Sonja Frühsammer

Sonja Frühsammer
Klub der Berlin‑Beweger

Berlins first Top(f)-Model – Sonja Frühsammer, Spitzenköchin in Sternen-Nähe

Sonja Frühsammer ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil sie mit ihrer einzigartigen Aroma-Küche die Gäste in eine andere Welt versetzt.

Von der Kantine in den Koch‑Olymp: Sonja Frühsammer

Von der Kantine in den Koch‑Olymp: Sonja Frühsammer

Vorangestellt:

„Die Entdeckung eines neuen Gerichts trägt mehr zum Glück der Menschheit bei als die eines neuen Gestirns.“
(Jean Anthelme Brillat-Savarin, 1755-1826)

Savarin war Richter in Frankreich, bevor er sich mit ganz anderen Gerichten beschäftigte. Und zwar als Schriftsteller, Philosoph – und als Gastrosoph. Sein Standartwerk „Die Physiologie des Geschmacks“ ist, wenn man es so sagen darf, noch heute in aller Munde. Er prägte die Begriffe Gourmet (Feinschmecker) und Gourmand (Schlemmer).

Wenn Sonja Frühsammer, die Koch-Queen im Reich der Aromen und längst ein Star der Berliner Szene, sich drei Menschen vergangener Epochen einladen und bekochen könnte, dann wäre Brillat-Savarin dabei. Und Leonardo da Vinci sowie Albert Einstein, von dem sie sich das Universum erklären lassen und ihm die Frage stellen würde, warum er als Genie zum Sockenhasser geworden ist.

„Für die drei Herren würde ich ein 12-Gang-Menü kochen, jeweils ganz kleine Portionen“, erzählt die Köchin, die in Australien geboren wurde und erst 1973 nach Berlin zog. Jeder Gang eine kleine Entdeckungsreise des Gaumens. Für Brillat-Savarin war der Genuss der einzige wahre Sinn des Lebens. Wenn der erst Sonja kennen gelernt hätte …

„Ist mein Eindruck richtig“, frage ich Sonja Frühsammer, „dass Köche selbst gar keine genussbereiten Esser sind, sondern eilig ihren Teller leer putzen?“ (Starkoch Rockendorf zum Beispiel starb an einem zu großen Fleischstück, das er hastig verschlungen hatte – der letzte Biss.)
„Ist schon was dran“, sagte sie, „das hängt damit zusammen, dass wir ja in der Küche immer gezwungenermaßen was kosten und wenig Zeit haben. Aber wenn ich mal nicht koche und woanders zum Essen gehe, kann ich schon genießen und mir Zeit lassen.“

„Warum gibt es so viele männliche Fernsehköche und so wenig weibliche?“ Sonja Frühsammer im Gespräch mit unserem Autor Bernd Philipp.

„Warum gibt es so viele männliche Fernsehköche und so wenig weibliche?“ Sonja Frühsammer im Gespräch mit unserem Autor Bernd Philipp.

Frühsammer. Das ist ein Name mit gastronomischem Klang. Peter Frühsammer setzte im alten West-Berlin schon kulinarische Ausrufezeichen, als die Stadt noch gastronomische Diaspora war. Sein Restaurant „An der Rehwiese“ in der Matterhornstraße war ein Wallfahrtsort für Leckerschmecker. Der Meister war 25 Jahre alt, als er der jüngste Sterne-Koch Deutschlands wurde und zehn Jahre lang blieb.

„Mein Mann hat mir erzählt“, so Sonja Frühsammer, „dass es damals gar nicht so schwer war, einen Stern zu bekommen. Eine Kiste frische Champignon, eine Kiste frische Möhren und eine Kiste mit frischem Spinat – das reichte schon aus. Galt als besonders innovativ …“

Gut 25 Jahre ist das her. Da ging Sonja noch zur Schule. Drehte eine Ehrenrunde. „Ich hab mich damals mehr fürs Reiten interessiert. Aber dafür gab es ja leider keine Noten.“ 9. Klasse – die zweite … Dass sie mal zur „Aufsteigerin des Jahres“ gekürt werden würde, wie vor zwei Jahren, hätte weder sie noch ihre Eltern für möglich gehalten. Sitzenbleiber holen Versäumtes oft erfolgreich nach: Otto von Bismarck, Peer Steinbrück, Christian Wulff, Edmund Stoiber, Richard Wagner, Otto Waalkes, Bertolt Brecht, Harald Schmidt – alles bekannte Ehrenrundler.

Sie war eine unauffällige Schülerin, hatte kein Ekelfach, die musischen Fächer waren ihr Ding. Sie malt auch selbst, wunderschöne Aquarelle zum Beispiel.

„Ich wusste nach dem Abitur gar nicht, was ich machen sollte. Ich hatte keine herausragenden Talente, die mir den Berufsweg hätten weisen können. Fing an zu jobben und bewarb mich für eine Kochlehre bei Siemens. Die hatten neben der Kantine noch ein Casino, in dem Geschäftskunden und besondere Gäste bekocht wurden. Da ist die Lust am Kochen eigentlich erst entstanden, weil man da auch mal was ausprobieren konnte, das nichts zu tun hatte mit dem Einheitsessen der Kantine.“

Nach der Kochlehre wollte sie dann „richtig kochen lernen“ und suchte sich aus Gastronomieführern die Adressen der führenden Restaurants zusammen, um sich dort vorzustellen. Frühsammers „Rehwiese“ kam nicht in Frage. „Das hatte ich ausgeklammert, weil da weit und breit keine U-Bahn fuhr, und wie sollte man denn nachts ohne Auto wieder nach Hause kommen?“

So lernte sie Peter Frühsammer also zunächst gar nicht erst kennen, was aus heutiger Sicht ja möglicherweise von Vorteil gewesen sein mag. Manche Top-Köche wollten einfach keine Frauen in der Küche. Als wesentlich weitsichtiger erwies sich dagegen Sterne-Koch Karl Wannemacher, Chef im „Alt-Luxemburg“ in der Windscheidstraße 31. Er gab der gelernten Kantinenköchin eine Chance. „Ich habe unsagbar viel bei ihm gelernt“, erinnert sie sich, „eigentlich habe ich sogar das Kochen neu gelernt.“ Wannemachers Küche ist seit Jahrzehnten Spitze. Der Mann mit der unaufdringlichen Präsenz ist eine Legende.

Wie schön, dass er das Talent seiner jungen Angestellten förderte und dass sich die Zeiten für kochende Topköchinnen geändert haben, sogar ohne Gleichstellungsbeauftragte.

Sonja Frühsammer, die Koch‑Queen, lernte bei Karl Wannemacher das Kochen neu.

Sonja Frühsammer, die Koch‑Queen, lernte bei Karl Wannemacher das Kochen neu.

Sonja und ihr Mann Peter betreiben das noble und mit diversen Auszeichnungen bedachte „Frühsammers Restaurant“ im Clubhaus des Grunewalder Tennis-Clubs. Flinsberger Platz 8 in Schmargendorf, unweit vom Hohenzollerndamm. Die für jeden offene Feinschmeckerstätte ist vom Gault Millau in diesem Jahr mit 16 Punkten bedacht worden. Und an den ersten „Stern“ zu denken, ist sicher keine Illusion. Hinweis: Sonntag und Montag sind Ruhetage. Lunch ab 12 Uhr, Dinner ab 18 Uhr. Reservierungen unter 89738628. Und jetzt alle mitsingen: „Einen Stern, der Sonjas Namen trägt …“

Heinz Horrmann, Berlins bekanntester Gastro-Kritiker, lobte erst kürzlich in der Berliner Morgenpost Sonjas Küchenzauber und ihr Gourmet-Menü in höchsten Tönen: „Schwarzwurzeln, die ich so sehr mag und so selten bekomme, zur Jacobsmuschel, einen Rochenflügel mit Spinat und Kurzgebratenem sowie Geschmortem vom Rind und Schokolade-Karamell als Dessert – einfach phantastisch!“

„Warum“, will ich wissen, „gibt es so viele männliche Fernsehköche und so wenig weibliche?“
„Das hängt damit zusammen, dass Männer ehrgeiziger sind als Frauen, die ihre Karriere oft zurückstellen, weil sie Kinder großziehen und für die Familie da sind. Die Zahl der männlichen Topköche, die sich mal aus ihrem Job ausklinken und sich um die Familie kümmern, dürfte doch recht überschaubar sein …“ meint Sonja Frühsammer ohne vorwurfsvollen Unterton. „Außerdem sind Männer eher bereit, ein Risiko einzugehen. Manchen Frauen fehlt der Mut, sich selbständig zu machen. Ich glaube, ohne meinen Mann hätte ich es auch nicht gemacht. Aber der Hauptgrund ist sicher die Familie. Wer Kinder hat, muss sich auch um sie kümmern und kann nicht bis in die Nacht in der Küche stehen.“

Stimmt schon: Es geht im Leben ja nicht nur um den Nachtisch, sondern auch um den Nachwuchs. Und ihr Sohn Leon (16) hat schon eine gewisse Neigung zum Kochen entwickelt, während die zwei Jahre jüngere Tochter sich lieber bekochen lässt. Koch und Gast in einer Familie …

Kochsendungen im Fernsehen wird es noch lange geben, glaubt Sonja Frühsammer. „Sicher länger als Gerichtsshows … Kochsendungen sollen ja einfach nur Spaß machen und Grundkenntnisse vermitteln. Viele Leute haben zu Hause schöne Küchen, wollen mal was ausprobieren. Kochsendungen sind entspannend, tun nicht weh.“

Sonja Frühsammers Küchenstil ist aromastark, fantasievoll und gemüseorientiert. Geprägt vom ständigen Dialog mit ihrem Mann auf der Suche nach den perfekten Aromen zum passenden Wein.

Der arbeitet unter seiner Frau. Kann man in diesem Fall sogar wörtlich nehmen. Er ist für den „Keller“ zuständig, als Sommelier Herr der Weine und einer der größten Wein-Experten der Stadt.

Natürlich stellen wir auch Sonja Frühsammer die nicht ganz so ernst zu nehmende Frage, was denn eines hoffentlich fernen Tages mal auf ihrem Grabstein stehen könnte?

Da neigt die Top-Köchin zu einer eher sachlichen Variante:
„Ich koche jetzt ganz oben.“