Vera Gäde-Butzlaff

Vera Gäde-Butzlaff
Klub der Berlin‑Beweger

Eine Frau macht Putz – Vera Gäde-Butzlaff, Vorstandsvorsitzende der BSR

Vera Gäde-Butzlaff ist im KAUPERTS-Klub der Berlin-Beweger, weil sie als BSR-Chefin die Umwelt im Blick und ihre Männer im Griff hat.

Die „Männer in Orange“ und Vera Gäde-Butzlaff – man versteht sich

Die „Männer in Orange“ und Vera Gäde-Butzlaff – man versteht sich

Wenn Frauen zu sehr träumen, hören sie vielleicht einen Satz wie diesen: „Ich bring schon mal den Müll weg, Schatz…“

Na, ein Traum eben; denn Männer produzieren zwar Müll, aber beim Entsorgen sind sie eher zurückhaltend. Der verheißungsvolle Satz ist eher ein Ausdruck des Prinzips Hoffnung und ziert einige Müll-Fahrzeuge der BSR, die mit heiteren Werbesprüchen durch Berlin fahren („We kehr for you“ etc).

Ganz so heiter wie in der Werbung geht es bei der Berliner Stadtreinigung (BSR) allerdings nicht zu. Ist kein Café Sorgenfrei. Mal gibt es Streit mit anderen Entsorgern, mal geraten eigene Führungskräfte in die Schlagzeilen und müssen kritische Fragen über sich ergehen lassen.

So ein großes Unternehmen mit 5 300 Beschäftigten steht immer im Fokus der Öffentlichkeit. Wer da auf dem Chefsessel sitzt, muss über Führungsqualitäten, Weitsicht und Gelassenheit verfügen.

Vera Gäde-Butzlaff ist seit Februar 2007 Vorstandvorsitzende der BSR. Schon seit 2003 gehörte sie dem Vorstand an und war zuständig für die Bereiche Abfallwirtschaft und Reinigung. Die in Bad Gandersheim geborene Niedersächsin machte 1973 in Wolfsburg ihr Abitur.

„Das war keine Meisterleistung“, räumt sie ein, „auf dem Weg dorthin hatten meine Eltern oft Angst, ich könnte sitzen bleiben. Sie warnten mich und sagten, wenn ich so weitermachte, würde ich eines Tages noch bei der Müllabfuhr landen… Ich beruhigte sie mit dem Hinweis, dass ich viel zu faul sei, um ein ganzes Jahr zu wiederholen. So richtig glauben wollten sie das nicht, aber letztlich habe ich es geschafft. Mathe, Physik und Chemie waren nicht so meine Stärken. Mein Abi-Schnitt war entsprechend: Dreikommasowieso, aber damals war das ausreichend.“

Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an der FU Berlin begann sie eine ungewöhnliche Karriere: Regierungsrätin zur Anstellung beim Innensenator in Berlin. Richterin am Berliner Verwaltungsgericht, Vorsitzende Richterin am Verwaltungsgericht Frankfurt/Oder, Ministerialdirigentin und dann Staatssekretärin für Raumordnung, Landwirtschaft und Unwelt des Landes Sachsen-Anhalt, dann der Wechsel zur BSR. Und um so eine Karrieristin haben sich die Eltern zu Veras Schulzeiten mal gesorgt…

Das taten sie dann später noch einmal, als sich ihre Tochter gegen Göttingen und für Berlin als Studienort entschied. „Ich habe Berlin erstmals 1972 besucht“, erinnert sie sich, ein Jahr später zog sie hier her, und zwar in eine WG in der Kulmer Straße in Schöneberg. „Hier ging wirklich die Post ab. Keine Sperrstunde. Kneipendiskussionen bis zum frühen Morgen bei ,Leydicke’ oder bei ,Oma Plüsch’. Viel Kino und Kabarett. In der WG hatten wir keinen Fernseher. Der hat uns auch nicht gefehlt. Das Leben fand draußen statt.“

Heute findet ihr Leben auch drinnen statt, in der BSR-Zentrale in der Tempelhofer Ringbahnstraße. Das Unternehmen steht oft in den Zeitungen. Schläft man da nachts gut?

„Kein Problem“, sagt sie, „wenn ich schlafe, schlafe ich gut. Und wenn ich arbeite, arbeite ich hart. Alles zu seiner Zeit, bloß keine Hektik.“

Als Vera Gäde-Butzlaff, die vom Wesen her sanft wirkt und doch als knallharte Entscheiderin gilt, ihre Führungsaufgabe in der Männer-Domäne BSR übernahm, dachte mancher, das würde sie nicht schaffen. Um die Skeptiker ist es inzwischen recht ruhig geworden.

Die „Müllis“, wie sie betriebsintern heißen, und Straßenkehrer verstehen sich gut mit der Chefin. Man respektiert sich gegenseitig. In ihr haben die „Männer in Orange“ eine engagierte Fürsprecherin, die von ihren Jungs oft schwärmt: „Kein Mensch glaubt, was diese Männer Tag für Tag leisten. Ob bei Bullenhitze oder Eiseskälte – sie machen einen unglaublich schweren Job.“

Und als ob ich das bezweifeln würde, bietet sie mir an: „Sie können gern mal einen Tag als Praktikant mitmachen…“ Nein, nein, ich glaub es ja. Kurt Krömer hat das mal gemacht. Und der war schon vom Zuschauen erschöpft und suchte das Weite…

Was ich nicht wusste: Ich bin selbst Mitinhaber der BSR, die ja dem Land Berlin gehört. Und was Berlin gehört, gehört auch jedem von uns.

Besonders stolz ist Vera Gäde-Butzlaff, dass der Schutz der Umwelt im Mittelpunkt steht und auch künftige Projekte bestimmen wird.

Hier nur ein paar der beeindruckenden Zahlen und Fakten:

520 000 Tonnen Abfall werden jährlich in Strom und Wärme umgewandelt. Allein damit versorgt die BSR quasi eine Großstadt: 100 000 Haushalte mit Strom und 35 000 Haushalte mit Wärme.

90 000 Tonnen Sperrmüll werden im Jahr zu klimafreundlichen Ersatzbrennstoffen aufbereitet. Auf den drei BSR-Deponien wird Deponiegas erfasst und daraus Strom und Wärme hergestellt. Seit 1999 wurden die BSR-Emissionen von Treibhausabgasen um 70 Prozent verringert.

Zukünftig werden mehr als 100 Müllfahrzeuge mit Biogas aus BIOGUT betankt. Und vor allem ist die BSR ein großes Recyclingunternehmen. 350 000 Tonnen werden getrennt gesammelt und stofflich wiederverwertet. Papier zu Papier, Metall zu Metall usw. Das ist gut für die Umwelt und spart wertvolle Rohstoffe. Längst ist aus den Abfallbeseitigern ein Recycling-Dienstleister geworden, der ein gutes Image bei den Kunden genießt.

„Wenn Probleme auftauchen“, sagt Vera Gäde-Butzlaff, „wollen wir die möglichst innerbetrieblich und nicht in der Öffentlichkeit lösen. Das ist ein Grundsatz unserer Unternehmensführung.“

Die BSR bietet jedes Jahr rund 70 Ausbildungsplätze, ein breites Spektrum von der Küchenfachkraft bis zum Informatiker.

„Eine gute Ausbildung ist das Fundament für jeden Beruf. Junge Leute sollten flexibel und neugierig sein. Aus jedem Job kann sich ein ganz anderer entwickeln. Dass ich mal bei der BSR sein würde, hätte ich früher nicht für möglich gehalten…“, meint die BSR-Chefin, die verheiratet ist und eine erwachsene Tochter hat.

„Wer entsorgt eigentlich den Müll bei Ihnen zu Hause?“
„Ach“, sagt sie lächelnd, „da haben wir keine grundsätzliche Regelung. Mal mach ich das, mal unsere Tochter – und auch mal mein Mann. Der ist Philosoph und hat einen Sinn fürs Unausweichliche…“

Die traditionelle und nicht so ernst gemeinte Schlussfrage an jeden Berlin-Beweger: „Was könnte eines fernen Tages auf Ihrem Grabstein stehen?“
Sie lächelt. Und sagt spontan: „Frausein hat mir nicht geschadet.“