Thomas Schmalfuß

Thomas Schmalfuß
Klub der Berlin‑Beweger

Berlins Regierender Quartiermeister – Thomas Schmalfuß, Manager und Magier eines „Magischen Dreiecks“

Thomas Schmalfuß ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil sein „Quartier am Potsdamer Platz“ ein Magnet für Wirtschaft, Shopping-Kunden und Berlin-Touristen ist.

Wenn irgendwo die Seligen im Himmel über Berlin auf ihre Stadt schauen, dann sehen sie unten ein „magisches Dreieck“. Das ist doch... ja, stimmt: Es ist das Quartier am Potsdamer Platz. Da, wo schon früher das Leben tobte und der Puls der Zeit raste, wo dann als Folge der Teilung Berlins ein überdimensionales Ödland entstand und nach der Wende der weltweit bestaunte Neuanfang begann – da ist heute „The Platz to be“, wie die Macher des Quartiers bescheiden meinen. Ein exklusiver Mix aus Wohnen, Arbeiten, Flanieren, Shoppen, Genießen, Wohlfühlen und Staunen. Täglich kommen bis zu 100 000 Besucher.

Unter diesem Reich der geballten Impressionen liegt Berlins hellstes, geräumigstes und wohl auch eines der preiswertesten Parkhäuser der Stadt mit Zufahrtsmöglichkeiten von allen Richtungen. Ab einem Euro pro Stunde.

Da wollen wir doch mal wissen: Wer ist eigentlich der Magier, der dieses magische Dreieck im Griff hat? Und wir finden ihn: Der David Copperfield des Quartiers heißt Thomas Schmalfuß.

Seine Visitenkarte liest sich wie ein abgeschlossener Kurzroman: „Thomas Schmalfuß, Geschäftsführer PPMG Potsdamer Platz Management GmbH und Geschäftsführer der Potsdamer Platz Berlin Interessen- und Marketinggesellschaft“.

Thomas Schmalfuß auf dem Quartier des Potsdamer Platz

Thomas Schmalfuß

Der 55 Jahre alte Jurist stammt aus Baden-Württemberg (Künzelsau) und hat in ganz Deutschland zum Beispiel im Auftrag seines Arbeitgebers ECE (Projektmanagement, das zur Holdinggesellschaft der Familie Otto gehört) eine Erfolgsspur markiert, wie zum Beispiel im Hamburger Stadtteil Poppenbüttel, wo er das Alstertal Einkaufszentrum zum Anziehungspunkt für täglich 40 000 Kunden machte und sich in der Lokalpresse auch schon mal als „heimlicher Bürgermeister“ wiederfand.

Jahrelang galt er als klassischer „Eröffner“ großer Häuser, die er, wenn sie aufs Erfolgsgleis gebracht waren, wieder verließ. Dass er nun schon seit vier Jahren in Berlin sesshaft ist, hängt damit zusammen, dass sein Quartier am Potsdamer Platz quasi permanent neu eröffnet wird, weil immer neue Maßnahmen zu ergreifen sind, um neue Unternehmen als Kunden zu bekommen. „The Platz to be“ ist halt da, wo man lebt und selber auch die Szene belebt.

Frage an Thomas Schmalfuß, der inzwischen quasi zum „Regierenden Quartiermeister“ Berlins geworden ist: „Ich habe mir überlegt, wie bloß ihr Schreibtisch aussehen mag – bei dem, was Sie alles zu machen haben. Würden Sie mir Ihren Schreibtisch mal zeigen?“

Schmalfuß – ausgestattet mit der Physiognomie eines Mannes, der in jedem Luxusrestaurant auch ohne Reservierung den besten Tisch zugewiesen bekommt – meint: „Kein Problem! Kommen Sie mit. Bin gespannt, was Sie sagen ...“

Ich kann nicht glauben, was ich sehe. Das Büro, möbliert mit einem Konferenztisch und einem Stehpult zum Lesen („der Rücken!“) und natürlich einem wie leergefegten Schreibtisch, ist das ordentlichste Office, das ich jemals gesehen habe. Spontan fallen mir die aufgeräumten und verlassenen Büros der FDP-Fraktion im Bundestag ein.

„Donnerwetter“, sage ich, „das überrascht mich.“

„Tja“, sagt er lächelnd, ich bin dabei, meinem Ziel eines papierfreien Büros nahezukommen. Da auf dem Sideboard stapelten sich mal unzählige Mappen. Jetzt ist noch eine da ...“

Ich bin beeindruckt und verkneife mir meine Ausrede, dass ein ordentlicher Mensch nur zu faul zum Suchen ist. Dieser Mann ist auch im übertragenden Sinn ein „aufgeräumter Typ“. Er bringt sich selbst in Trab. Nicht nur sich, sondern auch seine engsten Mitarbeiter. Mit denen trifft er sich einmal in der Woche zum Joggen durch den Tiergarten. Natürlich vor Dienstbeginn.

Thomas Schmalfuß im Gespräch mit Bernd Philipp

Thomas Schmalfuß im Gespräch mit Bernd Philipp

Er ist als einst passionierter Squashspieler und emsiger Läufer durch sein eigenes Reich immer gut zu Fuß. Manchmal wird er dabei von Kunden und Flaneuren angesprochen und gefragt, wo denn dies und wo denn jenes sei. Ja, dann sagt er es ihnen, und die Gäste danken ihm und werden sich wundern, dass das Quartier-Management so gut gekleidete Service-Leute beschäftigt ... Damit das Ratgeben nicht zu einem Fulltime-Job ausartet, hat Schmalfuß an den belebtesten Plätzen des Quartiers sehr übersichtliche Tafeln für eine gute Orientierung aufstellen lassen.

„Ich bin hier viel unterwegs“, erklärt er, „meine Wohnung ist zu Fuß nur wenige Minuten entfernt.“ Der Mann wohnt also am „Tatort“ und bekommt oft Besuch von seiner Frau, die das gemeinsame Haus in Hamburg bestellt. Berlin und die Hansestadt – das sind seine beiden Metropolen des Herzens. Ein Württemberg-Hamburg-Berliner!

Das Quartier mit seinen Potsdamer Platz Arkaden ist ein Ensemble von europäischem Rang und wurde zu einem großen Teil nach Plänen des italienischen Stararchitekten Renzo Piano gebaut – ein Ort der Superlative und von urbaner Lebensqualität. Es wurde 1998 auf einer Grundstücksfläche von 68 000 Quadratmetern eröffnet und besteht aus 19 Gebäudekomplexen, zehn Straßen und zwei Plätzen (Potsdamer Platz und Marlene-Dietrich-Platz).

Kommen und Gehen. Dieses Lebensprinzip macht auch vor einem Großprojekt nicht halt. Über Jahre hinweg prägte die Firmenrepräsentanz von Daimler das wirtschaftliche Geschäft des Quartiers. Nach dem Umzug des Autoherstellers zurück nach Stuttgart und an das Spreeufer in Mitte mutmaßten Berufs-Skeptiker schon den Niedergang des Areals. Zum Glück verfrüht und unbegründet. Erstens ist die Daimler Benz AG, die zuvor ein Drittel der gesamten Bürofläche gemietet hatte, mit der Konzernrepräsentanz und weiteren Firmen weiterhin im Quartier, und vor allem: Das Objekt wird neu strukturiert und schnell wieder Nachmieter finden.

Thomas Schmalfuß in den Arkaden

Thomas Schmalfuß in den Arkaden

„Untergangsszenarien werden schnell gezeichnet“, meint Thomas Schmalfuß, „da schießen die Spekulationen schnell ins Kraut. Aber das kennen wir und haben allen Grund zur wachsamen Gelassenheit.“

„Blutet der Potsdamer Platz bald aus?“ fragte kürzlich der Tagesspiegel, als die Bauphase für das neue Shopping-Center am benachbarten Leipziger Platz mit großem Medienaufwand gefeiert wurde. Auch so eine Tartarenmeldung.

„Das Neue findet zunächst immer mehr Beachtung als das Bestehende“, sagt Thomas Schmalfuß, „das ist ganz normal. Es werden durch den Leipziger Platz Synergien frei, die beiden Plätzen zugutekommen werden. Und wenn der Glanz des Neuen verblasst ist, können wir mit unserer besseren Verkehrsanbindungen und mit dem Faktor Bequemlichkeit wieder punkten.“

Ja, Konkurrenz belebt das Geschäft. Kein Anlass also zur Panik für das Quartier, das so viel zu bieten hat. Hier stichpunktartig Namen von Firmen und bekannten Institutionen, die alle mit dem „magischen Dreieck“ in Verbindung gebracht werden: Burda Medien, N 24, Toll Collect, Hotels: Grand Hyatt, Mandala, Restaurants: von McDonald's bis Sterne-Gastronomie im Facil, Events: Berlinale, Festival of Lights, Winterwelt, Theater am Potsdamer Platz, Blue Man Group etc.

Eine Frage, die wir zum Schluss eines Treffens jedem unserer Berlin-Beweger mit dem Hinweis stellen, dass zu einer ganz ernsthaften Antwort nicht zwingend Anlass besteht ...

„Herr Schmalfuß, wenn Sie eines hoffentlich fernen Tages wider Erwarten das Zeitliche segnen, was könnte dann auf Ihrem Grabstein stehen?“

Er lacht. Und meint: „Damit habe ich mich noch nie befasst, aber sagen wir mal einfach: ,A Platz to be' - das wäre doch hübsch, oder?“

Finde ich auch. Dann könnte er einst im Himmel über Berlin zu den anderen Seligen sagen: „Guckt mal da unten. Meins!