Olaf Höhn

Olaf Höhn
Klub der Berlin‑Beweger

Der Eis-Heilige – Olaf Höhn, Eisfabrikant und Verwöhner

Olaf Höhn ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil sein „Florida-Eis“ aus Spandau den Markt erobert.

Ein „eiskalter“ Typ: Olaf Höhn

Ein „eiskalter“ Typ: Olaf Höhn

Eigentlich müsste man ihn ja als einen „eiskalten“ Typ bezeichnen. Das klingt jedoch etwas nach Mafia. Sagen wir mal so: Er ist ein ganz Cooler! Muss er auch, denn es handelt sich um Deutschlands erfolgreichsten Eismann. Olaf Höhn, Unternehmer und von Hause aus Maschinenbauingenieur, hat es, von der breiten Öffentlichkeit fast unbemerkt, zu einem Millionen-Imperium gebracht. Seine „Florida-Eis-Spezialitäten“ sind in aller Munde, Inbegriff von Köstlichkeit und ein „Muss“ für Leckerschmecker.

Bye bye Schöller, tschüs Langnese, adios Häagen Dazs! War schön mit euch. Jetzt aber ist der „Florida-Boy“ aus Spandau am Gaumendrücker.

Was für eine Erfolgsgeschichte! Sie trägt fast märchenhafte Züge.

Geboren 1949 und aufgewachsen in Berlin-Neukölln, Wissmannstraße und später in der Neuköllnischen Allee. Vater Konditormeister und Bäcker, Gründer der Firma Höhn-Brot, die es noch heute in der Neuköllnischen Allee gibt.

1984 kaufte Höhn in Spandau das „Eiscafé Annelie“ in der Klosterstraße, das unter mehreren Namen firmierte und schon seit 1927 eine Institution gewesen ist. Wie auch heute noch als „Florida Eiscafé“.

Warum eigentlich Florida?
Höhn erinnert sich: „Als ich das Café 1984 übernahm, war im Fernsehen gerade die Serie ,Miami Vice’ der große Renner. Aber der Name Miami war rechtlich schon geschützt, und so kam ich auf Florida …“

Der Chef im Mekka für Eisfreunde.

Der Chef im Mekka für Eisfreunde.

Von dort hat er sich ein paar Ideen für die Eisherstellung mitgebracht, zum Beispiel das Cherry Cocolate Chip Eis. „Und das Pecannuss-Eis“, ergänzt der Eismann, „ein einmaliger Geschmack, und wir sind wohl die einzigen, die es in Deutschland anbieten.“

Inzwischen kauft das Unternehmen die Zutaten vorwiegend in Frankreich. „Die Franzosen“, sagt er, „sind auch beim Eis die größten Gourmets. Auf deren Qualität kann man sich immer verlassen.“

Neben dem Eis-Café in der Klosterstraße sind auch die Eis-Ellipse direkt gegenüber vom Rathaus Spandau sowie zwei Florida-Filialen in Alt-Tegel eine Art Mekka für Eisfreunde. Das Schlangestehen ist nicht nur an heißen Tag hier selbstverständlich, zumal Eis-Träumer aus ganz Berlin und dem Umland anreisen.

Das Angebot der Floridianer hat sich überall verbreitet. Und längst ist auch die Industrie aufmerksam geworden. Große Handelsketten wie „Kaiser’s“, „nahkauf“ oder „nah und gut“ haben Florida-Eis bereits im Angebot. Allein im vergangenen Jahr wurden 650 Tonnen Speiseeis produziert.

Bedarf und Nachfrage haben längst die Kapazitätsgrenzen des Spandauer Werks gesprengt. Das Unternehmen, das jetzt noch 180 feste Mitarbeiter beschäftigt, ist quasi zur Expansion gezwungen. Am Zeppelinpark in Spandau-Staaken (am Nennhauser Damm) wird jetzt für mehrere Millionen ein neues Werk entstehen.

Obwohl es auch günstige Offerten aus dem Umland gab, möchte der Berliner der Stadt, der er so viel zu verdanken hat, die Treue halten. Die neue Produktionsstätte wird im ersten Bauabschnitt 40 zusätzliche Arbeitsplätze ermöglichen, der Jahresumsatz soll hier einmal rund zwölf Millionen Euro erreichen.

Maschinenbauingenier, Eisfabrikant und Lokalpatriot - Olaf Höhn ist nicht nur ein sympathischer Chef, sondern auch verantwortungsvoller Unternehmer.

Maschinenbauingenier, Eisfabrikant und Lokalpatriot - Olaf Höhn ist nicht nur ein sympathischer Chef, sondern auch verantwortungsvoller Unternehmer.

Für das neue Werk hat Höhn als Maschinenbauer einige Geräte für die Produktion selbst entwickelt. „Die Eisproduktion soll sich mit Recht umweltfreundlich nennen dürfen“, erläutert der Unternehmer und verblüfft mit erstaunlichen Plänen.

Angedacht ist ein mit Erdgas betriebenes Blockheizkraftwerk mit angeschlossener Absorptionsanlage, eine beidseitig nutzbare Fotovoltaik-Anlage sowie eine Windkraftnutzung auf dem Dach. Aber auch an die Mitarbeiter mit kleinen Kindern ist gedacht. Die können sich im betriebseigenen Kindergarten, der von viel Grün umgeben sein wird, wohl fühlen. Und an Eis-Vergnügen dürfte es sicher auch nicht fehlen.

Übrigens: Florida-Fruchteis wird nicht mit Milch hergestellt, sondern mit reinem Fruchtpüree und Früchten. Es ist zu 100 Prozent laktosefrei und somit auch für Veganer geeignet. „Etwa 18 Prozent der Bevölkerung“, erklärt Höhn, „leiden an Laktose-Unverträglichkeit.“

Der Mann denkt an alles. Mit seiner langjährigen Geschäftspartnerin und Geschäftsführerin Simone Gürgen wurde in den vergangenen Jahren ein zweites Standbein aufgebaut, der Florida-Eis-Express-Online-Service liefert deutschlandweit. In großen wie in kleineren Einheiten können Privathaushalte und auch Gastronomie-Kunden die Spandauer Köstlichkeiten ordern. Auch ein Event-Eis-Catering ist im Angebot.

Das Angebot in den Filialen umfasst 45 Eiskreationen.

Das Erfolgsgeheimnis des Berliners ist sein enormer Arbeitseinsatz von bis zu 14 Stunden am Tag, seine Präsenz auch am Wochenende, seine Bescheidenheit und seine Liebe zum Eis-Vergnügen. Ein Berlin-Beweger, der aus der Kälte kommt und die Herzen seiner Kunden erwärmt. Der Mann, der sich Neuheiten in aller Welt anschaut, hat eine Berufs-Fliegerlizenz und gilt sicher nicht deshalb als Überflieger seiner Branche. Er ist seit 36 Jahren mit einer vermutlich sehr nachsichtigen Frau verheiratet. Das Paar hat einen erwachsenen Sohn, der trotz der Liebe zum Eis den Familienbetrieb nur eventuell übernehmen wird.

Natürlich stellen wir auch Olaf Höhn die übliche letzte Frage: „Was könnte eines hoffentlich fernen Tages mal als Motto Ihres Lebens aus dem Grabstein stehen?“

Da muss der Eis-Heilige nicht lange grübeln, und so schlägt er vor:
„Florida-Eis jetzt auch im Himmel“.

Na, da können wir uns doch alle schon mal drauf freuen …