Tomislav Bucec

Tomislav Bucec
Klub der Berlin‑Beweger

Ein Mann macht Druck – Tomislav Bucec, Visionär und Mister LASERLINE

Tomislav Bucec ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil sein Service-Unternehmen LASERLINE auf allen fünf Kontinenten für die Hauptstadt wirbt.

Er ist ein Mann mit mediterraner Ausstrahlung, entspannter Freundlichkeit – und doch steht er immer unter Druck. Warum ist das so? Weil das sein Beruf ist!

Wir sprechen über Tomislav Bucec, dem Geschäftsführer und Macher eines der größten Online-Druckportale im deutschsprachigem Raum mit Kunden aus aller Welt. Seine Firma LASERLINE – Motto: „We print it. You love it!“ – ist ein Vorzeige-Unternehmen für Berlin. Das 2007 errichtete edle und imposante Geschäftshaus steht in der Scheringstraße 1 in Mitte.

LASERLINE, Niederlassung Berlin
Foto: Daniel Isbrecht

Foto: Daniel Isbrecht

Für damals mehr als 12 Millionen Euro hat Bucec ein Gebäude errichten lassen, das ein Traum ist für die rund 180 Mitarbeiter. So großzügige und noble Arbeitsplätze wie die LASERLINER hat kaum jemand in der Hauptstadt. Der Chef ist ein Verwöhner. Einer wie er darf Höchstleistungen und optimalen Einsatz verlangen. Eine Win-Win-Situation!

Tomislav Bucec, der mit seinem weltweiten Online-Druckhandel einen Umsatz von jährlich rund 20 Millionen Euro generiert, zwei Standorte in Berlin und einen in Bremen unterhält, ist gebürtiger Kroate und hat das Licht der Welt 1961 in Zagreb erblickt. Die Mutter war Buchbinderin – das Druckgewerbe, vermuten wir mal, lag dem Jungen im Blut...

Niemand hat geahnt, dass der kleine Schreihals mal ein großer Visionär werden würde, ein Ideenfabrikant und Welteroberer. Ein Kroate eben, wie Marco Polo...

Als er acht Jahre alt war zog seine Familie nach Berlin, angezogen und gebraucht als Arbeitnehmer im aufstrebenden West-Deutschland. Natürlich sprach der Knirps kein Wort Deutsch. Aber er war ein Turbo-Lerner, in der 3. Klasse hatte er sprachlich beeindruckend aufgeholt, in Klasse 4 zog er gleich und im Jahr darauf hatte er die anderen überholt.

Als einer von vier Schülern seiner Klasse bekam er von seinen Lehrern eine Empfehlung fürs Gymnasium. Das Abitur machte er am Diesterweg-Gymnasium, wo auch ein gewisser Eberhard Diepgen seine Hochschulreife erlangte... Bevor es bei Bucec soweit war, vertrieb er eine Schülerzeitung, die, mit Anzeigen ausgestattet, zu einem großen Express-Magazin wurde.

Spätestens da war allen klar: Der ist nicht zu stoppen! War er auch nicht: Später brachte er noch eine bundesweite Uni-Zeitung heraus, die mit gewaltiger Auflage von 300 000 Exemplaren in den IVW-Zahlen auftauchte. Die Branche staunte. Da kam nun ein Neueinsteiger daher, der einen Markt bediente, den die Profis selbst noch gar nicht erkannt hatten – das Heer der Studenten.

Bucec: „Man kann eigentlich alles machen, wenn man die auftauchenden Probleme als Chance nutzt, alles effizienter und einfach besser zu machen und es nicht versäumt, immer neue Ideen zu entwickeln und neue Wege zu gehen.“

Das sagt der Mann, der Krisen weitestgehend ignoriert, „weil die mir Zeit rauben, die ich brauche, um an die Zukunft zu denken. Nicht nur an meine, sondern auch an die meiner Mitarbeiter.“

Ein Philosoph in Nadelstreifen? Philosoph schon, Nadelstreifen – eindeutig nein! Er bevorzugt das saloppe Outfit. „Aber Sie lieben doch Krawatten?“ frage ich. „Nein“, sagt er, „ich liebe meine Frau und meine Kinder. Ich habe Krawatten, trage sie aber eher selten, weil sie mich auch im übertragenen Sinn eher einengen.“

Tomislav Bucec im Gespräch mit KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger

Tomislav Bucec

Jetzt bin ich aber doch schon etwas erstaunt. Es waren doch die Kroaten, die uns die Krawatten beschert haben. Vor Hunderten von Jahren gehörte die Halstuchschleife zur Uniform kroatischer Regimenter, was aus dem französischen Wort „croat“ die Krawatte werden ließ. Ohne Krawatten wäre der modische Mann doch viel ärmer, und Millionen Frauen wären sogar noch ärmer dran, weil sie gar nicht wissen würden, was sie ihren Männern zum Geburtstag oder zu Weihnachten schenken sollten...

Bucec nimmt meine Ausführungen lächelnd hin und tröstet mich: „Keine Sorge, mein Frau weiß schon, dass ich mich über ein feines Polo-Shirt auch sehr freue...“

Er könnte es, was er nicht tun würde, in seinem eigenen Unternehmen bedrucken lassen. Er bedruckt ja eigentlich alles, was bedruckt werden kann. Als da wären Plakate, Sponsoring-Produkte, Werbe-Flyer in allen Variationen, Visitenkarten, Bierdeckel, Bücher, Speise- und Getränke-Karten, Tischsets, Aufkleber, Blöcke, Mousepads, Briefpaper und Umschläge, Clubkarten, Broschüren, Kataloge, Kalender, Poster, CD/DVD-Produkte, Eintrittskarten – und alles „ausdrücklich“ hochwertig und unter strengen Umweltkriterien hergestellt.

Es ist unmöglich, durch den Alltag zu gehen, ohne an eine Bucec-Innovation zu geraten. Man muss im Gespräch mit dem Unternehmer wachsam sein, nicht selbst bedruckt zu werden. Er hatte mich irritiert, weil er gelegentlich meine hohe Stirn anschaute...

Tomislav Bucec beim Rundgang in der Produktion bei LASERLINE

Tomislav Bucec

Bucec hat wirklich einen Powerblick, der sein Gegenüber in merkwürdiger Weise mitreißt, nahezu aufputscht. Ganz nebenbei erzählt er von seiner Grundmotivation:

„Als ich vor vielen Jahren damit begann, eine kleine Agentur für Werbung und Mediengestaltung in eine Druckerei umzuwandeln, stellte ich fest, dass selbst große Druck-Industriebetriebe ohne jede Serviceorientierung arbeiteten. Der Kunde stand ihnen im Weg. Freitags nach eins war überhaupt niemand mehr zu erreichen. Wie bei einer Behörde. Das wollte ich anders machen. Mit LASERLINE habe ich einen neuen Weg beschritten und gründete eine transparente Druckerei mit Full-Service, die jedem Kunden das Gefühl gibt, willkommen zu sein und dazuzugehören.“

Die Entwicklungen, die Bucec in Gang setzte, haben den Markt verändert. Er gründete den ersten großen Online-Shop für Drucksachen im Internet. Heute stehen 10 Millionen Produktvarianten zur Auswahl! Ein Unternehmen zeigt Farbe: Im Offsetdruck, im Digitaldruck, in der Werbetechnik, bei Druckbögen und Drucksachen.

Bucec: „Bei uns erhält man alle Druckprodukte inklusive Weiterverarbeitung, wie zum Beispiel Veredelungen, aus einer Hand. Inzwischen beliefern wir mit unseren Druckerzeugnissen alle fünf Kontinente.“

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) kürte LASERLINE zum Berliner „Musterbetrieb“, auch, weil er an die 30 Ausbildungsplätze anbietet. Besonders achtet das Unternehmen auf den Umweltschutz. Ein eigenes Umweltmanagement-System wurde dafür entwickelt. „Wir haben an der Ökoprofit-Initiative des Berliner Senats teilgenommen. Unser Papier stammt aus schnell wachsenden Eukalyptusbäumen und nicht aus dem Bestand der bedrohten Regenwälder“, erklärt Bucec, und ergänzt: „Das Füllmaterial für Verpackungen besteht bei LASERLINE aus Altpapier und ist biologisch abbaubar.“ Ein Musterbetrieb, mit Zertifikaten und Auszeichnungen hoch dekoriert.

Stolz ist er auch auf seine LASERLINE ACADEMY, die Schulungen zu Themen rund um die Medienbranche anbietet.

„Herr Bucec, wenn Sie sich selbst einschätzen sollten – was sind Ihre persönlichen Stärken?“

Da muss er nicht lange überlegen: „Geradlinigkeit, Ehrlichkeit natürlich. Ich bin ein guter Zuhörer und bin tolerant für andere. Ich akzeptiere andere Meinungen und finde jede neue Idee überdenkenswert. Ganz einfach.“

So ganz einfach hatte er selbst es nicht. Es dauerte Jahre, bis er die Banken für die Perspektiven seines Projekts überzeugen konnte, bevor sie einer Finanzierung in Millionenhöhe zustimmten. Es dauerte auch sehr lange, bis die Medien sich für ihn, den Medienmann, interessierten. Weder bei der Grundsteinlegung noch bei dem Richtfest und auch nicht bei der Eröffnung nahm die Öffentlichkeit von ihm Notiz. Dabei hatte hier einer etwas regelrecht aus dem Boden gestampft und reichlich Arbeitsplätze geschaffen. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Hauptstadt wurde daraus!

Nur einmal geriet Bucec damals in die Schlagzeilen, und zwar als „böser und skrupelloser Unternehmer“, der einen Mitarbeiter feuerte, weil der geraucht hatte... Eine jener typischen Tartarenmeldungen der B.Z., die gelegentlich einen Hang zu Geschichten hat, die vorn und hinten nicht stimmen (wie jetzt der „Lolita-Skandal“ bei Hertha).

Die Wahrheit sah ganz anders aus, wie selbst ein Gericht befand: Bucec hatte sich ein monatliches garantierter Sonderhonorar von 100 EUR einfallen lassen für jeden, der nicht beim Rauchen erwischt wurde. Das wurde vertraglich festgemacht. Das konnte jeder akzeptieren oder nicht. Aber wer den Vertrag mit dieser Klausel unterschrieb, wusste auch, dass er seine Entlassung riskiert, wenn er doch raucht. So war es in jenem Fall, der Bucec weltweit in die Schlagzeilen brachte. Und mancher ahnte, dass die Idee mit dem Gehalt für Nichtraucher ein interessanter unternehmerischer Aspekt sein würde.

Ende gut, alles gut. Das Gericht erklärte die Kündigung für rechtens. Und die B.Z. räumte Bucec in großer Aufmachung ein Interview zur Erläuterung seiner Geschäftspolitik ein.

Alles Geschichte, und den Nichtraucher-Zuschlag gibt es immer noch (100 Euro pro Mitarbeiter pro Monat).

Und wie geht es jetzt weiter, Mister LASERLINE?

„Guuuuut“, sagt Tomislav Bucec. „Auf der Basis der Leistung, die wir 2010 erbracht haben, schwebt mir eine Verdoppelung der Umsätze bis zum Jahr 2017 vor. Das sollte ich mit meinem motivierten Team doch schaffen...“

Na, das wäre ja was. Da würden sich auch die zahlreichen karitativen Einrichtungen freuen, in die Bucec viel Geld fließen lässt, zum Beispiel die School-for Life für Waisenkinder in Thailand, das Kinderhospiz Sonnenhof oder die Schüler der nahegelegenen Humboldthain-Grundschule.

Zum Schluss unseres Gespräch stellen wir auch Tomislav Bucec wie allen Berlin-Bewegern die nicht ganz ernst zu nehmende Frage: „Was könnte eines hoffentlich fernen Tages theoretisch mal auf Ihrem Grabstein stehen?“

„Da muss ich nicht lange nachdenken“, meint Bucec lächelnd. Da steht drauf: „Ich war ein glücklicher Mensch!“.

Ist das nicht schön? Ich nehme mal an, er wird den Stein von LASERLINE bedrucken lassen ...