte um zwei Söhne (Florian, 22 Jahre, und Moritz, 12 Jahre).

Jugendlichen, die nicht so recht wissen, wo die berufliche Reise mal hingehen soll, empfiehlt Lutz Freise: „Man sollte sich in möglichst vielen unterschiedlichen Berufszweigen umsehen. Da merkt man ziemlich schnell, was für einen vielleicht interessant sein könnte. Ein Praktikum ist immer noch die beste Möglichkeit dazu.“

MS Spreeblick II – im Hintergrund der Berliner Hauptbahnhof

MS Spreeblick II am Hauptbahnhof

Auch die Reederei bildet junge Leute aus, von denen einige es sogar zum Schiffskapitän gebracht haben. Das Unternehmen unterstützt auch ältere Mitarbeiter bei Umschulungsmaßnahmen. „Es ist eine Schande“, findet Freise, „dass heutzutage schon Mittvierziger keinen Job mehr bekommen.“

Bei Riedel werden Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen gebunden, sie werden angeregt zu Eigenverantwortlichkeit und Flexibilität.

Die Reederei Riedel fühlt sich seit jeher ihrem gesellschaftlichen Umfeld verpflichtet. Freise: „Wir engagieren uns im Rahmen unserer Möglichkeiten für das Gemeinwohl.“ Und zwar in kulturellen, sozialen und wissenschaftlichen Bereichen. Kooperationspartner sind u.a.: Berliner helfen e.V., Märchenland e. V., 48 Stunden Neukölln, Freiwillige Feuerwehr Frohnau, Stadtmission und City Stiftung Berlin.

„Darüber hinaus“, so Freise, „stellen wir unsere Schiffe häufig gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung, in diesem Jahr auch erstmals für Schiffsgottesdienste.“ Schon länger unterstützt die Reederei Riedel neben anderen Berliner Einrichtungen „Das Märchenschiff“, das jedes Jahr für eine Woche unterwegs ist. Die viel beachtete Aktion der Märchenland-Veranstalter („Berliner Märchentage“) steht jedes Jahr unter einem besonderen Motto, in diesem Jahr heißt es „Märchenhaftes Lateinamerika“.

Längst sind die Freises in der Berliner Gesellschaft etabliert und gern gesehene Gäste bei den großen Events der Stadt, in der sie im wörtlichen wie im übertragen Sinne viel bewegen.

Der selbst im Vollbesitz seiner berufsbedingten Zeitknappheit stets freundliche und immer ansprechbare Lutz Freise ist von sportlicher, fast athletischer Gestalt und war früher Taekwondo-Kampfsportler. Heute ist er passionierter Jogger und manchmal läuft er sogar vom Büro am Planufer nach Hause – und das ist immerhin in Hermsdorf…

Lange Strecken reizen ihn auch im Job: Mit der Reederei Riedel wird Freise im kommenden Jahr seinen Firmensitz an die Nalepastraße in Oberschöneweide verlegen. Gegenüber der kleinen Spree-Insel Bullenbruch und unweit vom Plänterwald soll ein neu ausgebauter Hafen entstehen, wo die gesamte Flotte in den Wintermonaten zentral gewartet und für die nächste Saison auf Vordermann gebracht werden kann. Auch die Werkstätten und die Logistik werden hier zusammengeführt.

Auf dem benachbarten Teil des Grundstücks steht – unter Denkmalschutz – das legendäre Funkhaus der früheren DDR.

Freise, der als Kunstkenner gilt und namhafte Künstler zu seinen Freunden zählt, hat sich viel vorgenommen für die Zukunft und wird auf das von ihm erworbene 42 000-qm-Areal zahlreiche Angebote gastronomischer und freizeitbetonter Art machen.

Herr Freise, Sie werden zwar erst 50, aber wir stellen jedem Berlin-Beweger zum Schluss dieselbe Frage: Was könnte denn mal auf Ihrem Grabstein stehen?
„Leinen los!“


Den persönlichen Kontakt zu Lutz Freise und seiner Reederei Riedel finden Sie über KAUPERTS Berlin: Reederei Riedel GmbH