Tobias Tuchlenski

Tobias Tuchlenski
Klub der Berlin‑Beweger

Der Mann mit der Lizenz zum Handel(n) – Tobias Tuchlenski, „Kaiser's“-Chef und Hauptstadt-Förderer

Tobias Tuchlenski ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil er als „Kaiser's“-König über 150 Filialen managt. Und weil er ein großer und großzügiger Unterstützer gemeinnütziger Aktivitäten ist.

„Wie ist der denn so?“ frage ich einen seiner Freunde. Hans-Peter Wodarz, „Palazzo“-Chef und selbst einer von KAUPERTS Berlin-Bewegern („Der Kurier des Garen“), spontan: „Er ist ein humorvoller Mensch, kommunikativ und unglaublich effizient. Immerhin der fünftgrößte Arbeitgeber in Berlin. Ein stiller Gigant der Hauptstadt, der Kultur und Kinder, Sport und Entertainment fördert und unterstützt ...“

Ja, und nun sitze ich ihm gegenüber: Tobias Tuchlenski, Regionalmanager von Kaiser's/Tengelmann, Chef von 150 Filialen in Berlin und Brandenburg und von rund 6.000 Mitarbeitern. Typ: Freundlicher, sportlich blonder Brillenträger mit hochkonzentriertem Blick und der Gabe, konkrete Antworten zu geben auf Fragen, die man nur vage formuliert hat.

Tobias Tuchlenski im Gespräch mit Klub-Autor Bernd Philipp

Tuchlenski im Gespräch mit Klub-Autor Bernd Philipp

Der Mann, der in der Hauptstadt so viel bewegt, ist Hamburger. Ein Hanseat, geradlinig und ausgestattet mit der Lizenz zum Handel(n).

Obwohl 1964 geboren, kann er sich noch an den „Tante-Emma-Laden“ erinnern, in dem es hübsch kruschig zuging. „Da hab' ich mir immer für ein paar Groschen Süßigkeiten gekauft“, erinnert er sich.

Tante Emma in Ehren. Nostalgie ist auch ein Lebens-Mittel für den Menschen. Aber ich will wissen: „Wie sieht eigentlich der Supermarkt der Zukunft aus?“

Tuchlenski: „Der Supermarkt von morgen wird sich anpassen an die sich ändernden Zustände und Bedürfnisse der Gesellschaft. Der Trend zu Bio-Produkten wird einen sehr viel breiteren Raum einnehmen als heute. Regionale Erzeugnisse werden noch mehr gefragt sein. Produkte aus dem Berliner Umland werden zu Marken, so wie jetzt schon zum Beispiel der Spargel aus Beelitz. Der Trend zur Regionalisierung ist ja längst schon auch von den Sterne-Köchen aufgegriffen ...“

Mir läuft das Wasser im Munde zusammen, ich denke an Teltower Rübchen und andere Brandenburger Köstlichkeiten.

„Was wird sich in meinem Supermarkt denn sonst noch alles geändert haben, wenn ich einst nicht mehr mit dem Wägelchen, sondern mit dem Rollator an den Regalen vorbeiziehe?“

Tuchlenski lächelt und tröstet mich: „Also, da haben Sie ja hoffentlich noch ein bisschen Zeit, aber zu Ihrer Frage: Ganz stark zunehmen wird der Trend zu Convenience-Produkten, die hochwertig fertig zubereitet sind und nur erwärmt werden müssen. Sie wird es in allen Portions-Einheiten geben. Das ist wichtig, weil es ja immer mehr Single-Haushalte gibt. Die Zeiten, in denen man sich riesige Tiefkühltruhen anschaffte, um sich zu bevorraten – sie sind bald vorbei. Weil man alles, was man ganz frisch haben will, auch direkt in der gewünschten Menge kaufen kann. Das gilt auch für die immer größer werdende Zahl von Kunden, die sich vegetarisch oder auch vegan ernähren möchten.“

Eine Frage treibt mich ja schon lange um, wenn ich im Supermarkt meinen Einkaufswagen vollstopfe, an der Kasse wieder jedes einzelne Teil aufs Band lege, um es danach wieder runter zu nehmen und, weil ich den Verkehr ja nicht aufhalten will, alles wieder vom Band in den Einkaufswagen zurückpacke... Also frage ich den „Kaiser's“-Chef: „Wie lange dauert es, bis ich mein volles Wägelchen an einem Scanner vorbei schiebe und sofort die Endsumme erscheint?“

„Das wird noch einige Zeit dauern, bis es soweit ist“, erklärt Tuchlenski und erzählt, dass an diesem so genannten RFID-Verfahren (steht für radio frequenzia indentification data) bereits gearbeitet wird. „Es funktioniert mittels aufgedampfter Chips, aber das ist sehr teuer und bei uns noch lange nicht einsatzbereit.“

Das wäre natürlich eine große Zeitersparnis für den Kunden, aber da fallen mir gleich die netten Kassiererinnen in den „Kaiser's“-Filialen ein, die dann vermutlich ihren Job verlieren könnten. Das wäre schade, denn gerade sie sind für viele alte Menschen in Berlin die einzigen, die mit ihnen sprechen. Hätte ich doch bloß nicht danach gefragt...

Für bundesweites Aufsehen sorgte kürzlich ein Bericht in der „Berliner Zeitung“, der sich mit dem immer größer werden Verlust durch Kaffee-Klauer beschäftigt. Darin wird auch Tuchlenski zitiert. „Es ist wirklich so“, bestätigt er, „der zum Teil auch organisierte Kaffee-Diebstahl verursacht einen Schaden von mehreren 100.000 Euro.“ Als Reaktion darauf halten zunehmend Filialen von „Kaiser's“ (und auch „Reichelt“) den vakuumverpackten Kaffee unter Verschluss. Die Diebe werden immer dreister und brechen auf zum „Groß-Einklau“ in Supermärkten.

Gleichwohl: „Kaiser's“ – das ist beste deutsche Unternehmergeschichte. Der Name geht auf Josef Kaiser zurück, der 1880 im Alter von 18 Jahren in das elterliche Kolonialwarengeschäft in Viersen eintrat. Im späten 19. Jahrhundert war noch das „Hausieren“ üblich. Ein Mitglied der Familie Kaiser zog mit der Schlagkarre los und bot grünen (weil rohen) Kaffee an. Die Hausfrauen brannten sie dann auf dem heimischen Herd – dabei verbrannte manches Böhnchen. Bald gelang es dem jungen Unternehmer, ein Gerät zum gleichmäßigen Brennen der rohen Kaffeebohnen zu entwickeln und zu verkaufen. Ein Mega-Erfolg – und die Geburtsstunde der berühmten „Kaiser's Kaffeekanne“, noch heute Markenzeichen und Logo der Handelskette, die heute zur Kaiser's Tengelmann GmbH mit Sitz in Mülheim an der Ruhr gehört und Teil des Tengelmann-Unternehmens ist.

Tobias Tuchlenski auf dem Berliner Betriebsgelände von Kaiser's in der Ringstraße

Tobias Tuchlenski

Die Supermarktkette besteht aus mehr als 550 Filialen in Deutschland. Im Großraum Berlin und in Nordrhein-Westfalen firmiert sie unter „Kaiser's“, im Großraum München und am Tengelmann-Stammsitz in Mülheim unter „Tengelmann“. Insgesamt sind es mehr als 500 Filialen, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 2,6 Milliarden Euro erzielten.

Tuchlenskis Einsatz fürs Allgemeinwohl ist stadtbekannt, er selbst als neugieriger Trendbeobachter überall präsent, wo Menschen was für andere tun.

Da ist zum Beispiel die Aktion „Berlin. Stimmt so!“, die „Kaiser's“ zusammen mit der „Berliner Morgenpost“ entwickelt hat: Kunden können an der Kasse ihren Rechnungsbetrag aufrunden – das Geld kommt einem gemeinnützigen Zweck zugute. Dann ist das gigantische Techno-Festival „A&P Berlin Summer Rave“ auf dem Tempelhofer Feld oder das Familienfest auf der Trabrennbahn Mariendorf. Die Filialkette unterstützt Herthas „Fußball-Akademie“, ist Hauptförderer des Konzerthauses am Gendarmenmarkt und engagiert sich für den Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD). Tuchlenski: „Bei uns ist jeder Kunde willkommen, egal welcher Herkunft, Hautfarbe, Religion und welcher sexuellen Orientierung.“

Und dann ist da noch die Sendung „berlin kocht“ auf tv.berlin (immer freitags um 18.45 Uhr mit diversen Wiederholungen in den Tagen danach). Auch so ein „Kaiser's“-Kind. Starkoch und Gourmet-Theater-Erfinder Hans-Peter Wodarz („Palazzo“) lädt Prominente ins Studio und kocht mit ihnen Spezialitäten vorwiegend aus dem Berlin-Brandenburger Raum. Die Kochshow kommt ohne exotische Zutaten aus. Alle Gerichte sind leicht nachzukochen. Was man dazu braucht, kriegt man alles – natürlich bei „Kaiser's“. Die Sendung gibt es schon seit zehn Jahren!

Neu auf der Agenda: „Gaudi by KAISER'S“ – das große Oktoberfest auf dem Firmengelände in Tempelhof (Ringstraße 24), in diesem Jahr noch bis zum 15. September, täglich ab 14 Uhr.

Ursprünglich wollte ich ja mit dem „Kaiser's“-Chef in eine ganz normale „Kaiser's“-Filiale gehen, aber davon kam ich ab, weil es ja klar gewesen wäre: Jeder kennt den Chef, das würde nur zu Aufgeregtheiten und Mutmaßungen in der Filiale sorgen. „Ja“, meint Tuchlenski gelassen, „das muss ja nicht sein. Natürlich gehe ich manchmal auch selbst in unseren Filialen einkaufen, wenn ich vom Sport komme und im entsprechen Outfit bin. Da erkennt man mich nicht auf Anhieb. Als Kunde bin ich immer sehr zufrieden, und wenn mal in irgendeiner Filiale was nicht läuft, erfahre ich es sowieso von Freunden, die mir ihre Erfahrungen schildern. Und natürlich berichtet mir meine Frau, wenn ihr was auffällt. Sind Sie eigentlich auch Kunde bei uns?“ fragt er mich.

Schweigen. Wie bei Jauch vor der richtigen Antwort. Dann lasse ich die Sau raus: „Herr Tuchlenski, ja, ich bin Ihr Kunde. Aber kein normaler. Ich bin ein kaiser's-abhängiger Kunde. Ein Vermögen lasse ich jedes Jahr bei Ihnen. Kann das unter uns bleiben?“

„Selbstverständlich“, sagt er mit einem Anflug heiterer Ironie, „auf mich können Sie sich verlassen. Von mir wird das keiner erfahren. Es reicht ja, wenn Sie es allen erzählen ...“

Ein kleines Kabarett mit einem studierten BWLer und gelerntem Groß- und Einzelhandelskaufmann. Bin beeindruckt, und nutze das fröhliche Klima gleich, um jene nicht ganz ernstzunehmende und zu philosophischer Antwort inspirierende Frage loszuwerden, den jede im Klub der Berlin-Beweger beantwortet hat:

„Herr Tuchlenski, wenn Sie eines hoffentlich sehr fernen Tages das Zeitliche segnen, was könnte dann auf Ihrem Grabstein stehen?

In Ihrem Fall weise ich darauf hin, dass Sie sich als Hanseat nicht mit einer Seebestattung raus reden können ...“

„Ach“, grinst Tuchlenski, „machen wir es doch ganz einfach. Auf meinem Grab könnte aus jetziger Sicht stehen: „Immer eine gute Idee“.